“Mittem BH oder ohni?”

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Im Regionalzug über Land: Gegenüber sitzen zwei sehr jugendlich wirkende Herren. Die beiden scheinen sich seit einem Weilchen nicht mehr gesehen zu haben. Weil ich die Musikstöpsel in den Ohren habe, gehen sie wohl davon aus, dass ich nicht mitbekomme, was sie sagen. Vielleicht spielt es für sie aber auch gar keine Rolle, wenn Fremde ihr Gespräch mithören:

A. “Wie heisst si?”

B. “Sandra.” *

A.“Zeig!”

B. “Was?”

A. “Foti.”

B. kramt umständlich das iPhone aus den Tiefen eines Hosensacks: “Weles wotsch? Das mit BH oder ohni?”

A. “Hm…beidi.”

A. und B. Betrachten ehrfürchtig die Bilder auf dem Handy.

B. “Und?”

A. “Ou.”

B. Schweigt.

A. Guckt und guckt.

B. guckt A stolz beim Gucken zu.

A. “Wie hesch…?”

B. “Bi im Lager mau uf sie zue und hanere xeit, du bisch doch Zandra und so.”

A. “Und fertig?”

B. “Klar.”

A. “Wie lang scho?”

B. “Shalbs Jahr. Wonisi gfragt ha, öb mir wele zäme gaa, hettsi xeit, weiss nid. Si well eigetli nüt Feschts. Ha xeit, isch gliich. Jetzt simmer scho soooo lang zäme. Isch schön.”

A. “Figgschsi?”

B. (grinst) “Was glaubsch de?”

A. fragt sich, was er glaubt.

B: fummelt am Handy herum.

A. hat keine weiteren Fragen.

(* Name geändert.)

Unter Politikern

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Leute, die ich nicht kenne, reden über ein Thema, das mich nicht interessiert: Das war die Ausgangslage, als ich gestern Abend nach Huttwil fuhr, um zum ersten Mal in meinem Privatleben an einem Politanlass teilzunehmen, genauer gesagt: einem Podium beizuwohnen, an dem über eine Abstimmung diskutiert wurde, und auf die Idee, mir das einmal anzusehen und -hören, war ich nicht gekommen, weil ich noch nicht wüsste, wie ich abstimmen soll, wenn ich abstimmen würde, was ich nicht werde; es war nur so, dass mein Schatz diese Veranstaltung moderierte, und kaum war ich drin in dem weder bis auf den allerallerletzten Platz besetzten noch übertrieben liebevoll dekorierten Säli, musste ich mich auch schon aufregen, weil die Dame, die die Anwesenden begrüsste, den Namen meiner Frau falsch aussprach, doch bevor ich aufstehen und von ganz hinten links sagen konnte, “so, das mit dem Debioll probieren wir jetzt gleich noch einmal”, gings auch schon los mit dem Vortrag eines jungen Mannes, der für eine Firma arbeitet, die in Solar macht, und als er sein “Inputreferat” seinen halbstündigen Werbespot durchhatte, konnte die Debatte starten, wobei, vor und hinter das Wort Debatte muss man ein Anführungs- und ein Schlusszeichen setzen, was ich hiermit gerne tue, Debatte, denn eine richtige Debatte im Sinne von “Sie haben ja keine Ahnung!” oder “Ich habe Sie vorhin ausreden lassen. Jetzt bin ich dran!!” oder “Leute wie Sie sind die Totengräber unserer Demokratie!!!” und allem wars nicht, was jedoch keinesfalls an der Moderatorin lag, sondern vielmehr daran, dass die vier Politiker und die eine Politikerin einfach das wiederholten, was jeden Tag in den Leserbriefen steht, die sie und ihre Parteikollegen im Akkord an die Redaktionen landauf und -ab schicken, nämlich, dass es um die EFFIZIENZ gehe und um die WERTSCHÖPFUNG und um ARBEITSPLÄTZE und um die SIGNALWIRKUNG, und um zu zeigen, dass sie sich in den letzen Wochen und Monaten umfassendst mit der Materie auseinandergesetzt haben, streuten sie in ihre Statements allpott Begriffe wie Staatsquotenneutralität oder Anschubfinanzierung oder Zubauraten oder Zeitfenster oder Kostendeckende Einspeisevergütung ein (was fehlte, war eigentlich nur die Nachhaltigkeit, ansonsten war von A wie Ahmedinedschad bis Z wie Zentralheizung alles da, was in ein Gespräch über Energiefragen gehört) und jemand sagte, dass die Eisbären am Nordpol sich langsam warm anziehen müssten, aber das sagte er natürlich nicht so, sondern anders, und ein anderer rühmte, es sei “wahnsinnig”, was in Oensingen passiere, bautechnisch und wirtschaftlich und überhaupt, und als nach ungefähr einer Stunde alle noch einmal zusammenfassen konnten, wieso sie am 3. März wie stimmen würden, stand für die meisten Gäste, wie vermutlich schon vor dem Podium, fest, dass die Energiewende eine sinnvolle Sache wäre, aber dass man man sich fragen könne, ob man beim Wenden wirklich regelmässig kontrollieren müsse, wies läuft, oder ob mans nicht einfach wenden lassen könne, ohne, dass der Staat undsoweiterundsofort, und am Ende bekamen die Diskutanten und die Diskutantin und die Moderatorin eine Art Früchtekorb und das wars dann, und wenn mich jetzt jemand fragen würde, und, wie hats dir bei den Politikern gefallen?, müsste ich sagen, es gibt sicher noch dümmere Arten, einen freien Abend zu verbringen, aber ganz bestimmt auch eine Menge sinnvollere.

Die Gutelaunefahrt

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Eigentlich sind ja Sportferien, und eigentlich sollte es in den Morgenzügen nach Bern deshalb chli mehr Platz haben als sonst, wenn die Schweizer Jugend kollektiv in die Bundesstadt fährt, um zu studieren oder die Gewerbeschulbank zu drücken oder im Starbucks eine “3rd place-experience” zu erleben.

Aber natürlich war der Zug, der um 7.37 in Burgdorf einfuhr, trotzdem platschvoll, und selbstverständlich waren nur noch in einem Wagen ein paar Quadratzentimeter frei: Im von mir so geschätzten Familienwagen.

“Immer noch besser als zwölf Minuten in dem Gstungg hier herumzustehen”, dachte ich, und kämpfte mich nach hinten. Kaum hatte ich das letzte freie Plätzchen besetzt, strömten weitere Leute ins Abteil, als ob darin gleich ein Apple-Shop eröffnet würde:

Doch eigenartigerweise war von Hektik oder Stress oder der üblichen morgendlichen Muffeligkeit nichts zu spüren, ganz im Gegenteil. Wer auch immer sich in den Wagen zwängte, setzte ein freundliches Lächeln auf. Zwei Teenager kicherten, als ob sie zum Zmorge einen Clown verputzt hätten. Eine junge Dame machte es sich in einer knallroten Holzwanne für die Kleinen so gemütlich, wies halt ging (siehe Bild oben). Eine junge Mutter setzte ihr Kind auf die Rutschbahn. Ein anderer Knirps turnte, unter den anerkennend-staunenden Blicken seiner Mitreisenden, auf dem Klettergerüst auf und ab.

Niemand meckerte, niemand fluchte, niemand schimpfte, das sei doch gopfertami schon jeden Tag dasselbe, dieses Puff im Zug, und wieso wohl die SBB um diese Zeit nicht einfach ein paar Wagen mehr anhängen könnten und überhaupt.

Alle hatten den Frieden…

…nein: Jetzt kommt kein “,… doch dann…”, kein “…und trotzdem…” und kein “…, aber…”. Diese Geschichte hat keinen Haken und keine Pointe.

Für einmal machte es einfach Spass, zu dieser frühen Stunde nach Bern zu tuckern – auch wenn bei der Einfahrt in den Endbahnhof vermutlich kein Mensch hätte sagen können, wieso alle Fahrgäste dermassen gut aufgelegt waren, dass es vermutlich niemandem etwas ausgemacht hätte, wenn der Zug ohne Halt bis nach Genf gefahren wäre.

Kleines Quiz

Dieselbe Fahrerin.

Derselbe Fotograf.

Kein Wunder, gleichen sich diese zwei Bilder

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wie ein Ei dem anderen.

Wenn man ganz genau hinschaut, bemerkt man jedoch zehn Unterschiede.

Wer sie als Erste(r) herausfindet, erhält als Preis einen kleinen Koala aus Stoff.