Fuckin’ fantastisch

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Sie ist, einerseits, “eine Diva mit fast übermenschlicher Stimme“, eine “Königin” oder “der allerletzte wahre Star“, heimst vom Oscar bis zum Grammy Preise am laufenden Band ein und zählt mit über 100 Millionen verkauften Platten zu den erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart.

Andrerseits: Wenn Adele Laurie Blue Atkins, wie gestern Abend während ihres Konzerts im rappelvollen Zürcher Hallenstadion, einen mit zahllosen “Fuckin’s” gespickten Schwank aus ihrem Leben erzählt (was sie ziemlich oft tut), wirkt sie wie eine Arbeitskollegin, die beim Feierabendbier ein Glas zuviel erwischt hat.

Dieser Kontrast irritiert ebenso, wie er fasziniert. Sie singt, als ob sie ein Wesen von einem anderen Stern wäre – und scheint die Bodenhaftung trotz des gigantischen Rummels, der rund um den Erdball spätestens seit ihrem sagenhaften Comeback-Album “25” um sie veranstaltet wird, nicht verloren zu haben.

Adeles Auftritt ist von baffmachender Makellosigkeit. Von “Hello” – ihrem Über-Hit, mit dem sie den Abend eröffnet – über das atemberaubende “Skyfall” bis hin zur letzten Zugabe “Rolling in the deep” sitzt jeder Ton.

Unter einer monumentalen Leinwand begleitet eine blind harmonierende zwanzigköpfige Band mit Gitarristen und Schlagzeugern und Streichern und Bläsern und Backgroundsängerinnen und allem druckvoll, was die Chefin auf der vierzehn mal fünfzig Meter grossen Bühne – sie erinnert entfernt an einen überdimensionierten Schminkspiegel –  in ihrem mit Strass verzierten bodenlangen dunklen Kleid vorträgt.

Kostümwechsel (wie bei Madonna, Lady Gaga und anderen Mitbewerberinnen) gibt es keine. Auch auf aufwändige Choreografien, Feuerwerk und artverwandte Ablenkungsmanöver haben die Showgestalter der Show verzichtet. Dafür gönnen sie den 13 000 Zuschauerinnen und Zuschauern nach einem bombastischen Auftakt im musikalischen XXL-Format eine kurze Atempause mit einem fast schon intim wirkenden akustischen Teil. Wenig später steht Adele mitten in der Halle auf einen kleinen Bühne und lässt sich zu “Set fire to the rain” verregnen, ohne nass zu werden.

Der Trick passt wunderbar in diesen durch und durch magischen Abend.

Stadtrundgang

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Im Coop: “…und dann hätte ich noch gerne ein paar Abfallgebührenmarken.”
“Die gibts in der Drogerie.”

In der Drogerie: “Ich hätte gerne ein paar Abfallgebührenmarken.”
“Die gibts im Kiosk.”

Im Kiosk: “Ich hätte gerne ein paar Abfallgebührenmarken.”
“Die gibts im Aperto.”

Im Aperto: “Ich hätte gerne ein paar Abfallgebührenmarken.”
“Die gibts im Coop.”

Einfach himmlisch

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In Burgdorf gibt es seit dem Auffahrtsmorgen offensichtlich nur noch ein Fotosujet: Heissluftballone in allen Farben und Formen.

Wer auch immer eine Kamera hat – und wer hat im Zeitalter des Smartphones keine? – richtet sie gegen den blauen Himmel, um die riesengrossen bunten Knollen zu fotografieren und filmen.

Auf den Facebook-Seiten von Menschen, die in und bei Burgdorf leben, häufen sich die Ballonaufnahmen im Viertelstundentakt. Hier ist eine kleine Auswahl:

Dominic Klossner
(Bild: Dominic Klossner)

Sergio Mendes
(Bild: Sergio Mendes)


Yves Aeschbacher

(Bild: Yves Aeschbacher)

Kevin Schneider
(Bild: Kevin Schneider)

Lukas Stalder
(Bilder: Lukas Stalder)

Christine Bähler-Bürki
(
Bild: Christine Bähler-Bürki)

Reto Kirchhofer(Bild: Reto Kirchhofer)

Martin Leuzinger
(
Bild: Martin Leuzinger)

Nathalie Gysel(Bild: Nathalie Gysel)

Anita Nitu Ehnes
(
Bild: Anita Nitu Ehnes)

Pascal Walser
(
Bild: Pascal Walser)

Doris Boesch
(
Bild: Doris Boesch)

Flo Emilia Köhli
(Bild: Flo Emilia Köhli)


Die Welt, denkt man, wenn man zwischendurch mal wieder geradeausguckt und sich den halbsteifen Nacken lockerknetet, wäre vielleicht eine friedlichere, wenn ständig irgendwo Heissluftballon-Schweizermeisterschaften stattfinden würden.

Die Leute würden sich dann vor allem auf all das Schöne konzentrieren, das direkt vor ihnen (f)liegt, statt ständig nach Nadeln in der Suppe und Haaren im Heuhaufen zu suchen.

Alles OK

FullSizeRenderWer die Panama Papers aufmerksam durchgelesen hat, weiss Bescheid. Für die anderen seis hier enthüllt: Der Präsident des Theatervereins Szenerie Burgdorf ist alle zwei Jahre auch OK-Chef der neusten Aufführung.

Das letzte Mal, als ich diese Doppelfunktion auszuüben die Ehre hatte, spielten wir 2014 in einem Landgasthaus “Schiffmann”. Infrastrukturell standen wir damals nicht vor übertrieben grossen Herausforderungen: In der Beiz waren Sitzplätze naturgemäss ebenso schon vorhanden wie getrennte WCs, eine Küche und ein Raum zum Umziehen.

Also konnte ich mich darauf beschränken, die eine und andere Sitzung einzuberufen, die OK-Gspändli hin und wieder zu fragen, wies läuft, und dem Lokalradio ein Wochen im Voraus arrangiertes Spontaninterview zu geben.

Nun, bei “Fäustchen”, ist alles anders. Dieses Stück führen wir – wie schon “Die Franzosenkrankheit” – im Burgdorfer Siechenhaus auf, und deshalb haben wir damit einen Siech voll zu tun.

Um den potenziell achthundert Gästen ein kulturell-kulinarisches Rundumwohlfühlprogramm bieten zu können, benötigen wir ein grosses Zelt und Ghüderchübel und eine Bar und eine Bühne und eine Tribüne und Wolldecken und Land für die Autos und Apérotischli und einen Parkdienst und jemanden, der nach jeder Vorführung die Toiletten fegt und extern fabrizierte Sandwiches und einen Ofen und eine Kafimaschine und Bewilligungen und Hinweistafeln und einen Fernseher und eine Zapfvorrichtung für das extra für uns gebraute Bier und weiss der Gugger was noch, und bis das alles eingefädelt und verschraubt und angeschlossen ist: Heiterefahne!

Ständig klingelt das Telefon und bimmelts im Mailfach, und immer ist es schampar dringend, und wenns zur Abwechslung einmal nicht so pressiert, wäre der Anrufer oder die Schreibende doch cheibe froh, wenn die Sache wenigstens bis gestern abgehakt werden könnte.

Inzwischen ist das Gröbste zwar erledigt. An einen lockeren Endspurt ist in unserem Gremium trotzdem nicht zu denken, im Gegenteil: Mit frustrierender Hartnäckigkeit kommt jetzt – gerne mitten in der Nacht – die ekligste aller Fragen aus ihrem finsteren Loch gekrochen: Was haben wir vergessen?

“Nichts”, murmelt beruhigend der Verstand. “Ihr macht das ja nicht zum ersten Mal. Und inzwischen habt ihr diesen ‘Fäustchen’ so oft miteinander durekätschet, dass die Wahrscheinlichkeit, last minute etwas zu vercheiben, gleich Null ist.”

“Das wirst du genau dann sehen, wenn dus brauchen würdest”, höhnt das vor Aufregung laut pochend’ Herz, und setzt nach “würdest” für zwei, drei Schläge aus. “Stell dir zum Beispiel vor, es ist Premiere, und alle Gäste stehen erwartungsvoll herum, und in dem Moment, in dem es losgehen soll…”

“…halt die Klappe!”, knurre ich, und versuche, wieder einzuschlafen.

Aber natürlich wird daraus nichts (was allerdings auch mit dem Hund zu tun hat, der draussen dringende Geschäfte erledigen möchte), und selbstverständlich verbringe ich die Zeit bis zum Morgengrauen dann primär damit, sämtliche Abläufe noch einmal bis zum letzten Eventualitätchen durchzugehen.

Nur: Das ganze Daranherumhirnen bringt ja nichts.

Der 4. Mai kommt, unabhängig davon, ob wir an alles gedacht haben, und am Abend dieses Tages, um 19 Uhr, trudeln die Besucherinnen und Besucher beim “Siecheli” ein, und falls sich dann tatsächlich herausstellen sollte, dass etwas fehlt oder klemmt oder überhaupt nicht funktioniert, dann ist das halt so; dann müssen wir eben chli improvisieren, doch deshalb wird unsere kleine Theaterwelt schon nicht untergehen.

Auch im Leben von “Fäustchen” lief schliesslich nicht alles wie von ihm gedacht. Auch er konnte, so klug er auch war, unmöglich alles voraussehen und planen, und trotzdem – oder gerade deshalb – entwickelte er sich zu einem überaus gefreuten Zeitgenossen.

Infos und Tickets gibts unter www.szenerie.ch

Nachtrag: Der Aufwand hat sich gelohnt. Die BZ lobt unser neues Stück in den höchsten Tönen.

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Ob am Morgen um 8 Uhr unten auf der Schützenmatte…

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…oder genau 12 Stunden später oben beim Schloss:

Burgdorf ist einfach eine wunderschöne Stadt.

Aber gut: Damit erzähle ich ja nichts Neues.