Der Nachtmarkt in der Oberstadt ist eine noch junge Burgdorfer Tradition. Tolle Stimmung, flotte Leute, feines Essen, fägige Musik – jünger und älter geniessen es, an vier Freitagen pro Jahr nach Feierabend durch die Gassen zu bummeln, chli an den Ständen zu schnöiggen, da und dort einen Schwatz zu halten und miteinander, ohne einen Gedanken an Ladenöffenungszeiten verschwenden zu müssen, das Wochenende einzuläuten.
Schattenspender für die Konkurrenz
Mit “Long Stick goes Boom – Live from da House of Rust” legen Krokus das dritte Livealbum ihrer bald 40jährigen Bandgeschichte vor. Das in der Solothurner Kulturfabrik Kofmehl eingespielte Konzertdokument hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits macht es grossen Spass, viele alte Heuler in einer etwas modernisierten Fassung zu hören. Andrerseits wirkt die CD seltsam künstlich.
“Headhunter” fehlt, “To the Top” fehlt, “Winning Man” fehlt… doch abgesehen davon bieten die Bluesrock-Berserker vom Jurasüdfuss ihren Fans genau genau das, was sie von ihnen erwartet haben.
Und, für Veteranen dieses Genres eher überraschend, sogar noch mehr: Mit „Dirty Dynamite“, „Go Baby go“, „Hallelujah Rock’n’Roll“ sowie Auszügen aus „Betta than Sex“ und „Dög Song“ bringen Fernando von Arb, Mandy Meyer, Mark Kohler (Gitarren), Marc Storace (Gesang), Chris von Rohr (Bass) und Flavio Mezzodi (Drums) auch Müsterchen aus der jüngsten Schaffensperiode zu Gehör.
Nur: Im Gegensatz zum erdig-körnigen Live-Doppeldecker “Fire & Gasoline” aus dem Jahr 2004 klingt “Long Stick…” verdächtig geschliffen. Der “Dräck”, den von Rohr von anderen Bands unermüdlich fordert, fehlt diesmal weitgehend.
Wie tief von Rohr, der die Platte produzierte, bei der Fertigstellung des Werks in die Trickkiste gegriffen hat, ist unklar. In einem Interview antwortet er auf die Frage, ob “Long Stick…” im Studio nachpoliert worden sei, erst mit “das war zum Glück nicht nötig”.
Zwei Atemzüge später räumt er ein, “einige wenige Kleinigkeiten ausgebessert” zu haben, “hauptsächlich bei den Chor-Gesängen”. Darüberhinaus seien “zwei bis drei verstimmte Gitarren ersetzt” und “zu lange Sing Along-Passagen mit dem Publikum gekürzt” worden.
Ob in “Long stick…” soviel “Live” ist, wie draufsteht, weiss ausser Chris von Rohr folglich kein Mensch.
Wobei: Solange es aus den Lautsprechern und Kopfhörern chlöpft und tätscht wie anno dazumal, als die ewigen Wandler in den AC/DC-Fusstapfen erst die Kirchgemeindehäuser in ihrer Wohngegend und später die Megastadien in den Vereinigten Staaten erbeben liessen, ist das alles ja gar nicht sooo wichtig.
Übrigens: Mein Bruderherz scheint mit “Long Stick…” ebenfalls nicht rundum glücklich zu sein. In einer Plattenkritik auf CeDe.ch notiert er unter dem Titel “Nur das 2.-beste Livealbum”:
“Vorab: <Fire & Gasoline> gefällt mir besser. In meinen Ohren knallt das Teil einfach mehr als <Long stick…>. Und ganz ehrlich: Von 3 Gitarren erwarte ich, dass man den Unterschied zu 2 Gitarren auch wirklich merkt! Und zwar nicht an verschiedenen Stellen der Songs oder des Albums, sondern im Gesamtpaket!
Klar, Maiden haben damit auch immer wieder ihre Schwierigkeiten. Aber gerade deshalb finde ich: 2 Gitarren tätens auch.
Die Songauswahl: Nicht schlecht. Schön, dass es <Hellraiser> darauf geschafft hat. Der Beweis, dass auch CvR nicht immer stur an seiner Meinung festhalten muss und will. Aber warum man auf Live-Knaller wie <Winning man> oder Album-Fan-Faves wie <To the top> verzichtet, das wird wohl für immer ein gut gehütetes Krokus-Geheimnis bleiben.
Jä nu… Hauptsache, sie sind noch dabei und stecken live noch so manche Schnuderigruppe in den Sack!”
Offener Brief an das Theater Adliswil
Liebe Theaterfreunde
Mit eurer spürbaren Einsatzfreude und eurer grenzenlosen Liebe zum Detail schafft ihr es Jahr für Jahr, Theaterfreunde aus näher und ferner für eure Schauspiele zu begeistern.
Das ist in einer Zeit, in der “Kultur” für immer mehr Menschen bedeutet, sich husch ein angesagtes youtube-Filmchen herunterzuladen oder, wenns ganz hochkommt, am Fernseher einen “Arte”-Themenabend zu konsumieren, alles andere als selbstverständlich.
Auch wenn ihr noch mitten in der aktuellen Aufführung steckt: Wir Emmentalerinnen und Emmentaler sind schon heute sehr gespannt darauf, womit ihr das Publikum in zwölf Monaten begeistern werdet.
Wir versuchen nun, etwas vom “guten Geist von Adliswil” in unsere eigene Produktion einfliessen zu lassen. Am 9. Mai feiern wir die Premiere von “Schiffmann”.
Wenn wir wüssten, dass ihr uns dafür kurz die Daumen drücken würdet, hätte das für uns in moralischer Hinsicht einen grossen Wert.
Herzliche Grüsse – speziell auch an “Hoteldirektor” Max Trossmann,
Johannes Hofstetter
Präsident Szenerie Burgdorf
PS: Ja – “offene Briefe” sind verpönt. Aber der hier musste jetzt einfach sein.
Mittagsschäfchen
Unser Quartierkönig geniesst den Lohn seiner Sonntagsarbeit: Nachdem er das Schaf erlegt und gerupft hat, gönnt er sich auf den Überresten von dessen Fell ein Nickerchen.









