Andrea lässt das Fledermausen nicht


(Bild: zvg)

Geschichten gehen manchmal seltsame Wege.

Im letzten Juni teilte Andrea Lüthi auf Facebook mit, dass sich in ihrem Haus in Wynigen 45 Fledermäuse eingenistet hätten. Als grosse Freundin dieser Tiere freue sie sich sehr über ihre neuen Mitbewohner, schrieb die 40-Jährige, die in ihrer Wohnung seit einiger Zeit zwei getrocknete Mini-Vampire aufbewahrt.

Daraus bastelte ich einen Artikel für die BZ. Den Text illustrierte BZ-Hauscartoonist Max Spring liebevoll so:

(Wer das Bild fast in Originalgrösse bestaunen will: einfach draufklicken).

Lange konnte Andrea die Gesellschaft ihrer mal kopfüber hängenden, mal fliegenden Mitbewohner nicht geniessen. Wenige Tage nach ihrem Einzug suchten die Flugsäuger schon wieder das Weite. Wahrscheinlich, vermutete die sitzengelassene Gastgeberin, seien die Viecher in Wohnfragen wählerischer als vermutet.

Dann hörte ich von Andrea und ihren Besuchern monatelang nichts mehr.

Doch heute Morgen flatterte eine neue Mitteilung aus der Pension Fledermaus in mein Postfach: “Kürzlich traf ich an einer Tagung Max Spring, der die Diskussionen mit seinen Cartoons zusammenfasste”, schrieb Andrea Lüthi. “Ich konnte es natürlich nicht lassen und sprach ihn auf seine Fledermauszeichnung an. Und jetzt bin ich stolze Besitzerin eines Original-Max Spring!!!”

Katerjammer

Nicht, dass er die ganze Zeit vor meiner Haustüre sitzen oder sich auf der Holzbeige an der Wand räkeln müsste – aber langsam mache ich mir schon ein wenig Sorgen: Seit Tagen habe ich meinen Nachbars jungen Kater nicht mehr gesehen.

Natürlich: Es wird langsam Frühling. Durch die Burgdorfer Oberstadt schleichen junge Büsi, die den Winter in irgendwelchen Wohnungen verbringen mussten und die jetzt endlich wissen wollen, ob der Sinn ihres Lebens wirklich nur darin besteht, darauf zu warten, dass Frauchen das nächste Sheba-Büchsli mit Rindsfilet an Morchelsauce aufreisst.

So betrachtet, kann ich davon ausgehen, dass es meinem Nachbars Kater gut geht; vermutlich streunt er in diesem Moment, “this is real life, baby” von den Simple Minds vor sich hinsummend, durch die Gassen und verspricht jeder Katze, die ihm über den Weg läuft, das Blaue vom dunklen Himmel herunter. Den Geräuschen nach zu urteilen, die ich nachts manchmal höre, funktioniert der alte Trick immer noch wunderbar.

Tagsüber dürfte das Quartier-Raubtier ebenfalls ziemlich beschäftigt sein: Immerhin zwitschern in den Bäumen seit Kurzem zig Vögel, nicht ahnend, dass das grau-schwarze Etwas da unten nicht zum Spielen da ist.

Nur: Wegen all dieser Aktivitäten braucht man sich vor seinem besten Freund (oder, je nach Standpunkt: diesem Typ von nebenan) ja nicht gleich so rar zu machen. Immerhin hat der einen schon illegalerweise im Treppenhaus übernachten lassen, als es zum draussen Übernachten auch für Pelzträger entschieden zu kalt war. Von den vielen Streicheleinheiten, die man dank dieses Menschen und dessen Freundin schon genossen hat, nicht zu reden.

Aber gut: Ich bin deswegen nicht eingeschnappt oder so. Die nächsten Pouletreste fliegen einfach in den Abfallkübel statt aus dem Fenster.

Kleiner Ausläufer

Seltsam: Da verfolgt man online stundenlang die Entwicklung in Sachen “Tsunami” und denkt sich, abgesehen von dem üblichen “Wahnsinn!”, das man immer denkt, wenn etwas zig Mal grösser ist als alles, was man sich vorstellen kann, nicht sehr viel dabei. Letztlich findet ja auch diese Katastrophe in beruhigend grosser Entfernung zum hochwassersicheren Büro und zum erdbebenresistenten Zuhause statt. Also: kein Grund zur persönlichen Beunruhigung.

Dann schaut man kurz auf Facebook vorbei. Dort schreibt

Yoli Bögli,

meine ehemalige Büro-Nachbarin in Menziken und heutige Hostel-Betreiberin im ecuadorianischen Atacames, mit der ich ab und zu einen hochphilosophischen transmaritimen Gedankenaustausch pflege:

“Tsunami Warnung an der ganzen pazifischen Kueste Lateinamerikas…. unser Praesident hat Evakuierung angeordnet fuer die gesamte Kueste und Galápagos… wir machen uns bereit.”

Und schon ist der Tsunami gar nicht mehr so weit weg.

Nachtrag Samstag, 7.40 Uhr: “Endlich wieder zuhause!”, schreibt Yoli. “12 Stunden Evakuierung auf einem Huegel, alles sehr provisorisch und voll drittweltlaendisch… und meine Mutter war mit von der Partie… das gibt dann interessantes zu erzaehlen…
wir sind alle froh, dass das Haus keinen einzigen Tropfen mehr hat als vorher und dass sich auch niemand bedient hat… Vielen Dank fuer die vielen “heb Sorg” usw… es hat genuetzt… wir sind alle heil und der Schreck ist vorueber.”