Facelifting für die Rocknrolldies

Die Rocknrolldies haben ihre Website neu gestaltet – und freuen sich auf die Spielzeit 2017. Den ersten öffentlichen Auftritt der neuen Saison haben Peter Urech und ich am 1. April. Dann kramen wir im Theater Z in Burgdorf nach dem Konzert von “The Great Light of Slow” in unserem Schatztruhen. Wir sorgen aber auch gerne andernorts für Stimmung. Veranstalter von Hochzeiten, Firmenfesten, Geburtstagsparties, Jahrgängertreffen und anderen Feiern können uns im Doppelpack oder einzeln buchen.

Kontakt: +41 76 537 74 84 oder hofstetter.hannes@gmail.com

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Die doppelte Nicole

Sachen gibts: Vorhin sass ich bei einem Feierabendmineral am runden Tisch in der Burgdorfer Metzgere und studierte das Plakat, das für die “Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit” der einheimischen Kabarettistin Nicole D. Käser wirbt.

Dann ging die Tür auf und schwupp, sass ebendiese Nicole D. Käser – notabene recht zufrieden wirkend – neben mir.

Das müsste mir mal mit Toto passieren.

(Nachtrag, um Missverständnisse auszuschliessen: Diese Nicole ist nicht identisch mit jener Nicole, von der ich mich mit diesem Beitrag verabschiede.)

Into the dark

Viersprachig wies die Frau im Zuglautsprecher soeben darauf hin, dass wir gleich durch den Gotthardtunnel blochen werden und dass das rund 25 Minuten dauern dürfte. Bei Fragen wende man sich bitte undsoweiterundsofort, aber für Fragen ist keine Zeit.

Wenn man jetzt (das ging aber schnell!) schon mal drin ist, kann es nur darum gehen, die Sehenswürdigkeiten im längsten Loch der Welt fotografisch zu dokumentieren:

Während ich knipse wie wild, grummelt Sergio (oder wie auch immer er heissen mag) in seinem Speisewagenchucheli ununterbrochen vor sich hin. In diesem Tunnel, teilt er einem Gast mit, der bei ihm vor einigen Minuten ein Kafi bestellt hatte, falle ständig der Strom aus, und deshalb gebe es grad kein Kafi, worauf der Gast sagt, dann nehme er halt einen Tee, wobei: das gehe demfall wohl auch nicht, und dann greift er, vermutlich nur, um nicht für nichts und wieder nichts in den Speisewagen gewandert zu sein, zu einem Biberli und einem Kägi.

Kaum ist er weg, nimmt am Tisch nebenan eine Familie im praktischen Kleinformat Platz. Nicht ahnend, dass hier aufwärmtechnisch im Moment assolutamente niente läuft, studieren die Eltern – um noch nicht einmal 9 Uhr am Sonntagmorgen – die Speisekarte (angeboten werden unter anderem Agnolotti mit Pilzfüllung, thailändisches Pouletcurry, Kalbsgeschnetzeltes Zürcher Art plus verschiedene Salate; es ist irgendwie schon verrückt. Ein Eingeklemmtes würde es zur Not amänd auch tun), während der Kleine auf einem iPad herumwischt, und als die Eltern die Karte beiseite legen, steht auch schon Sergio (oder so) bei ihnen, doch weils nella cucina immer noch ist, wies halt ist, bestellen alle ein Mineralwasser mit ohne etwas dazu.

Irgendwann wirds draussen wieder hell. Bis nach Flüelen dauerts nun nicht mehr ganz so lange, wies schon gedauert hat (nicht, dass das wichtig wäre; was zählt, ist die Fahrzeit bis Burgdorf, und die beträgt nach wie vor eine Ewigkeit).

Zischend und fauchend erwachen die Maschinen in der Kombüse aus ihrem Tunnelkoma. Hinter seinem Tresen strahlt Sergio (oder Paolo. Oder vielleicht auch Giuseppe) übers ganze Gesicht.

Altersunheimelig

Abends um zehn vor einer verschlossenen Hoteltüre zu stehen: Das ist mir glaub noch nie passiert. Doch zwei Minuten, nachdem ich hineintelefoniert hatte, sah ich durch die Glastüre auch schon einen jungen Mann herbeieilen, der mich aufs Freundlichste begrüsste und aufs Zimmer geleitete, und alles war bestens, oder ämu fast.

Irgendetwas – vielleicht warens die Alarmknöpfe an den Wänden oder das Sitzli in der Duschkabine; wer weiss? – irritierte mich, doch irgendetwas, merkte ich leicht verspätet, hatte schon mit dem Türöffner und der Rezeption nicht gestimmt.

Der Mann war ganz in Weiss gekleidet, als ob er gerade dem Set eines Ärztefilms entsprungen wäre oder seit Tagen darauf gewartet hätte, einen reumütig von seiner Flucht zurückkehrenden Patienten mit beschwichtigenden Worten in die Zwangsjacke zu stecken. Der Empfangsbereich wirkte auch zu dieser vorgerückten Stunde so steril wie ein Operationssaal vor dem ersten Eingriff des Tages.

Und überhaupt: Das Zimmer ist gar kein Zimmer, sondern eine komplette Wohnung mit Küche und Balkon und einem Sofa und allem und zwei Türen, die sich nicht öffnen lassen, und die mich wenig später albträumen liessen, was in den Räumen dahinter Bewohnern an Unaussprechlichem widerfahren kann, die sich nicht hauskompatibel benehmen (als Stichworte müssen „Fingernägel“ und „glühendheisse Zangen“ genügen).

Rasenden Herzens erwacht, tappte ich vom Bett zum Fernseher. Dort, erinnerte ich mich, lag ein Haufen Prospekte. Ich griff mir die erstbeste Broschüre – und merkte schon nach kurem Blättern, wie sich mein Puls von Seite zu Seite in den zweistelligen Bereich zu senken begann.

Ich bin mitten in Locarno nicht, wie befürchtet, in einer Kopie des “Overlook”-Hotels aus “Shining” gelandet, sondern an einem Ort, an dem ich “ein Leben mit gehobenen Services und vielen Annehmlichkeiten und einem gepflegten Ambience” verbringen darf. Ich könne, versichert mir das Management, “ganz nach Ihren Wünschen und Vorstellungen” leben und meinen “Tagesrhythmus selber bestimmen”. Für meine Sicherheit sorge “rund um die Uhr unsere Notrufbereitschaft”, las ich, und warf voller Dankbarkeit einen Blick auf den roten Knopf.

Für allerlei Kurzweil sei im Übrigen gesorgt, entnahm ich dem Hochglanzmagazin. Geboten werde “ein breit gefächertes, hausinternes Kulturprogramm, das sowohl den Geist als auch die Sinne anspricht”. Konzerte in verschiedenen Stilrichtungen, Spielnachmittage, eine eigene Bocciabahn, Diskussionsforen, Gedächtnistrainings, Lesungen, Sprachkurse und so weiter und so fort stünden zu meiner freien Verfügung. “Aktiv bleiben, neugierig sein und Interessen haben” gehöre schliesslich zu den “wichtigen Elementen für eine hohe Lebensqualität im Alter”.

“…im Alter”?!?

Mir fiel es wie Schuppen vom Fisch: Ich bin in einem Seniorenzentrum gelandet, das einige Zimmer (wobei, eben: “Zimmer”…) auch an Gäste vermietet, die nicht vorhaben, den Rest ihres Lebens hier zu verbringen und für ihr Appartment, je nach Fläche, 3520 bis 5260 Franken pro Monat zu bezahlen; Sonderwünsche not included.

Hätte ich das gewusst, wäre ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einer anderen Unterkunft abgestiegen, auch wenn ich einräumen muss, dass ich hier, lange vor Anbruch der Hauptsaison, sehr günstig hause.

Auf dem Portal, über das ich das Hotel “Hotel” buchte, hiess es, es verfüge nebst vielem anderen über einen grossen Garten mit einer Terrasse, einen Innenpool, ein Alacarterestaurant und eine Bar. Die Piazza Grande und das Ufer des Lago Maggiore seien nur rund einen Kilometer entfernt.

Dass es sich bei der Immobilie um ein Altersheim handelt, wurde mit keiner Silbe erwähnt.

Aber gut: Auf eine schräge Art ist es hier ja ganz gemütlich. Beim Zmorge war ich vorhin der mit Abstand Jüngste im Saal. In aller Ruhe und musikalisch begleitet von Céline Dion, Peter Reber und Elton John konnte ich mich ungeellböglet durch das riesige Buffet (mit einer bemerkenswert üppigen Auswahl an Müesli und Weichkäsen) futtern. Mit ihren Rollstühlen und Rollatoren hatten die Mitesserinnen und Mitesser gegen mich keine Chance.

Jetzt frage ich einen der Betreuer, die ununterbrochen durch die Flure wieseln, ob er Zeit habe, mich in die Stadt zu begleiten. Anschliessend gönne ich mir chly Wellness und Fitness im Hallen-Therapiebad.