Neulich, in einer bitterkalten Herbstnacht: Was sein muss, muss sein.
Ausklänge
Zufällig auf der Suche nach merkwürdigen “Special Edition”-CDs entdeckt: Auf der Website des Sarg-Ateliers seiner Frau Alice bietet Mundartrocker Polo Hofer fünf “Greatest Final Hits” an. Das nennt man wohl “Synergien nutzen”.
Der schönste dieser Songs ist “Wenn mys letschte Stündli schlaht”. Er geht so:
Und weil ich jetzt schonmal dabei bin: Ich fänds toll, wenn bei meinem Abschied Folgendes zu hören wäre:
“Endless” von Toto (nicht wegen des Titels, sondern als letzte Liebeserklärung an ali, womi käned)
,
“Sometimes I feel like screamin’ von Deep Purple (gerne auch ohne Orchester)
und, um die hoffentlich sowieso nicht allzu triste Veranstaltung chli aufzulockern, den perfektesten Poposong, der je geschrieben wurde: “Dancing Queen” von Abba:
Das wärs dann, vermutlich. Viel mehr Zeit dürfte kaum bleiben.
Ausser…ausser natürlich, man streicht die Reden. Dann könnten noch
“Sultans of Swing” von den Dire Straits eingebaut werden (aber nur, wenns auch für das Gitarrensolo reicht)
und, falls der Pfarrer auch auf die Mitteilungen an die Gemeinde verzichtet (was er von mir aus gerne tun kann; ich muss mir die Termine ja nicht mehr merken),
“Invincible” von Muse (ein bisschen Symbolik wird wohl sein dürfen):
.
Je nach Stimmung in der Kirche und auf dem Public Viewing-Gelände käme als Zugabe noch “Another one bites the dust” von Queen in Frage:
Was ich auf gar keinen Fall hören (hihi) möchte, wären “Highway to hell” von AC/DC, “Stairway to heaven” von Led Zeppelin, “My way” von Frank Sinatra oder etwas Artverwandtes, das für unzählige Leute offenbar ums Töten zu einer Abdankung gehört.
(Weitere Vorschläge? In den Kommentaren hats noch viel Platz!)
“Ihr dürft stolz sein auf euch”
Kurze Pause: Hans Herrmann, Urs Wüthrich, ich, mein Schatz, Andrea Sommer und Michael Hug (von links) in der Küche des Burgdorfer Casino-Restaurants. (Bild: Sabine Käch)
Um 9 Uhr legten wir los. 15 Stunden später waren wir fertig.
In der Zeit dazwischen schnippelten wir Zwiebeln, zerstückelten wir Rüebli und Kürbisse und andere Bodenschätze, köchelten wir Bouillon, garten wir Schweinehälse, verwandelten wir Reis in Risotto, hantierten wir mit siedendem Öl, blubberndem Wasser und brennendem Gas, schlugen wir Rahm, schmolzen wir Schokolade, banden wir Saucen, richteten wir Dutzende von Tellern an, fegten wir Böden, schrubbten wir Pfannen, spülten wir Besteck…und wunderten wir uns immer wieder darüber, dass wir mitten in diesem Schlaraffenland gar nicht sooo grossen Hunger hatten.
Kurz: Der Kocheinsatz der sechsköpfigen BZ-Equipe an den Burgdorfer Krimitagen war zumindest in arbeitstechnischer Hinsicht recht nahrhaft. Doch trotz hektischer Momente brachten Michael Hug, Andrea Sommer, Urs Wüthrich, Hans Herrmann, mein Schatz und ich den Tag unfall- und streitfrei über die Runden. Abverheit ist uns kein einziges Menü. Wenn die “Casino”-Gäste einen Stock weiter oben bestellten, hatten wir im Untergrund das Gewünschte schon fast angerichtet.
Der Aufwand – oder, von den Restaurant-Verantwortlichen her betrachtet: das Risiko – hat sich gelohnt. Nachdem uns schon während unseres Engagements positive Echos vom Service und von der Kundschaft zu Ohren kamen, attestierte uns nun auch Renate Scheidegger vom Gastroteam der Krimitage Beizen-Tauglichkeit.
Sie schreibt:
“Wir hatten sehr gute Rückmeldungen von unseren Gästen zum feinen Essen von Euch. Ein besonderer Dank auch für das Aufräumen und Putzen der Küche. Das nächste Team durfte alles in Super-Zustand übernehmen. (…) Ich hoffe, dass Ihr nicht nur einen „Riesen-Chrampf“ hattet, sondern auch Spass. Ihr könnt wirklich stolz sein auf Eure Leistung.”
Das sind wir, momoll. Und insgeheim fragen wir uns schon: Wo und für wen dürfen wir das nächste Mal kochen?
Die Stadt im Tassli
Burgdorf hat nicht nur das Schloss und die Krimitage und eine tolle Altstadt und sehr flotte Einwohnerinnen und Einwohner und überhaupt, sondern seit Kurzem auch eine eigene Kaffeemarke.
Hergestellt wird der “Burgdorfer Kaffee” von der Burgdorfer Kaffeerösterei. Diese gehört zum neuen und schampar gemütlichen Lokal “B5 to go” im Bahnhofquartier.
Das “B5 to go” ist ein Ableger des Hotels Berchtold. Im Hotel Berchtold wiederum befindet sich die für mich historische B5-Bar. “Historisch” insofern, als ich an deren Tresen am Morgen des 13. April 2012 vorfreudig wie noch nie im Leben auf unsere Trauzeugen und weitere Hochzeitsgäste wartete.
Irgendwie hängt halt doch immer alles zusammen.
Schlammschlacht ohne Ende
Das stand über Jörg Kachelmanns Zivilprozess gegen seine Ex-Geliebte Claudia D. auf Spiegel online:
“Kachelmann sucht die Öffentlichkeit geradezu, sie soll an seiner Reinwaschung genauso teilnehmen wie an dem teilweise würdelosen Prozedere im Strafprozess. Sein Lächeln versiegte, als Richter Kästner nach weniger als vier Minuten verkündete, die Öffentlichkeit werde von der Verhandlung ausgeschlossen, weil “persönliche Verhältnisse der Parteien erörtert werden, die nicht in die Öffentlichkeit gehören”. Der Punkt geht an Claudia D.”
Jörg Kachelmann entgegnet auf Twitter:
“Das Gericht hatte im Vorfeld des Verhandlungstags vorgeschlagen, die Öffentlichkeit auszuschliessen. Meine Anwältin hat nicht nur diesen Vorschlag begrüsst, sondern auch einen separaten Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit gestellt, weil (…) diese in einem entspannten Umfeld ohne die Anwesenheit von sabbernden Journalisten etc. stattfinden sollte, die einem ein versiegendes Lächeln ins Gesicht dichten.”
Wer naiverweise gedacht (oder gehofft) hatte, die juristisch–publizistische Auseinandersetzung zwischen dem Wettermann und der Radiofrau sei mit dem Freispruch von Ende Mai 2011 vorbei, sieht sich getäuscht. Anderthalb Jahre nach dem Urteil hat sich der Pulverdampf keineswegs verzogen.
Ganz im Gegenteil: Er wird immer dichter.
Was dem Gericht in Mannheim mit rechtlichen Werkzeugen nicht gelang – oder gar nicht gelingen sollte? – will Kachelmann nun mit eigenen Mitteln erzwingen: Ein für allemal Klarheit darüber zu schaffen, wer in diesem Drama Opfer ist und wer Täterin. Mit Interviews, einem Buch, einem Talkshow-Auftritt und unzähligen Beiträgen in Online-Foren versucht der “im Zweifel für den Angeklagten” freigesprochene Kachelmann das Stigma eines “Freispruchs zweiter Klasse” loszuwerden.
Die Frau, die seiner Meinung nach die Hauptschuld an der ganzen Misère trägt, denkt ihrerseits nicht daran, “die Sache” auf sich beruhen zu lassen. Erst wehrte sich erfolglos dagegen, dass ihr früherer Teilzeit-Lover sie in seinem Buch mit vollem Namen nennt. Dann verkrachte sie sich mit ihrem Anwalt, weil dieser einem Journalisten höchst vertrauliche Dokumente über seine Mandantin zugespielt hatte. Das vorläufig Letzte, was man von Claudia D. gehört hat, war, dass ihre Geschichte verfilmt werden soll. Mit George Clooney als Jörg Kachelmann.
Aber interessiert all das überhaupt noch jemanden – von den Direkbetroffenen einmal abgesehen? Fest steht: Das Interesse an der Affäre nimmt ab, wie ein Blick in die Schweizerische Mediendatenbank (SMD) belegt: Für die Zeit vom 1.1.2011 bis zum 31. Mai 2011 – das war die Phase vor dem Prozess – sind im elektronischen Gehirn der Journalisten über 500 Einträge gespeichert. Im letzten halben Jahr wurden in den Printmedien noch gut 150 (und vergleichsweise recht kurze) Texte zum Thema “Jörg Kachelmann” publiziert.
Nachdem das Ehepaar Kachelmann in seinem Buch “Recht und Gerechtigkeit” mit jedem und jeder abgerechnet hatte, der in den letzten Jahren nicht Seit’ an Seit’ mit ihm gekämpft hatte, spätestens aber seit seinem missglückten Auftritt bei Günther Jauch, scheint in dieser Sache endgültig alles gesagt, was nachvollziehbarerweise noch gesagt werden musste.
Wer noch Belege dafür benötigte, dass Jörg Kachelmann übelst mitgespielt wurde, fand sie in seinem Buch. Wer noch eine Bestätigung für die These gesucht hatte, dass über den Freispruch halt doch der Schatten eines Zweifels schwebt, wurde – ironischerweise auch wegen des eher suboptimalen Vorgehens des Hauptdarstellers – ebenfalls bedient.
Doch was genau in der Wohnung von Claudia D. damals passiert ist, wird kein Mensch je erfahren. Genausowenig vermag kein Mensch in die Köpfe von Jörg Kachelmann und Claudia D. zu blicken, auch wenn beide ihre Seelenteppiche mehrfach in voller Länge und Breite vor Publikum ausgebreitet haben.
Ein Mehr an Fakten ist nicht zu erwarten. Gäbe es in Form eines DNA-Spürchens oder eines verwischten Fingerabdrucks auch nur einen Belegfitzel dafür, dass die angebliche Vergewaltigung tatsächlich stattgefunden hat: Claudia D. und ihre Anwälte hätten ihn längst präsentiert. Doch offensichtlich liegt Derartiges nirgendwo vor. Und solange das so bleibt, ist es unmöglich, Jörg Kachelmanns Schuld zu beweisen. Was in einem Rechtsstaat bedeutet: Er ist un-schuldig.
Nur: Das ist nichts Neues. Das haben inzwischen alle begriffen. Oder fast alle.
Jene, die es nicht kapieren wollen oder können, lassen sich selbst dann nicht von ihrer Meinung abbringen, wenn sich die Schlammschlacht bis zu dem Tag hinziehen sollte, an dem auch der sensationsgeilste Leser und die klatschsüchtigste Leserin mit einer Mischung aus Langeweile, Mitleid und Fremdscham einfach weiterblättern, wenn sie in der Zeitung den Namen Kachelmann lesen.












