Schattenspender

Foto

Das machen ziemlich sicher nicht alle Vermieter: Nachdem mein Schatz gestern am späten Abend unser Gartenbeetli renoviert hatte, steckten unsere “Hausdame” und unser “Hausherr” heute einen Schirm in die Erde, um die Saat vor der überraschend kräftig scheinenden Sonne zu schützen.

Lieber spät als nie

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Erfreuliche Nachrichten vom Fuss des Brünigs: “Am Montag kam unerwartet und aus heiterem Himmel eine Zusage”, schreibt der Lautenist Thomas Schall aus Lungern.

Man erinnert sich (oder auch nicht): Vor rund einem Monat habe ich unter dem Titel “Schon etwas eigen” darüber berichtet, dass die Verantwortlichen seines Wohnortes scheinbar kein Interesse an einem Gratiskonzert des Musikers haben. Eine Antwort auf seine Offerte, kostenlos in der idyllisch gelegenen

Lungern-Strandbad

Obsee-Kapelle

zu spielen, sei jedenfalls nie bei ihm eingetroffen.

Doch nun haben die Kulturmühlen im Kurort doch noch gemahlen. Darüber können sich nicht nur die Freunde der leisen Lautenklänge freuen; auch der Künstler selber ist, wie er schreibt, “begeistert!”. Für den Auftritt am 30. Mai seien er und sein Sänger Rafael Montero schon “eifrig am Proben”.

Neben dem Matterhorn

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Neulich, in Zermatt: Nicht nur beim “Unplugged”-Auftritt der Halunke, sondern überhaupt auch sonst immer ist es praktisch unmöglich, ein Bild zu schiessen, auf dem nicht das Matterhorn zu sehen ist.

Aber mit chli Fantasie gehts dann trotzdem.

Zum Beispiel

WC

im WC der “Blue Lounge”,

Decke

im Zimmer des sehr empfehlenswerten Hotels Allalin (das Bild zeigt den Blick vom Bett durch den Lampenschirm an die Decke) oder

Feuertreppe

an einer Hauswand,

wobei man beim Knipsen schampar aufpassen muss, nicht durch die Feuerleiter zu fallen (aber nur, wenn man von oben nach unten fotografiert. Wer, wie ich, von unten nach oben zielt, minimiert das Risiko um knapp 100 Prozent).

Meist aber ist das Horu drauf, irgendwo, und zwar auch dann, wenn man extra ein Glas zwischen sich und den Berg stellt:

Aussicht

Was übrigens den Halunke-Auftritt betrifft: Auf 2600 Metern über Meer, am Fuss des Matterhorns, genossen wir vor der “Blue Lounge” das dritte und letzte Konzert, das die Berner Pophiphopper am renommierten “Zermatt unplugged”-Festival spielten. Trotz der einen und anderen Panne (mal stieg das Mischpult aus, mal riss eine Gitarrensaite, mal fiel das halbe Schlagzeug auseinander) und ungeachtet der Tatsache, dass Musizieren in dieser dünnen Luft laut Oberhalunke Christian Häni (siehe Bild ganz oben) deutlich atemberaubender ist als im Flachland, begeisterte das Quartett das Publikum mit seinem Querschnitt durch die Alben “Souerei” und “Houston we are ok” von A wie…äh…Anfang bis Z wie Zämepacke.

Kurze Pause

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Wichtige Mitteilung an alle, die schon lange wieder einmal ein gutes Buch* statt immer nur so Internetsachen lesen wollen: Dieser Blog – bzw. dessen Wart – macht eine kurze Pause, denn bald ist er mit seinem Schatz hier

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(und zwar deshalb),

et puis nous sommes là:

Paris,

mit dem besten Brüetsch (und Schwager) aller Zeiten und the tollst Schwägerin ever.

Sehr wahrscheinlich gehts in diesem Blog erst Mitte nächste Woche weiter, aber vielleicht auch schon vorher.

* Sehr zu empfehlen sind

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– “Das Geheimnis der Söhne”, der nigelnagelneue Krimi meiner Berufs- und “Mordsgeschichten”-Kollegin Christine Brand,

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“Bruce”, die fantastische Biographie über Bruce Springsteen oder

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“Schuld” und “Verbrechen”, die ebenso fesselnden wie wahren Geschichten des Berliner Strafverteidigers Ferdinand von Schirach.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

telefon

Die Teilnehmer des “Perfekten Dinners” kämpfen sich, obwohl bereits pappsatt, gerade durch ein üppiges Dessert mit Mangoscheiben und Himbeersaft, als mir mein Telefon signalisiert, dass ein anonymer Anrufer mich zu sprechen geruhe.

Seit Tagen schon alleine zuhause und dem kommunikativen Austrocknen deshalb beängstigend nahe, beschliesse ich entgegen meinen Gewohnheiten und trotz der unterdrückten Nummer, das Gespräch anzunehmen. Kaum habe ich meinen Namen gesagt, begehrt ein Herr deutscher Zunge zu wissen, ob ich mir im Klaren darüber sei, dass ich bei meinen Krankenkassenprämien mehrere! hundert!! Franken!!! pro Jahr!!!! sparen könne, wenn ich ihm kurz zuhören würde; er habe mir diesbezüglich wirklich Wichtiges mitzuteilen.

Weil ich aus nichts heraus eine fast kindische Lust darauf verspüre, mal wieder jemanden ein bisschen zu plagen, sage ich zu dem Herrn, das sei jetzt aber ein Zufall; vor wenigen Tagen erst hätte ich mir überlegt, ob es krankenkassenmässig nicht amänd noch günstigere Varianten gebe, sei aber noch nicht dazugekommen, Offerten einzuholen, und, klar, sehr interessiert daran, zu hören, was er zu bieten habe.

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Hörbar erfreut darüber, vermutlich zum ersten Mal heute seit Wochen mit jemandem länger als zwei Sekunden reden zu können, fragt mich der Mann als Erstes, ob es mir wohl möglich sei, ebenfalls Hochdeutsch zu sprechen, worauf ich auf Mundart erwidere, das könnte ich vielleicht schon, aber wenn er in der Schweiz einen Schweizer anrufe, müsse er halt schon damit rechnen, dass der Angerufene Schweizerdeutsch rede, was der Krankenkassenprämiendrücker mit einem, wie mir scheint, etwas gekünstelt wirkenden Lachen quittiert.

In der Folge nenne ich ihm bereitwillig meine wichtigsten Eckdaten – “32. Technischer Zeichner. Geschieden. Zwei Kinder. Nein, bei der Mutter.” – damit er sich, wie er sagte, “ein Bild von Ihrer Situation” machen kann.

Nachdem das geklärt ist, beginnt er, all die Vorteile aufzuzählen, von denen ich bei einem Wechsel zu einem seiner Superdupersparmodelle profitieren könnte. Ich nutze die Gelegenheit, um mich endlich um mein Nachtessen zu kümmern. Das iPhone auf laut gestellt, wärme ich eine Gemüsesuppe auf, pfupfe ich Mineral ins Wasser und räume ich die Abwaschmaschine aus. An strategisch wichtigen Stellen werfe ich ein “Oh!” ein oder ein “Aha…” oder ein “Phuu” oder ein “Ehrlich?” oder auch nur ein “Hm”.

Von soviel Aufmerksamkeit ermutigt, plappert er weiter, wobei ich mir vorstelle, wie er vom Bildschirm in seinem Callcenterbürocontainer ein Argument nach dem anderen abliest, ohne auch nur den Schatten eines Hauches einer Ahnung davon zu haben, worum es eigentlich geht. Morgen wird er Lose der Süddeutschen Klassenlotterie verkaufen und übermorgen Gesundheizdecken, aber heute hängt seine Zukunft an diesen Kassenprämien, und wenn er etwas genau weiss, dann das: Falls er am Ende seiner Zehnstundenschicht auch nur einen Vertrag – und zwar diesen hier – abgeschlossen hat, kann er sämtliche kommentarlos beendeten Gespräche, Verwünschungen und Demütigungen, die sich im Laufe des Tages zusammengeläppert hatten, vergessen.

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Strahlend würde er zuhause seine Frau in den Arm nehmen und sagen: “Schatz, ich habs ja immer gesagt: Es kommt gut!” Dann macht das Paar es sich auf dem noch nicht restlos abbezahlten Ikeasofa bequem. Vor dem mit einem Kleinkredit finanzierten Grossfernseher geniessen die beiden den Abend in der Gewissheit, dem Häuschen am Waldrand ein Schrittchen näher gekommen zu sein. Irgendwann sinken sie müde, aber voller Zuversicht in das von seinem Schwiegervater vorfinanzierte Conforamabett.

Sein letzter Gedanke vor dem Einschlafen gilt seinen zig Landsleuten, die sich neulich bitterlich darüber beklagt hatten, in der Schweiz nicht mit Pauken und Trompeten und einem roten Teppich willkommengeheissen worden zu sein, und die deshalb in Heerscharen wieder zurück nach Deutschland zügeln.

“Die haben ja keine Ahnung, wie man mit diesen Schweizern umgehen muss”, denkt er. “Wenn man weiss, wie man sie nehmen muss, fressen die einem wie dieser Hofmeier oder wie der hiess aus der Hand.”

Aber soweit ist es noch nicht. Im Moment hat er diesen Hofmeier, oder wie er heisst, zwar an der Angel, aber noch kann er sich nicht ganz sicher sein, dass Hofmeier so fest angebissen hat, dass er sich nicht mehr vom Haken lösen kann. Deshalb macht der Krankenkassenprämiensenker weiter und weiter mit seinen Zahlen und Beispielen und Vergleichen und Statistiken und allem.

Das “Perfekte Dinner” ist längst zu Ende. Das Mangodessert kam bei den Gästen erwartungsgemäss nicht ganz so gut an, wie vom Gastgeber erhofft. Ich habe umgeschaltet auf einen gut abgehangenen “Tatort” aus Stuttgart, was irgendwie ganz gut zu dem passt, was ich nebenher erledige. Das iPhone liegt, immer noch auf laut gestellt, vor mir auf dem Tischchen. Der Mann am anderen Ende der Leitung textet mich immer noch zu, und ich sage weiterhin “Oh” und “Aha” und “So, so” und Ähnliches, wenn ich das Gefühl habe, es sei mal wieder an der Zeit, ein Lebenszeichen von mir zu geben.

In dem Moment, als Kommissar Bienzle seiner Hannelore ein Glas Orangensaft über die Schenkel schüttet, höre ich den Anrufer bestens gelaunt sagen, das sei jetzt alles für den Moment; ob er mir unverbindlich die Unterlagen schicken könne.

Nein, sage ich, und lege auf.