Sonnig und heiss

IMG_2047

Pünktlich zum angeblichen Weltuntergang meldeten australische Medien gestern, dass ein Wirbelsturm auf die Ostküste treffen werde.

Passiert ist dann: Nichts.

Für uns gibt es damit weiterhin keinen Grund, uns über das Wetter zu beklagen. Seit dem kleinen Regenintermezzo in Rainbow Beach scheint ununterbrochen die Sonne. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 35 und 40 Grad herum.

Einheimische sagen, eine derartige Trockenperiode hätten sie schon lange nicht mehr erlebt. Die Farmer mit ihren riesigen Zuckerrüben-, Bananen- und Mangofeldern wären froh, wenn bald wieder einmal Wasser vom Himmel fallen würde.

Zum Zmorge, zum Zmittag, zum Znacht und auch sonst

Unknown

To whom it may concern: Wir essen in Australien sehr ausgewogen nicht nur Junkfood zumindest drei Mahlzeiten pro Tag.

Heute zum Beispiel gönnte sich Chantal

IMG_2048
zum Zmorge

Lachs (Fisch; gesund) mit Avocado (Frucht; gesund), einem pochierten Ei (Tierprodukt; gesund) und chli Toast (Brot; gesund).

Ich blieb bei meinem Favoriten, einem australian breakfast. Dieses besteht aus Schinken, Speck (Tierprodukte; gesund), einem pochierten Ei (siehe vorhin) und Toast (siehe gleich nochmals vorhin). Manchmal hats noch Bohnen und eine Tomate und Pilze dabei: Alles von Mutter Natur, alles entsprechend gesund.

Zum Zmittag bestellten wir je eine

IMG_2060
Portion Calmari

(Tierprodukt; gesund) mit Pommes Frittes (Kartoffeln; gesund).

Zum Kafi gabs

IMG_2062
je ein Kafi

(in Massen genossen nicht unmittelbar tödlich).

Als Vorspeise zum Znacht bestellten und bekamen wir

IMG_3968
dunkle Känguruh- und helle Krokodilstücke

(Fleisch; gesund). Der Hauptgang bestand in Chantals Fall aus einem Steak (Fleisch; gesund) mit Fisch (Fisch; gesund) und in meinem aus einem Hamburger (Fleisch und Brot, doppelt gesund) mit Pommes Frittes (wie gesagt: Naturprodukt) und Zwiebeln (Pflanze; gesund). Auf beiden Tellern lag Salat (Kommentar überflüssig).

Auf Desserts verzichteten wir. Es waren kaum Fruchtglacen im Angebot.

Ernährungstechnisch etwas suboptimal waren vielleicht die Kaugummis, die wir uns tagsüber zwischendurch zuführten und das Schoggiguezli, das ich auf der Fahrt vertilgen musste, weil es sonst geschmozen wäre (wobei: Schokolade besteht ja zu einem nicht geringen Teil aus gesunder Milch).

Hell & dunkel

IMG_1981

Schneeweisser Sand, türkisblaugrünes Wasser, kaum Touristen: Die Stunden, die wir gestern auf Withehaven Beach verbringen durften, waren für uns wie ein Wirklichkeit gewordener Traum. Wir werden sie nie mehr vergessen.

In dieses Paradies gebracht hat uns ein überaus gmögiger Mann namens Dan. Mit einem Wasserflugzeug flog er uns, nur wenige hundert Meter über Meer schwebend, von Airlie Beach nach Hayman Island, um zwei weitere Gäste an Bord des Maschinelis zu nehmen. Eine weitere Viertelstunde später setzte er erneut auf dem lauwarmen Wasser auf; diesmal vor dem fast unberührt scheinenden Strand, der laut unserem Piloten zu den drei schönsten Stränden der Welt zählt.

IMG_1951

Nachdem wir – von den Eindrücken immer noch erschlagen – zurück in Airlie Beach waren, gönnten wir uns im Restaurant des Mini-Flughafens etwas Kühles zu trinken. Dabei konnte Chantal ihre Knieverletzung, die sie sich bei einem Zusammenstoss mit dem Flugzeug zugezogen hatte, genauer studieren. Ein zufällig in der Beiz anwesender Kookaburra assistierte ihr bei der Diagnose.

IMG_2040

Die Prellung ist zwar schmerzhaft und lästig, aber nicht so gravierend, dass sie uns an der Weiterreise hindern könnte. Also gings auf dem Bruce Highway ab nach Townsville, wo wir nach einer vierstündigen Fahrt im nächstbesten Hotel eincheckten. In einem Supermarkt besorgten wir Eisbeutel und Voltarensalbe. Das sollte fürs Erste genügen.

Townsville selber? Naja: Hügel, Hafen, Hotelkästen.

IMG_2049

Im Moment sitze ich im Internet-Café im Parterre des Hotels. Als ich vorhin vor das Gebäude ging, um zu rauchen, näherten sich mir wie aus dem Nichts zwei Aborigines. Sie trugen halbzerfetzte Turnhosen, die in den frühen 80er Jahren modern gewesen waren, und sonst nichts.

Der eine hatte eine Schnapsfahne, die vermutlich noch in Melbourne zu riechen war, und einen verschmutzten Verband am rechten Oberarm. Dem anderen waren im Laufe der Zeit ein Auge und die meisten Zähne abhanden gekommen. Er blutete aus dem Mund. „A fuckn dollah“, verlangte er. Als ich nicht reagierte, wiederholte er: „Gimmi a fuckn dolla. Just a fuckn dollah!“

Ausser den zwei Ureinwohnern war auf der Strasse zu dieser frühen Stunde kein Mensch zu sehen. Irgendwie wurde es mir chli gschmuuch. Ich liess die beiden Dunkelhäutigen stehen und ging, von wüsten Flüchen begleitet, zurück ins Hotel.

Auch das ist Australien”, dachte ich, als sich die Glastüre hinter mir lautlos vor den Fremden schloss.

Letzte Etappen der Ostküsten-Tour

Palme

…und weiter gehts: Nachdem wir in Airlie Beach vier Tage lang in einer kleinen Zauberwelt gelebt haben, gehts morgen Donnerstag zurück auf den Highway. Unser nächstes Ziel Townswille liegt rund 300 Kilometer nördlich.

Doch bevor wir erneut in unser Mietauto steigen, heben wir ab: Mit einem Kleinflugzeug überfliegen wir die Withsunday Islands. Auf einem dieser schneeweissen Strände verbringen wir ein paar zweifellos unvergessliche Stunden.

AU01SWE0005

Mit der letzten Etappenankunft in Cairns beenden wir unsere Tour d’Ostküste. In Sydney dürfen wir am 24. Dezember im Beisein von Chantals Grossmutter, Tanten, Onkeln, Cousinen und Cousins zum zweiten Mal “heiraten”. Die Vorbereitungen für diese Feier laufen dem Vernehmen nach seit Monaten auf ziemlich hohen Touren.

Zwischen Weihnachten und Neujahr stehen in Sydney und Umgebung Verwandtenbesuche an. Spätestens am 1. Januar geht unsere Reise weiter. Auf dem Weg nach Melbourne biegen wir für zwei, drei Tage nach Tasmanien und auf die von Pinguinen bevölkerten Philipp Islands ab.

Irgndwann Mitte Januar schliesslich…aber das spielt in unseren Plänen überhaupt keine Rolle. Wir nehmen, was auch immer wann auch immer wie auch immer kommt.

Bisher sind wir damit sehr, sehr gut gefahren und -flogen.