Von Bäuchen und Büchern

Genauso, wie schwangere Frauen an jeder Hausecke, in jedem Schuhladen und auf jedem Fussgängerstreifen schwangere Frauen sehen, entdecke ich in meiner Umgebung in letzter Zeit Bücher, die mit der in absehbarer Zeit erfolgenden Veränderung meines Zivilstandes zu tun haben.

Auf unserer Redaktion zum Beispiel liegt seit Kurzem das hier

zum Mitnehmen herum,

und das:

(wobei ich mir irgendwie noch nicht ganz sicher bin, ob ich dieses Machwerk mit nach Hause nehmen soll.)

Gut: Das

könnte man ebenfalls haben.

Aber grad alles brauche ich ja nicht zu lesen; irgendwo hört die Weiterbildung auf und fängt die Zeitverschwendung an.

Wasser. Vom Himmel. Augensauer.

Tropfen.

Gross wie kleine Augen.

Glitzernd wie Glas

auf einem Gletscher

im Juli oder März oder so, wenns taut, in den Bergen.

Klatschen.

Auf Dächer.

Asphalt.

Autodächer aus Blech.

Platsch.

Immer wieder: Platsch.

Prasseln.

Wie wenn gigantische Ameisen über etwas rennen würden.

Über was?

Woher soll ich das wissen,

wenn so grosse Ameisen kommen, bin ich weg.

Ich mag sie nicht sehen, die Megagigasuperduperameisen.

Ameisengift.

Giftiger Regen.

Platsch.

Saurer Regen.

Klatsch.

Regen macht sauer.

Ämu mich.

Der direkteste Weg ins Emmental

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Das Emmental geht mit der Zeit: Ab sofort betreibt Verena Zürcher vom Landverlag – in dem auch die “Mordsgeschichten” erscheinen – einen Blog über und für die zweitschönste Gegend der Welt (die schönste ist, ‘tschoudigong zäme, die hier).

In dem neuen Online-Gefäss werde “mehrmals wöchentlich über Menschen, Geschichten, Begebenheiten und Touristisches aus dem Emmental” berichtet, heisst es in einer Pressemitteilung. “Sei es das verborgene Reduit im obersten Emmental, die schier unerschöpflichen Wasservorräte im Napfgebiet, ein knorriger Holzfäller, der Balzruf eines Auerhahns, ein weltbekanntes Hightechunternehmen, eine Geschichtenerzählerin, ein altes, ausgedientes Kupferkessi aus der Alpkäserei – alle sollen in diesem Blog ihre Beachtung finden und die Leserinnen und Leser neugierig auf mehr Emmental machen.”

Verena Zürcher will den Blog nicht im Alleingang vollschreiben. Auch “prominente Gastblogger, die aus dem Emmental stammen oder im Emmental leben”, würden “über die tausend Wunder des Emmentals berichten”, teilt die Institution Tourismus Emmental als Initiantin des Blogs mit.

Mehr Informationen gibts unter www.emmental.ch (“News”) oder auf http://blog.emmental.ch

Eine Dernière wie eine Première

Falsche Stichworte, versteckte Requisiten oder im letzten Moment abgeänderte Kostüme: In Theater-Dernièren schlägt oft die Stunde der Witzbolde und Scherzkekse. Meist gehen die mehr oder minder humoristischen Schüsse nach hinten los, weil die Gags nur Insidern verständlich sind: den Mitwirkenden auf und hinter der Bühne. Alle anderen fragen sich missmutig, ob sie ihr Geld amänd nicht für Gescheiteres hätten ausgeben können als für diesen für sie sinnfreien Klamauk.

Dankenswerterweise verzichten die Akteure des Freilichttheaters Moosegg bei der letzten Aufführung von “Eichbüehlersch – e starchi Frou” auf derlei Einlagen. Stattdessen bietet die Equipe um Regisseur Peter Leu das Stück des Emmentaler Mundartdichters Simon Gfeller auch an diesem Finalabend so liebevoll und präzise dar, als ob es sich um die Première handeln würde. Abnützungserscheinungen sind keine erkennbar.

Das ist nicht selbstverständlich. Immerhin wirkt das ambitioniert-talentierte Laienensemble seit dem 7. Juli bei fast allen denkbaren Wetterlagen auf dem zauberhaften Plätz Wald neben dem Hotel Moosegg. Und wer schon Theater gespielt hat, weiss: So sehr diese Aufführungen auch Spass machen und so klar einem auch sein mag, dass es dem zahlenden Gast völlig egal ist, ob er der dritten oder der zweiundzwanzigsten Aufführung beiwohnt – gegen die Routinitis sind die Akteure fast so machtlos wie die Leute auf dem Eichbühl gegen das Schicksal, das ihnen einen Schlag nach dem anderen versetzt.

Doch von Unkonzentriertheiten oder Unlust ist nichts zu sehen und zu hören und auch nichts zu spüren, als auf der Moosegg das Totenglöcklein für die Spielzeit 2011 bimmelt – ganz im Gegenteil: Mit grossem Engagement zeichnen die Schauspielerinnen und Schauspieler noch einmal die Lebensläufe des wackeren Käthi, des alkoholkranken Res und all der Menschen in ihrem Umfeld nach.

Versetzt in eine Zeit, die noch gar nicht so lange zurückliegt, wie sie für manche zurückzuliegen scheint, dürfen die Leute, die das Hadern und Zweifeln und Zetern und Klagen und – ja: – das Hoffen und Glauben und Freuen und Lachen von der Tribüne aus mitverfolgen, unter funkelnden Sternen, zwischen harzig duftenden Tannen und von der wunderschönen Musik von Dany Nussbaumer begleitet, zweieinhalb wunderschöne Natur-Kulturstunden erleben.