Vom Pelikan zum Känguruh

Delfine

Was ist auf diesem Bild zu sehen?

a) Ein Gruppenkneippen

b) Eine Wasserbestattung

c) Das Füttern der Delfine in Tin Cam Bay

Während Flippers Nachkommen einen Fisch nach dem anderen verputzten, smalltalkte ich mit einem anderen Hafenbewohner:

Pelikan

Wir unterhielten uns über dieses und jenes, aber irgendwie hatte ich ständig das Gefühl, dass es meinem neuen Freund gar nicht darum ging, mit jemandem zu reden. Als er merkte, dass ich nichts zu essen dabeihatte, verlor er das Interesse an mir rapide. Höflichkeitshalber blieb er noch eine Weile vor mir stehen; dann wandte er sich anderen Touristen zu, von denen er sich kulinarisch mehr versprach.

Kurz darauf sassen Chantal und ich wieder im Auto. Auf unserem Weg in den Norden sahen wir interessante

Kroki
Schilder

und entdeckten wir einen

Beach
einsamen Strand.

Stundenlang blochten wir auf

Fahrt
schnurgeraden Strassen

an unermesslich grossen Feldern vorbei und durch scheinbar endlose Wälder. Dabei sahen wir prächtige Pferde, bemerkenswert dürre Kühe und Skelette von Tieren, die unseren Vor-Fahrern in die Quere gekommen waren.

Gegen Abend erreichten wir die

1770

wunderschön am Meer

gelegenenen Zwillingsstädte Agnes Water und Town of 1770. Mit etwas Glück fanden wir in dieser Touristenhochburg noch ein freies Zimmer. Wir bezahlten 200 Dollar für eine Nacht. Zmorge und WiFi-Anschluss waren im Preis nicht inbegriffen; dafür klebte eine grosse Spinne am Badewannenrand und stank es penetrant nach Kanalisation.

Von der langen Fahrt und der Suche nach einer Unterkunft und allem doch etwas erschöpft, gönnten wir uns in Bustards Restaurant zum Abschluss ein sehr, sehr leckeres

Kängu

Känguruh mit Salat, Bohnen und Mango.

Heute gehts weiter der Ostküste entlang. Unser nächstes grosses Ziel ist das


Great Barrier Reef.

Irgendwann in den nächsten Tagen werden wir dieses Paradies erkunden; per Heli, mit dem Schiff und zu Fuss.

Der Mann mit neun Leben

Irgendwie geht mir der Mann nicht aus dem Kopf. Als wir neulich drei Tage bei Chantals Cousine Nathalie in Brunswick Heads bei Byron Bay verbrachten, lernten wir Dean Cook kennen. Er lebt mit Nathalie zusammen. Ganz freiwillig tut er das nicht: Als ehemalige Krankenschwester kümmert sie sich hauptberuflich um ihn.

Dean Cooks grosse Leidenschaft war ist das Surfen. Eine Zeitlang verdiente er seinen Lebensunterhalt mit dem Fotografieren und Filmen von Wellenreitern an der australischen Ostküste. Noch lieber stand er jedoch selber auf dem Brett.

Wahrscheinlich dachte er sich nicht viel dabei, als er eines Tages von seinem Board in den Ozean fiel. Doch was wie ein Routinemalheur aussah, endete in einem Drama: Während er unter Wasser lag, wurde er von einem anderen Surfer überfahren. Das Schwert am Brett des Kollegen schlitzte ihm den Bauch auf.

Nach der Notoperation musste Cook – wie schon früher, bei seinem erfolgreichen Kampf gegen den Hautkrebs – Unmengen von Medikamenten schlucken. Der ohnehin schon schwer malträtierte Körper kapitulierte: “Kookie”, wie ihn hier alle nennen, erlitt einen Schlaganfall. Wochenlang lag er im Koma. Kaum war er daraus erwacht, brachte er sich das Sprechen neu bei.

Nun sucht Dean Cook einen Weg zurück in die Normalität. Er geht in die nahegelegenen Shops einkaufen, kocht, redet ununterbrochen mit Freunden, Wildfremden oder, wenn gerade niemand im Haus ist, sich selber, guckt stundenlang Surffilme und freut sich über die Besuche seines Sohnes; voller Vaterstolz zeigte er uns eine Zeitung mit dem 14jährigen Profi-Skater auf der Titelseite.

Cooks einziges Ziel ist es, so bald wie möglich wieder auf dem Surfbrett zu stehen. Daran, dass ihm das gelingt, hat er keine Zweifel. Diese Zuversicht kommt nicht von ungefähr: Wer dem Tod schon so oft von der Schippe gesprungen ist wie “Kookie”, stellt sich unmöglich scheinenden Herausforderungen wohl mit einem ganz anderen Selbstverstrauen als jemand, dem immer alles in den Schoss gefallen ist.

Ihm seien neun Leben geschenkt worden, sagte Cook bei einem Kaffee in Nathalies Küche. Nach all den Krankheiten und Unfällen müsse er allerdings davon ausgehen, dass der Vorrat erschöpft sei.

Das eine Leben, das ihm noch bleibt, will er keinesfalls als hilfsbedürftiger Patient verbringen, der fast rund um die Uhr Pillen benötigt, um einigermassen zu funktionieren. Sondern als selbstständiger und eigenverantwortlicher Mensch; draussen, auf dem Meer.

Mit nichts als dem Brett unter den Füssen und der Freiheit im Herzen.

Nachtrag 23. Dezember 2012: Dean Cook ist verschwunden. Er wird von der Polizei gesucht.

Blicke in die Bilder-Schatzkiste

So viele Eindrücke. So viele Erlebnisse. So viele Entdeckungen – und so viele Begegnungen. Im Bewusstsein darum, dass es gar nicht möglich ist, all das, was wir in unseren Flitterwochen in Australien sehen, zu fotografieren, versuchen wir doch, die eine und andere Impression im Bild festzuhalten.

Chantal

hat ihre Kamera immer dabei. Und, wichtiger noch: Sie weiss auch, wann sie sie wie einsetzen muss.

Nebst vielen, vielen anderen gelangen ihr in den ersten zwei Wochen unseres Trips die folgenden Aufnahmen:

Das grosse Kilometerfressen

Bye-bye,

Byron Bay!

Nach drei wundervollen Tagen rund um das Hippiestädtchen an der australischen Ostküste zog es uns heute weiter in den Norden. Wohin genau wir fahren wollten, wussten wir beim Start noch nicht. Fest steht nur, dass wir am 22. Dezember in Cairns sein müssen, um den Flieger zurück nach Sydney zu erwischen.

Also düsten wir einfach aufs Geratewohl los. Stunden und rund 500 Kilometer später hatten wir

Rainbow Beach

erreicht. Wir erwischten im “Plantation Resort”-Hotel das letzte verfügbare Zimmer und sind damit…wie soll ich sagen?…mehr als zufrieden:

Im Moment, in den ich das schreibe (und Chantal sich von der Fahrerei auf der “falschen” Strassenseite erholt), erleben wir ein kleines Flashback: Es regnet. Das tat es schon, als wir vor zwei Jahren in diesem Örtchen eintrudelten. Nun hoffen wir, dass es sich – im Gegensatz zu unserem Besuch 2010 – nur um einen vorübergehenden Gutsch handelt.

Unsere Pläne für die nächsten Tage? Am Strand liegen, fischen gehen, das Great Barrier Reef erkunden…den Möglichkeiten, die Zeit zu verbringen, sind hier keine Grenzen gesetzt.

Nachtrag (am nächsten Morgen): Aha – das geht ja doch mit der Sonne in Rainbow Beach.

Foto

Chli abgehoben

„A wonderful experience.“

„A place of true beauty, tranquility and charm.“

„A truly wondrous oasis in the world.“

„Heaven on earth!“

„Just what I needed.“

Als ich auf der Tafel am Eingang zum „Crystal Castle“ in Mullumbimby bei Byron Bay las, was Besucher schon über diesen Ort gesagt haben, wurde mir ein wenig gschmuuch. Das war ganz und gar nicht, was ich mir vorgestellt hatte. Das klang mehr nach etwas, was ich mir freiwillig eher nie antun würde, als nach etwas, was ich in meinen Ferien unbedingt haben müsste.

„True beauty, tranquility and charm“: Etwas in der Art suchen die Leute, die für einen Fünfliber pro Minute bei Mike Shiva anrufen.

„Crystal Castle“: Das war für mich ein Platz, an dem man ein paar wertvolle Steine aus den Bergen betrachten kann. Nichts wahnsinnig Spektakuläres zwar, aber etwas, was man nicht jeden Tag sieht. Ein Souvenir für den Kopf, sozusagen.

Doch kaum hatten wir je knapp 20 Australischen Dollar Eintritt bezahlt – das entspricht umgerechnet nicht ganz 20 Schweizer Franken – stellte ich fest, dass es mit einem simplen Begucken von allerlei Mineralien kaum getan sein würde. Auf einem süüferli gekiesten Wägli wandelten wir durch einen Regenwald.

Darin gab es ein geheimnisvolles Labyrinth,

super Blumen,

teure Fische, einen Tümpel der Ruhe, einen Turm für den Weltfrieden, kontemplative Musik, exotische Fahnen, verschiedene Symbole und zahlreiche Menschen, die mit einem entrückten Lächeln auf den Gesichtern von Station zu Station gingen.

Kristalle hatte es auch, und zwar in allen Grössen und Farben und Formen. Ich weiss nicht, ob sie es waren, die dem Ganzen eine Aura verpassten, die mich selber ein ganz klein wenig erstaunte, oder ob es nicht einfach an diesem Wald an sich lag, der wie ein gigantischer grüner Staubsauber alles Negative zu schlucken schien, was die Leute beschäftigt.

Soweit, zu behaupten, ich hätte den „Heaven on earth“ gesehen, würde ich nicht unbedingt gehen (mein persönlicher Heaven on earth wäre der Backstagebereich von Toto und ist ohnehin jeder Quadratmeter, an dem sich meine Frau gerade befindet).

Aber „a wonderful experience“ – das wars durchaus.