Musikalische Schändung

Der 25. Oktober 2013 kann aus musikalischer Sicht aus sämtlichen Kalendern gestrichen werden: An jenem Tag erschien mit “André Rieu celebrates Abba” die überflüssigste, peinlichste, miserabelste, katastrophalste, schauderhafteste, jämmerlichste, elendeste, unverschämteste, unwürdigste, charakterfreieste, würdeloseste, stumpfsinnigste, idiotischste und überhaupt schlimmste CD aller Zeiten.

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Der “Maestro aus Maastricht” präsentiere damit “eine wundervolle Song-Sammlung (…). Die zeitlosen Evergreens (…) erstrahlen durch die unverkennbare Handschrift Rieus in einem neuen klassischen Licht”, jubelt der fürs Jubeln bezahlte Werbetexter der Plattenfirma, die das Machwerk verantwortet.

“Wundervoll” ist die Song-Sammlung in der Tat. Das gilt allerdings nur für die Originale, und ganz bestimmt nicht für Rieus Arrangements, die die Popdiamanten mit Hektolitern von rondoveneziösem Schmalz aus Geigen und Harfen und allem zukleistern.

Falls sie schon drin wären, würden die Mitglieder von Abba hochtourig in ihren vom neuen klassischen Licht beschienenen Gräbern rotieren.

Doch selbst das Klappern ihrer Knochen klänge um Klassen besser als das, was von ihren Liedern nach der Massenschändung durch den dauergrinsenden Holländer und seinem Orchester übriggeblieben ist.

Für jene Leserinnen und Leser, denens vor wirklich nichts gruuset:

Wasser in der Wand

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Um mir die Wartezeit zu vertreiben, schlenderte ich im Berner Bahnhof auf dem Perron 13 auf und ab. Plötzlich fiel mir an der Wand gegenüber eine eigenartige Musterung auf. Sie sieht aus wie ein Gemälde, wird aber offensichtlich von Wasser geschaffen, das sich Wege durch den Beton bahnt. Aufgefallen war mir das “Bild” bisher nie. Ich fotografierte es und stellte die Aufnahme auf Facebook.

Offensichtlich war ich nicht der einzige, dem dieses Kunstwerk der Natur ins Auge gestochen war. Denn kaum hatte war mein Beitrag online, schrieb Caius Gorgon Haas dazu, an genau dieser Mauer habe er neulich ebenfalls so ein “Bild” gesehen:

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Ende einer Ausfahrt

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Als wir uns schon darauf freuten, demnächst die Grenze in Basel überqueren zu können, gerieten wir am Sonntagnachmittag auf der deutschen Autobahn in einen Stau. Wir ahnten: Weiter vorne hatte es wohl einen Unfall gegeben. Und wir merkten bald: An ein Weiterkommen würde in absehbarer Zeit nicht zu denken sein.

Immer mehr Leute stiegen aus ihren Wagen. Sie spazierten auf dem Asphalt herum, rauchten oder erledigten hinter den Büschen am Strassenrand anderes Dringliches. Eine Familie kurbelte die Fenster hinunter und unterhielt die Schicksalsgemeinschaft mit lauter Musik ab Konserve. Ein junger Mann montierte sich die Rollerskates an die Füsse und fuhr nach vorne, um nachzuschauen, was da los sei.

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Wir warteten und warteten und warteten. Ich fotografierte die Kolonne. Dazu kommt man sonst ja nicht allzuoft, zum Bilderschiessen auf der Autobahn.

Zwei Minuten, nachdem ich auf den Auslöser gedrückt hatte, bahnte sich ein Auto einen Weg durch die Gasse. Es war mit “Bestattungsdienst” beschriftet.

Eine Viertelstunde später setzte sich die Wagenschlange wieder in Bewegung.

Irgendwann passierten wir zwei Feuerwehrautos. Sie waren so parkiert, dass es den Vorbeifahrenden unmöglich war, zu erkennen, was hinter ihnen vorging. Alles, was wir sahen, waren Teile eines grauen Blechhaufens. Und der Leichenwagen von vorhin.

In einer Sekunde war also jemand völlig arglos von A nach B unterwegs gewesen. Vielleicht hatte er gerade über einen Witz gelacht. Möglicherweise freute sie sich auf das Wiedersehen mit der Familie, oder mit Freunden, die sie seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte.

In der nächsten Sekunde war er oder sie tot.

Zuhause gooelte ich nach “Autobahn, Unfall, Bad Krozingen”. Ich erfuhr, dass vor uns ein älterer Autolenker tödlich verunglückt war. Seine Beifahrerin hatte mit schweren Verletzungen ins Spital geflogen werden müssen.

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Vollgas in der Bäbistube

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Die Kelten waren schon da, und die Staufer auch, und die Römer sowieso. Nun haben auch wir Bad Wimpfen besucht, aber in durch und durch friedlicher Absicht.

In Bad Wimpfen spielten am Wochenende die “3 Daft Monkeys” und die “Levellers”; Letztere sind eine in England heissverehrte Folk-Rockband, die seit Jahrzehnten in gleicher Besetzung spielt und in ihrer Heimat vor Zigtausenden von Fans aufzutreten pflegt. Einige von ihnen reisten extra für diesen Gig nach Süddeutschland.

Die “Drei dummen Äffchen” stammen aus dem englischen Seebad Brighton. Sie verquirlen musikalisches Erbgut aus dem Mittelalter mit traditionellen Haromien aus Lateinamerika, vom Balkan oder aus Jamaica und würzen diesen auch so schon recht ungewöhnlichen Mix mit einem Hauch Punk.

Das Konzert – an dem auch die Lokalmatadoren “Fog Joggers” eine Auftrittsgelegenheit bekamen – geriet in musikalischer und stimmungsmässiger Hinsicht zu einem beeindruckenden Happening. Das lag nicht nur daran, dass sich ein Grossteil der Konzertbesucher mit Guinness-Bier verpflegte (und trotzdem bemerkenswert anständig blieb), sondern in erster Linie an der Spielfreude der Bands. Knapp fünf Stunden lang gaben sie mit Gitarren, Fideln, Flöten und an allerlei Schlaginstrumenten Vollgas.

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Bad Wimpfen sieht im Übrigen genauso aus, wie sein Name vermuten lässt: Herzig und putzig. Wenn man durch die Gässchen in der denkmalgeschützten Altstadt schlendert, fühlt man sich wie in einer überdimensionierten Bäbistube.

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Das Kopfsteinpflaster wird vermutlich zweimal täglich gefegt, und nach Einbruch der Dunkelheit sicherheitshalber nochmal. Es gibt ein “Backstüble” und ein “Wurstlädle” und ein “Kräuterhexle” und, nur ein paar Schritte weiter, ein “Kräuterweible”. Mittelalterlische Türme, fünf Kirchen und unzählige Beizle prägen das Stadtbild. Zu essen gibts Maultaschen, Spätzle und Schweinereien.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Sprache der Eingeborenen. Vor dem sehr schönen Konzertlokal “Alte Kelter” zum Beispiel sagte ein Bad Wimpfener zum anderen: “Deoredisch kammas macha, bei seina Dande, inda Wohnung unam Dach.”

Das Hotel, in dem wir nächtigten, kann ich vor allem Leuten mit einem sehr, sehr ausgeprägten Ruhebedürfnis empfehlen. Im “Rosengarten” logieren primär Kurgäste. Das zur “Quality Inn”-Kette gehörende Haus versprüht den Charme eines Sanatoriums, aber immerhin: Das Zmorgebuffet ist tiptopp.

“Null Bock”

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Wegen eines Frankens und zehn Rappen schickte mir die Krankenkasse Visana eine Mahnung. Darüber habe ich gestern in diesem Beitrag berichtet.

Weil es mich wunder nahmn, wie das mit dem Prämieninkasso in dem Unternehmen wirklich läuft, schickte ich Christian Beusch, dem bald abtretenden Kommunikationschef der Visana, eine Mail mit dem Link zu meinem Text.

Dazu schrieb ich:

“Sehr geehrter Herr Beusch

Gehe ich richtig in der Annahme, dass sich das Inkassso auch von kleinsten Prämienbeträgen – satirisch zugespitzt – ungefähr so abspielt?

Über einige klärende Worte würde ich als Direktbetroffener mich sehr freuen (die ausstehenden Fr. 1.10 habe ich der Visana gestern überwiesen).

Falls Sie sich dazu äussern möchten, können Sie das gerne in den Kommentaren zum Blogbeitrag tun. Selbstverständlich ist Ihre Antwort auch per Mail sehr willkommen.”

Die Antwort (siehe Bild oben) kam umgehend:

“Sehr geehrter Herr Hofstetter

Danke für Ihre Mail. Habe null Bock, Zeit und Lust darauf zu reagieren.”