Und los gehts!

Heute lege ich im „Forum“ bei der Berner Zeitung in Bern los.
Ich freue mich wie gstört darauf.

Nachtrag: Das war vielleicht eine Überraschung. Am Nachmittag schickte mir mein Schatz einen wunderschönen Strauss Rosen ins neue Büro:

Auch, aber nicht nur deshalb gefällt es mir an meinem neuen Arbeitsplatz so gut, dass ich heute gleich nochmal hinfahre und -gehe.

Eine märchenhafte Zugfahrt

Der Bub hatte schon auf dem Perron gequengelt. Als er mit seiner Mutter im Abteil sass, schränzte er los, dass Gott erbarm. Den 14 Leuten, die an diesem strahlenden Sonntagnachmittag von Zug nach Zürich fahren wollten, schwante Mühsames.

Doch kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, entnahm die Mutter ihrem Rucksack ein Buch und fragte ihren Junior, welche Geschichte er hören möchte. „Die vom Zebra und vom Gespenst“, stiess der Kleine zwischen zwei Schluchzern hervor.

Die Mutter begann, mit einer tiefen, warmen Stimme zu erzählen. Erst verstummte ihr Sohn. Nach und nach stellten auch die anderen Passagiere ihre Aktivitäten ein. Sie unterbrachen ihre Gespräche, legten die Zeitungen und Bücher beiseite und hörten der Frau ebenfalls zu.

Kurz vor Zürich war die Geschichte zu Ende (Fazit: es gibt keine Gespenster. Und wenn, dann nur liebe). Als die Mutter das Märchenbuch wieder im Rucksack verstaute, applaudierte jemand leise. Sekunden später klatschten alle mit. Die Vorleserin lächelte, fast peinlich berührt.

Der Bub schlief selig.

In alter Frische

Mit grossem Vergnügen habe ich mich soeben zum ersten Mal durch „Rimix“, die neue CD von Polo Hofer, gehört. Der Mundart-Pionier hat – zusammen mit seinem langjährigen Produzenten und Tonmeister Eric Merz – eine Auswahl von Songs aus den 80er-Jahren sowie bisher unveröffentlichtes Material aus dem Archiv geholt und entstaubt.

Er wolle es jetzt „etwas ruhiger“ angehen lassen, sagte Hofer vor zwei Jahren. Unabhängig davon, ob man diese Aussage als Drohung oder Versprechen verstand: lange gültig war sie nicht. Wenig später war der bekennende Müssiggänger schon wieder an verschiedenen Fronten präsent: In Luke Gassers Film „Die Nagelprobe“ spielte der Mann, der mit Beamten zeitlebens wenig am Hut hatte, einen Staatsarchivar, im Musical „Ewigi Liebi“ hatte Hofer einen Gastauftritt; im selben Zeitraum gab der Sänger und Komponist das Songbuch „Das alles und no vil meh“ heraus und schuf mit „Prototyp“ eine CD, die ohne jede Despektierlichkeit als beeindruckendes Alterswerk bezeichnet werden darf. Es folgte – natürlich – eine Tournee durch volle Häuser, in denen 16-Jährige mit offenen Mündern neben ihren mitwippenden Grossvätern im Publikum standen.

Und jetzt, eben: der „Rimix“. Sam Mumenthaler, der frühere Züri West-Schlagzeuger und Hofer-Biograf, rühmt in der Berner Zeitung, die restaurierten Aufnahmen würden „keck“ und „forsch“ klingen. Für mich besteht das grosse Plus der CD darin, dass Hofer den Mut hatte, auf eine Neuauflage seiner Megahits „Alperose“, „Kiosk“ oder „D Rosmarie und i“ zu verzichten, obwohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch davon noch Rohfassungen in irgendwelchen Kellern ihrer Wiederentdeckung harren.

Bei den Restaurierungsarbeiten – für die scheints auch ein auf genau 58 Grad geheizter Ofen verwendet wurde – gingen manche Mäscheli und Bändeli verloren, mit denen Hofer und seine Band(s) ihre Lieder oft verzierten. Von all dem technischem Schnickschnack befreit, der vor 3o Jahren quer durch die Musikszene schwer angesagt war, klingen die Songs nun wesentlich natürlicher, direkter und ehrlicher als im Original.

Natürlich: Wer mit Polo Hofer bis heute nichts anfangen konnte, wird ihn wegen „Rimix“ nicht auf einmal lieben. Alle anderen aber haben dank dieser CD die Gelegenheit, ihn – beziehungsweise einen kleinen Teil seiner Lieder – von einer entschlackten und sehr entspannten Seite kennenzulernen.

Das ist bei einem Mann, der in den letzten Jahren mehrmals im Spital war, weil die Bauchspeicheldrüse, die Galle oder die Stimmbänder nicht mehr wollten, wie sie sollten, alles andere als selbstverständlich. Nur: bei Polo Hofer war schon immer alles ein bisschen anders.