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Eines nach und mit dem anderen

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Einen Namen finden, den Namen registrieren, bei der AHV anmelden, im Handelsregister eintragen, ein Konto eröffnen, eine Website basteln, Passfotos machen, Drucksachen gestalten (lassen), Adressen sammeln, ein Büro suchen, das Büro mieten, den Grundkurs „Geschäftsführung“ besuchen (1 Woche), Werbebriefe schreiben, ein Budget erarbeiten, mit der Treuhänderin reden, ein Postfach organisieren. um Referenzen bitten, Büromöbel suchen, den Hauptkurs „Geschäftsführung“ besuchen (4 Wochen), einen Businessplan schreiben, die Website mit Inhalten füllen, erste Kundengespräche führen, Versicherungsdinge klären, einen Fotografen engagieren, mit Ämtern verhandeln, Zeitungen überfliegen, Gemeinde-, Firmen- und Vereinswebsites lesen, Newsletter abonnieren, die Corporate Identity festlegen, Kontakte reaktivieren und knüpfen, die Mailadresse registrieren, Möbel kaufen, eine Datenbank bauen, immer und immer wieder: Fragen stellen (sich selber und anderen Leuten), Daueraufträge einrichten, ein Marketingkonzept austüfteln, Formularstapel abbauen, einen Notar suchen, die Unterschrift beglaubigen lassen, Fachliteratur studieren, Social Media-Kanäle eröffnen, die Gästeliste für den Eröffnungsanlass zusammenstellen, Termine fixieren, die Bürotechnik installieren, reden, reden, reden, die Website überarbeiten, neue Werbebriefe schreiben, Formulare ergänzen, Papiere kopieren und so weiter, und so fort.

Wenn ich gewusst hätte, was alles zu erledigen ist, bevor ich mich beruflich selbstständig machen kann: Ich würde es wieder tun.

Die Vorbereitungsarbeiten schlauchen mich ziemlich – aber mit jedem Schrittli, das ich gehe, komme ich meinem grossen Ziel näher.

Bald steigen auf Gran Canaria die ersten Manne i d Hose

Bald steigen auf Gran Canaria die ersten Manne i d Hose

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Wer einmal in aller Ruhe darüber nachdenken kann, was noch fehlt auf der Welt, kommt – vor allem als Burgdorfer – eher früher als später auf die Idee, auf Gran Canaria ein Schwingfest zu veranstalten, mit allem.

Als Chef des aus mir bestehenden Organisationskomitees für „Hosaslupfas2014“ habe ich mich heute Morgen an die Vorbereitungsarbeiten gemacht. Nun sind sie abgeschlossen. Was noch fehlt, sind die Schwinger, aber die kommen dann schon, wenn sie merken, was hier bald los ist.

Meine erste Amtshandlung war die Besetzung des Ehren-OK. In dieses berufen habe ich meine Frau, meinen Bruder und meine Schwägerin, und falls jetzt jemand murmelt, „huere Vetterliwirtschaft, das.“, brülle ich ihm in aller Gelassenheit entgegen: „WAS, VETTERLIWIRTSCHAFT?!? Bei Anlässen dieser Grössenordnung sind – um mit dem grossen Astronauten Charles Darwin zu sprechen – nur „The Fittest“ gefragt! DIE WÄGSTEN UND CHÄCHSTEN!, und wenn ich das mit der Vetterliwirtschaft noch einmal höre, häscherets!!!“

Nachdem das geklärt ist, kommen wir nun zu den infrastrukturellen und technischen und anderen Aspekten des Events (das Wort „Event“ habe ich bewusst gewählt, um auch potenzielle Zuschauerinnen und Zuschauer unter 90 anzusprechen).

Die Arena ist bereit

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und provisorisch grächelet. Gegen Abend kommt noch ein Stadion drauf.

Der Kran für die TV-Kameras muss noch kurz etwas anderes fertigmachen, steht dann aber unbeschränkt für „HL14“ zur Verfügung.

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Puristen mögen jetzt einwenden, das sei ja gar keine Sägemehl da unten, in der Arena. Da habe es bloss Sand wie, äh, Sand am Meer.

Dazu kann ich nur sagen: „Wer muss soweit wie möglich mit den vorhandenen Ressourcen arbeiten? Wer achtet aufs Geld? Was ist mit dem Umweltschutz? Und überhaupt: WER IST HIER DER OK-PRÄSIDENT, WERELIWER?!?

Zu meinem Entzücken durfte ich schon kurz nach Beginn der Planungsbüez feststellen, dass es im Grunde genommen gar nicht viel zu planen gibt. Es ist ja und sind ja schon alles und alle da.

Die Vorverkaufsstelle:

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Für jeden Ansturm gerüstet.

Der Brunnen:

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Sprudelt wie verrückt.

Das Kommunikationszentrum:

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CNN und BBC werden juchzen.

Kulinarisch:

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Es hat für alle von allem genug.

Kampfrichter:

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Bis in die Haarspitzen motiviert.

Partymeile:

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Schluckt auch unüberschaubare Menschenmassen.

Unterhaltungsprogramm für reifere Besucher:

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Niemand bleibt sitzen. Und alleine.

Unterhaltungsprogramm für jüngere Gäste:

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Aber sicher!

Hütedienst:

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Ihr Kinderlein kommet.

Verkäufer der Gangblätter:

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Eingeschleust (und zwar zum Teil von weit her).

Schwingveteranen, die immer benörgeln, früher, als „Kanarische“ noch 400 mal kleiner waren, sei alles besser gewesen:

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Im Anmarsch.

Ehrendamen:

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Konnten für die nächsten drei Tage fast ohne Gewaltandrohung von ihren Partnern getrennt werden.

Relaxingzone für die Aktiven:

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Nochli ein Puff, aber zum Anschwinget betriebsbereit.

Gabentemptel:

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Steht.

Lebendpreis:

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Voilà.

Das wärs glaub schon, glaube ich. Als Helferinnen und Helfer stehen die bewährten Kräfte der Szenerie Burgdorf im Einsatz.

Weitere Zahlen und Fakten können hier nachgelesen werden (einfach „Burgdorf“ durch „Playa del Inglés“ und „Emmental“ durch „Gran Canaria“ ersetzen).

Auch wenn ich davon ausgehe, nichts vergessen zu haben, wäre ich froh, wenn mich einer der möglicherweise mitlesenden Organisatoren des letzten „Eidgenössischen“ – sagen wir: mein Nachbar Franco Rappa – auf allfällige Mängel aufmerksam machen würde, bevor die ersten Mannen in die Hosen steigen.

Die Berichterstattung über das weltweit erste „Kanarische“ erfolgt ab morgen Freitag um 8 Uhr schwingerkompatibel über Facebook, Twitter und so weiter, und so fort.

Obs damit klappt, hängt in erster Linie von der Qualität der Internetverbindung ab, und um die ist es auf den Kanar%“KP…ç=!…++C….///£:GA°…!)(;;T

Aber live fägts sowieso mehr. Echte Schwingfans wissen das. Sie haben ihre Plätze bereits eingenommen:

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Nachtrag 12. April: Das Fest findet nicht statt. Es haben sich exakt null Teilnehmer angemeldet, was das OK daran zweifeln lässt, dass die Veranstaltung burgdorfähnlich imposante Dimensionen annehmen könnte.

Unter Freunden

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In der Sekunde, in der Stadionspeaker Dagobert Cahannes heute Nachmittag bekanntgab, wer den Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes in Burgdorf bestreiten wird, stürzte meine Frau in einen kleinen Gewissenskonflikt:

Einerseits hatte sie schon am Freitag zehn Franken darauf gewettet, dass der Festsieger Christian Stucki heissen würde.

Andrerseits sass in der Emmental-Arena direkt neben uns ein Mann, der ein grosses Interesse daran hatte, dass Chantal falsch liegen würde: Ein Onkel von Stuckis Finalwidersacher Matthias Sempach.

Chantal und ich lösten das „Problem“, indem wir uns darauf einigten, dass Stucki und Sempach den Titel nach allem, was sie an den zwei Wettkampftagen geboten hatten, beide mehr als verdient hätten.

Am Ende gewann – wie inzwischen wohl alle wissen – Matthias Sempach. Der erste, der ihm zu diesem Triumph gratulierte, war Christian Stucki. Standing ovations gabs für den neuen König nicht nur von seiner riesigen Fanschar; auch die Anhänger seines ärgsten  Rivalen und die zum Teil von sehr weit hergereisten Schwingerfreunde aus der ganzen Schweiz erwiesen dem Alchenstorfer stehend applaudierend die Ehre.

Was in diesen Minuten passierte, war die Essenz dessen, was das ESAF2013 in Burgdorf ausgemacht hat: Ungeahnte Stärke, Respekt vor dem Gegner, grenzenlose Freude an der Sache und die Entschlossenheit, mit entbehrungsreicher Hingabe auf ein Ziel hinzuarbeiten, das noch vor ein paar Jahren unerreichbar weit entfernt zu sein schien. Das charakterisierte nicht nur die aktiven Sportler und allen voran Matthias Sempach. Das demonstrierten auch die Stadt Burgdorf und mit ihr eine ganze Region.

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300 000 Menschen für ein ganzes Wochenende in eine 16 000-Einwohnerstadt zu locken und ihnen dann, wenn sie da sind, das Gefühl zu geben, sie alle seien hier vorübergehend zu Hause: Wer sich das vornimmt, braucht – nebst vielem anderem – eine Menge Selbstvertrauen und Glauben in den Goodwill seiner Mitmenschen.

Beides war im Fall „Burgdorf“ offensichtlich reichlich vorhanden.

Die Gäste bedankten sich für diese Bemühungen, indem sie sich durchs Band weg als solche benahmen. Ausschreitungen, die im Rahmen von Fussballspielen längst zum traurigen Alltag gehören, blieben aus. Tonnen von Abfall wurden von ihren Verursachern ohne zu murren entsorgt. Die Gärten vor den Häusern, an denen der Weg zur Arena vorbeiführte, sahen heute Sonntagabend noch genauso aus wie am Donnerstagmorgen.

Auf diese Weise wurden die Fremden aus Zürich, Chur, Lugano und Genf vielleicht nicht gleich zu Freunden. Aber zumindest zu Zeitgenossen, die man als Bewohner dieser wunderbaren Stadt jederzeit wieder bei sich willkommen heissen würde.

Das Eidgenössische Schwingfest 2013 hat alle bisherigen Dimensionen in finanzieller, logistischer, personeller, gastronomischer, sicherheitstechnischer und verkehrsmässiger Hinsicht gesprengt. Dass diese Entwicklung nicht allen Mitgliedern der in vielen Traditionen verwurzelten Hosenlupf-Familie behagt, ist verständlich. Und dass nicht jeder Burgdorfer und jede Burgdorferin Schreie des Entzückens ausstiess, als er und sie realisierte, dass Ende August eine Viertelmillion Menschen in ihre Stadt strömen wird, liegt auf der Hand.

Doch die Art und Weise, wie sich die Sportler mit den für sie neuen Begebenheiten arrangierten, und die sich von Haus zu Haus verbreitende Bereitschaft der  Einwohnerinnen und Einwohner, auch dann etwas zu einem perfekten Gelingen dieses Mega-Evenents beizutragen, wenn einem Veranstaltungen dieser Übergrössenordnung zutiefst suspekt sind:

Das verdient mindestens ebensoviel Respekt wie der Königstitel von Matthias Sempach.

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Noch eine Einladung

Noch eine Einladung

Manche könnens kaum erwarten: Alle Jahre wieder versammeln sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von grossen und kleinen Firmen zum grossen Weihnachtsessen. Was manche nicht bedenken: Organisatorisch gibts auf dem Weg zum Buffet zig Hürden zu nehmen. Olga Meier-Eiergeist, die fiktive Personalchefin einer ebenso fiktiven Firma, kann davon traurige Liedchen singen.

1. Dezember

LIEBE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Hiermit möchte ich Sie alle herzlich zu unserer diesjährigen Weihnachtsfeier am 20.12. im Argentina-Steakhouse einladen. Zu einer kleinen Musikband werden wir heimelige Weihnachtslieder singen und unser Geschäftsführer wird als Weihnachtsmann verkleidet die Christbaumbeleuchtung einschalten!

Ich freue mich auf Ihr Erscheinen und wünsche Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Adventszeit.

Olga Meier-Eiergeist, Leiterin Personalabteilung

2. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Auf gar keinen Fall sollte die gestrige Mitteilung unsere türkischen Kollegen isolieren. Es ist uns bewusst, dass Ihre Feiertage mit den unsrigen nicht ganz konform gehen: Wir werden unser Zusammentreffen daher ab sofort „Jahresendfeier“ nennen. Es wird auch keinen Weihnachtsbaum geben und singen werden wir auch nicht. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine schöne Zeit.

Olga Meier-Eiergeist, Leiterin Personalabteilung

3. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Ich nehme Bezug auf einen diskreten Hinweis eines Mitglieds der Anonymen Alkoholiker, welcher einen „trockenen“ Tisch einfordert. Ich freue mich, diesem Wunsch entsprechen zu können, weise jedoch darauf hin, dass dann die Anonymität nicht mehr unbedingt gewährleistet sein wird…

Olga Meier-Eiergeist, Leiterin Personalerforschung

7. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Es ist mir gelungen, für alle Mitglieder der „Weight-Watchers“ einen Tisch weit entfernt vom Buffet und für alle Schwangeren einen Tisch ganz nah an den Toiletten reservieren zu können. Schwule dürfen miteinander sitzen.
Lesben müssen nicht mit Schwulen sitzen, sondern haben einen Tisch für sich alleine. Na klar, die Schwulen erhalten ein Blumenarrangement für ihren Tisch. Endlich zufrieden?

Olga Meier-Eiergeist, Leiterin Klappsmühle

9. Dezember
AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

SELBSTVERSTÄNDLICH WERDEN WIR DIE NICHTRAUCHER VOR DEN RAUCHERN SCHÜTZEN UND EINEN SCHWEREN VORHANG BENUTZEN, DER DEN FESTRAUM TRENNEN KANN, BZW. DIE RAUCHER VOR DEM RESTAURANT IN EINEM ZELT PLATZIEREN.

OLGA LALLA SCH. MEIER-EIERGEST, LEITERIN IRRENHAUS

10. Dezember

Vegetarier! Auf Euch habe ich gewartet! Es ist mir scheissegal, ob’s Euch nun paßt oder nicht: Wir gehen ins Steakhaus!!! Ihr könnt ja, wenn Ihr wollt, bis auf den Mond fliegen, um am 20.12 möglichst weit entfernt vom „Todesgrill“, wie Ihr es nennt, sitzen zu können. Labt Euch an der Salatbar und fresst rohe Tomaten!

Übrigens: Tomaten haben auch Gefühle, sie schreien wenn man sie aufschneidet, ich habe sie schon schreien hören, ätsch ätsch ätsch! Ich wünsch Euch allen beschissene Weihnachten, besauft Euch und krepiert!!!!!

Die Schlampe aus der dritten Etage, die MIT EUCH ihre Zeit verplempert.

14. Dezember

LIEBE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Wie wir hören, geht es Frau Meier-Eiergeist langsam besser. Schon in den nächsten Monaten soll das Besuchsverbot von Seiten der Sanatoriumsleitung aufgehoben werden.

Jens-Peter Müller, Interimsleiter Personalabteilung
P.S: Die Weihnachtsfeier am 20.12. ist abgesagt.

(Dieser Text kursiert im Internet. Ich habe ihn, weil er mir so gut gefällt, einfach geklaut und hoffe, dass der Urheber – oder die Urheberin – das nicht merkt).