Kaum zu glauben: Das ist erst 16 Jahre her.
Eingewintert
Erkenntnis nach einem überraschungsreichen Tag: Nächstes Jahr wintern wir unser Gartensitzplätzli schon Mitte Juli ein.
“Am besten schreibt man, was man selber gerne liest”

Stelldichein der ganz Grossen: Arne Dahl (links) und Håkan Nesser auf der Burgdorfer Casino-Bühne (Bild: Burgdorfer Krimitage)
Mit Arne Dahl und Håkan Nesser erwiesen den 10. Burgdorfer Krimitagen heute Morgen zwei der weltweit erfolgreichsten Krimiautoren die Referenz.
Freunde der literarischen Hochspannung verehren Arne Dahl – der eigentlich Jan Lennart Arnald heisst – und Håkan Nesser wie Liebhaber der Populärmusik die Beatles und Abba. Was immer die zwei Schweden zu Papier bringen – Millionen von Leserinnen und Lesern reissen es ihnen aus der Hand. Filmproduzenten stehen für die Buchmanuskripte Schlange, bevor die Vorworte geschrieben sind.
Und nun sitzen der Schöpfer von Paul Hjelm und Kerstin Holm (Dahl) und der geistige Vater von Günnar Barbarotti und Erich van Veeteren (Nesser) auf der Bühne des ausverkauften Casino-Theaters. Burgdorf weiss die Ehre zu schätzen: Für ihre Krimitage-Gäste aus dem hohen Norden hat sich die Stadt über Nacht skandinavienkompatibel herausgeputzt und präsentiert sich in einem schneeweissen Kleid.
Wer eine lockere Plauderei* zum Thema “Wie schreibe ich einen Beststeller?” erwartet hatte, muss schon in der ersten Minute umdenken. Zum Einstieg will Moderator Hans Peter von Däniken von Dahl und Nesser wissen, ob sich der Massenmord von Anders Behring Breivik als Motiv für einen Kriminalroman eignen würde. “Wenn ich vor diesem Ereignis eine solche Geschichte vorgeschlagen hätte, wäre sie abgelehnt worden”, sagt Arne Dahl. Das Massaker im Nachhinein literarisch zu verarbeiten, sei für ihn unmöglich. Nesser stimmt seinem Kollegen zu.
Einig sind sich die beiden in einem weiteren Punkt: In einem Krimi Nebendarsteller sterben zu lassen, sei wesentlich einfacher, als sich von liebgewonnenen Hauptfiguren zu trennen. Dahl sorgte deshalb dafür, dass seine Heldinnen und Helden, die anfänglich nur in Stockholm tätig waren, in einer gesamteuropäischen Ermittlergruppe unterkamen. Nesser verrät, dass er van Veeteren zweimal pro Jahr in dessen Antiquariat anrufe, um sich nach dem Befinden zu erkundigen. Nachdem ihm van Veeteren jedes Mal gesagt habe, dass er diese Telefonate als Störung empfinde, habe er den Kontakt zu dem eigenbröterlischen Ex-Polizisten nun abgebrochen.
Der These, dass Autoren im Grunde ihr Leben lang an einer Geschichte schreiben würden, gewinnen die Nordländer wenig ab. Wenn das der Fall wäre, könnten sich weder die Protagonisten der Romane weiterentwickeln, noch die Schriftsteller oder die Leser, sagen beide. Natürlich gebe es Schreiberinnen und Schreiber, die sich mit jedem Buch wiederholen, ergänzt Nesser. Aber daran, dieses Konzept funktioniere, sei die Kundschaft vielleicht nicht ganz unschuldig. Manche Leute hätten halt etwelche Mühe damit, beim Bücherkauf die viele Spreu vom Weizen zu trennen.
Reich werde man als Krimiautor vor allem in geistiger Hinsicht, behaupten die Bestseller-Lieferanten. Und nein: Ein Geheimrezept dafür, als Schriftsteller auf einen grünen Zweig zu kommen, gebe es nicht. Er habe beim Schreiben noch nie ein bestimmtes Publikum vor Augen gehabt, sagt Nesser. Aber mit einem Grundsatz sei er bisher recht gut gefahren: “Am besten schreibt man, was man selber gerne liest”.
Dem mag Dahl nicht widersprechen. Wie sollte er auch. Er arbeitet nach demselben Prinzip.
Hintergrundinformationen über die beiden (und viele andere skandinavische) Autoren und Rezensionen ihrer Werke sind unter anderem auf der Site “Schwedenkrimi” zu finden.
* Das Gespräch moderierte der Skandinavist Hans Peter von Däniken, Direktor der Paulus-Akademie Zürich und Ex-Leiter des Feuilletons des Tagesanzeigers. Die Übersetzung besorgte Anna Schaffner-Thorén. Die Schauspielerin Maja Weber las aus den neuen Romanen “Am Abend des Mordes” von Hakan Nesser und “Gier” von Arne Dahl.
“Es hätt’ jetzt nicht so geeilt”
Burgdorf am 27. Oktober 2012:
Zwei Stunden später: Ein weiterer Blick aus dem Fenster. Es war kein Albtraum. Es ist Realität. Und wird immer schlimmer:
Über Nacht, pünktlich zum Ende der Sommerzeit, nahm das Elend seinen Lauf:
Währenddessen, nur 20 000 Kilometer weiter südlich:
Bin ich der einzige, der mit diesen Klimakapriolen seine liebe Mühe hat?
Ein Blick ins Facebook, wo jeder Wetterumschwung und jede Gemütsregung in Echtzeit dokumentiert wird, zeigt: Auch andere wurden überrascht. Aber nicht für alle geht im Schnee gleich die Welt unter.
Meine Cousine Nana Ursula Aufdenblatten schreibt lakonisch, es “hätt’ jetzt nicht so geeilt mit dem Winter”:
Verlegerin Verena Zürcher stellt fest, dass ihre Tiere noch nicht auf Winterzeit umgestellt hätten: “Ist das ein Gschrei und Gemecker rund ums Haus!”
Pragmatisch sieht es Erica Fankhauser-Groeliker: “Ech glaub mer bruche zerscht mol e bäse.”
Wenige Stunden, bevor die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden, schreibt Andrea Lüthi zu ihrem sehr coolen Stilleben: “Es ist doch noch Sommerzeit!”
An die Adresse eines TV-Wettermannes fragt Peter Gerber Plech: “Hey bucheli, was isch los?”:
Die kulturfabrikbigla nutzt den Temperatursturz für Werbung in eigener Sache:
Einen “Bonsai im Oktober-Winter” entdeckte Astrid Wüest. Sie nahm das zum Anlass für eine kleine philosophische Betrachtung: “Ou d Natur muess mängisch schwär trage.”
Ruth Suters Beitrag zum Thema hat wenig Hand, aber drei Füsse:
Meine Nachbarin Steph Aebi – sie ist im Nebenberuf Skilehrerin – inspirierte der Schneefall zu einem Bild mit fast künstlerischen Charakter:
Züri West vermögen dem Vorwinter ebenfalls eine schöne Seite abzugewinnen:
Aber: Es gibt auch Menschen auf meiner Seite. Mein Brüetsch zum Beispiel stieg ins Fotoarchiv, um mit einer Aufnahme aus wärmeren Zeiten Gegensteuer “zo dene tuusige Winter- & Schneeföteli” zu geben, “wo hött im Minutetakt postet worde send”:
In Australien wiederum verewigte sich meine neue Cousine Rebecca Caruana Bryant mit einen gaaaanz anderen Sujet:



















