Dann stimmts also doch!

Tagelang wars nur ein Gerücht; wenn auch ein gewöhnlich recht zuverlässigen Quellen entsprungenes.

Doch jetzt ist die Bestätigung endlich da: Judith Wernli und Urs Hofstetter sind Eltern eines strammen Robin Lemmy geworden.

Auch dem “Blick” ist die Geburt eine Meldung wert. Ich bin sicher: Die Berichterstatter der “grössten Tageszeitung der Schweiz” werden noch merken, wie die Mutter meines Neffen heisst. Es kann ja nicht sooo schwierig sein, einen Namen von einem Facebook-Profil abzuschreiben.

(Zuaugen von interessierten Branchenkollegen: Bilder des Kleinen findet ihr hier keine.)

Also gut: Hier ist der Termin

Am Anfang fand ichs ja noch lustig: Kaum war durchgesickert, dass wir “es” tun, wollten die Leute wissen, wann der grosse Tag sei. Ob schriftlich oder mündlich, ob nur angedeutet oder direkt: Ich habe nicht gezählt, wieviele Menschen sich in den letzten Monaten nach diesem offensichtlich auch für sie elementar wichtigen Datum erkundigten.

Doch ohne, dass wir das abgesprochen hätten, behielten wir den Termin für uns. Wir fanden, es genüge, wenn jene paar wenigen Personen eingeweiht sind, welche sich um einen reibungslosen Ablauf des Ereignisses kümmern müssen/sollten/dürfen/.

Ganz hartnäckige Gwundernasen gingen irgendwann dazu über, mich mit einer Mahnwache zu empfangen, wann immer ich aus dem Haus ging. Kaum hatte ich die Türe geöffnet, blickte ich in zwei Dutzend und – je nach Wetter – mehr Gesichter, deren Züge mir ein stummes “Wann???” entgegenschrien. In den ersten Tagen liess ich mich von den Rädelsführern in Diskussionen verwickeln. Später durchschritt ich die Horde stumm und liess die Leute mit ihren Transparenten und T-Shirts (“Ich will nicht unbedingt ein Kind von dir. Aber wenigstens eine Antwort!!!”) im strömenden Regen oder in der gleissenden Sonne stehen.

Wenn ich gegen Abend zurückkehrte, schliefen einige der Gestalten unruhig auf ihren mitgebrachten Quilts. Andere kauerten nach Wochen des Wartens ausgezehrt unter den Apfelbäumen und hofften entkräftet darauf, dass ihnen eine der Früchte in den Schoss fallen möge.

Mir dämmerte: Auf Dauer ist das keine Lösung; vor allem nicht mit Blick auf den nahenden Winter. Falls eines Tages jemand erfroren in meinem Garten liegt, möchte ich mich nicht für den Rest meines Lebens dafür verantwortlich fühlen müssen. Für vieles andere: Gerne. Aber für einen Toten im Gemüsebeetli: Hm.

Es ist deshalb an der Zeit, dem Rätselraten ein Ende zu bereiten: Am 24. Oktober ist es soweit.

Dann treffen der Uetendorfer Gemeindepräsident und SP-Grossrat Hannes Zaugg-Graf und ich in der Kulturfabrik Bigla in Biglen bei einem öffentlichen Streitgespräch aufeinander. Er als engagierter Politiker und ich als entschiedener Nicht-Abstimmer und -Wähler diskutieren ultimativ über die Politik und deren Exponenten.

Auch wenn der Ausgang der Debatte naturgemäss völlig offen ist, lässt sich doch heute schon vermuten: Mein Vornamensvetter gibt alles, um mich – und das Publikum – von den sozialen, finanziellen, baulichen und anderen Segnungen der Politik zu überzeugen. Ich meinerseits lasse nichts unversucht, um den Leuten klarzumachen, dass es sich im Lager der Politabstinenten viel zufriedener leben lässt als unter all den Profilierungsneurotikern mit ihren dauerausgefahrenen Ellenbogen.

Moderiert wird der Anlass von Ernst “Aschi” Rüegsegger, dem Filippo Schawinski aus dem Eggiwil. Er hat nach eigenen Angaben “ein dickes Brett vor dem Kopf, aber trotzdem nicht den totalen Durchblick”. Der für seinen investigativen Fragestil berüchtigte Betreiber einer Kleinstsägerei und Kleinbauer wird erfahrungsgemäss dafür sorgen, dass die Gäste am Ende so ahnungslos sind, wie sie es vor der Diskussion waren.

Die Diskussion beginnt um 19.30 Uhr. Um 18.30 Uhr werden die Abendkasse und die Bar geöffnet.
Der Eintritt ist frei; ein Vorverkauf findet nicht statt.

Geschenk des Himmels für Berufshysteriker

Wer weiss: Vielleicht wird dieser Text nie fertiggeschrieben. Möglicherweise endet er in diesem Moment.

Oh: Nichts passiert.

Aber das ändert natürlich nichts daran, dass ich hier immer noch unter Lebensgefahr schreibe. Schliesslich rast über mir “ein busgrosser Satellit” der Erde entgegen. Und niemand konnte bis jetzt verbindlich sagen, dass die sechs Tonnen Altmetall nicht in unser Gemüsebeetli krachen.

Eigentlich kann ja überhaupt niemand etwas Verbindliches sagen. Die Moderatorendarstellerin von ProSieben zum Beispiel erklärte ihren Zuschauern, die zähneklappernd und mit Stahlhelmen auf dem Kopf den womöglich letzten TV-Abend ihres Lebens verbrachten, mit grossem Ernst, dass Teile der Satellitentrümmer “vermutlich irgendwo zwischen Schweden und Südamerika einschlagen” würden.

Doch wie schon bei SARS, der Vogel– und Schweinegrippe, dem Waldsterben und so weiter lassen sich manche Menschen auch im Fall “Satellitencrash” durch Nichtwissen nicht davon abhalten, auf Vorschuss zu hyperventilieren. In Italien raten die Behörden der Bevölkerung, zuhause zu bleiben. Das wäre ja wirklich noch schöner: Da plappert man auf dem Mercato gemütlich mit dem Nachbarn, und in der Sekunde, in der man nach den Tomaten greift: Bumm, krach, schepper!

Und wenn die vage Möglichkeit besteht, dass irgendwo eine hypothetische Gefahr lauern könnte, sind auch hierzlande die professionellen und mit Steuergeldern bezahlten Panikschürer nicht weit. Was die Nationale Alarmzentrale auf ihrer Homepage zum Thema “Satellitenabsturz” schreibt, lässt flüchtige Leser befürchten, die Welt gehe noch vor dem nächsten “Tatort” unter: “Da einzelne Satelliten ihre Energie aus radioaktiven Stoffen beziehen, ist beim Absturz eine Verstrahlung nicht auszuschliessen”, schreiben die Berufs-Alarmisten der Eidgenossenschaft. Und weiter: “Sollte ein solcher Absturz tatsächlich über Schweizer Hoheitsgebiet stattfinden, ist die NAZ für die Lokalisierung der radioaktiven Trümmer und die Organisation der entsprechenden Strahlungsmesskampagne verantwortlich. (…) Droht tatsächlich ein Satellit mit nuklearer Bordenergieversorgung auf die Schweiz abzustürzen, wird die NAZ durch die European Space Agency (ESA) informiert. Die NAZ orientiert ihrerseits alle Kantonspolizei-Korps. Dabei geht es nicht nur um allfällige Schutzmassnahmen für die Bevölkerung, sondern auch um Beobachtungen aus der Bevölkerung in Zusammenhang mit dem Absturz.”

Tatsache ist: Experten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA gehen davon aus, dass von den sechs Tonnen Satellit nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre noch 500 Kilogramm Metall übrig bleiben werden. Und diese prallen nicht als Klotz auf den Boden oder ins Wasser. Sie prasseln in kleinen Stücken hernieder. Das Risiko, dass dabei ein Mensch verletzt wird, beträgt laut den Fachleuten 1 zu 100 Milliarden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Medienleute und staatliche Institutionen auch das nächste Müggli zu einem alles verschlingenden Monster aufblasen, ist im Vergleich dazu sehr, sehr viel grösser.

Glück hoch 2000

Heute vor 2000 Tagen habe ich im Rahmen des Toto-Konzerts am Snowpenair zum ersten Mal mit meinem Schatz telefoniert.

Die Band war damals auf der “Falling in between”-Tournee und spielte dabei auch dieses wun-der-schöne Lied:

2000 Tage? Das klingt irgendwie nach lange.

Andrerseits: Gemessen daran, wieviele gemeinsame Tage noch folgen werden, sind 2000 sehr wenig.

Das Kreuz mit dem Plakat

Ich kanns natürlich nicht beweisen. Aber ich gehe davon aus, dass in diesen Wochen sehr viele Leute vornehmlich damit beschäftigt sind, Zeitungen und Online-Medien nach Texten über ihre Lieblingspartei und deren Exponenten abzuklopfen. Wer etwas findet, faxts oder mailts umgehend an Gleichgesinnte weiter.

Irgendjemand muss bei dieser Suche gestern auf diesen Text gestossen sein (und damit auch auf den hier). Kaum hatte er oder sie ihn gelesen, kopierte er den Link empört in eine Mail, gab in der Adresszeile seine komplette Kontaktliste ein und drückte so beherzt auf “Weiterleiten”, dass sich die Frau in der Küche erschrocken fragte, was im zweiten Stock wohl gerade so getätscht habe.

Nachdem jeder Empfänger den Beitrag seinerseits in seinem Bekanntenkreis gestreut hatte (“Lieber Karl. Das habe ich gerade im Internet gefunden. Schaus dir mal an. Ich find das einfach nur schlimm!!!”), liefs in meinem virtuellen Postfach auf einmal rund.

Hier sind ein paar Auszüge:

– “Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie mit solchen Texten die Gefühle von sehr vielen Menschen verletzen?”

– “Was hat Moses Ihrer Ansicht nach mit den Eidg. Wahlen zu tun?”

– “Von mir aus können Sie sich gerne über die FDP oder die SVP mit ihren Auswanderungsplakaten (sic!) lustig machen, aber lassen Sie die CVP in Ruhe!”

– “Sie haben nicht verstanden, um was es geht. Das ist vermutlich eine Frage des Alters.”

– “Einfältiges Geschreibsel.”

– “Machen Sie auf Kosten anderer nur weiter Witze aus der untersten Schublade. Es kommt der Tag, an dem man über Sie lacht.”

– “Hoffentlich werden sie eingeklagt.”

– “Leute wie sie schaden unserer Demokratie.”

– “Wenn das in einer Zeitung stehen würde, müsste ich mich wirklich aufregen. Aber diese “Blogs” liest ja zum Glück niemand.”

So ging das, bis weit in die Nacht hinein. Insgesamt erhielt ich auf die paar Zeilen über das CVP-Plakat 34 solche und artverwandte Reaktionen plus eine normale Zuschrift. Letztere deponierte ein Leser unter Angabe seines richtigen Namens in den Kommentaren. Die restliche Fanpost wurde mir von vermutlich extra für solche Zwecke angelegten Tarnadressen aus zugestellt. Name, Vorname, Wohnort? Chasch dänke.

Bei der Lektüre der Leserbriefe hatte ich ein merkwürdiges Déjà-lu. Etwas Ähnliches ist mir schon wegen eines Beitrags über den Auftritt einer Mundart-Sängerin in den Hochalpen passiert. Auch damals fluteten entsetzt-empört-fassungslose Leserinnen und Leser meinen Online-Briefkasten – und auch damals hielt es niemand für nötig, unvermummt zu dem zu stehen, was er oder sie denkt.

Ich weiss wirklich nicht: Was zum Teufel hindert jemanden, der jemand anderem seine Meinung sagt, daran, zu eben dieser Meinung zu stehen? Wie diskutieren diese Leute, wenn sie sich unter anderen Menschen befinden? Ziehen sie sich eine Kapuze über den Kopf, wenn sie an der Gemeindeversammlung aufstehen, um etwas zu sagen? Reden sie am Telefon mit verstellter Stimme?

Oder diskutieren diese Leute nie, wenn sie sich unter anderen Menschen befinden? Bleiben Sie an der Gemeindeversammlung sitzen? Reden Sie am Telefon nur über das Wetter?

Wer weiss: Vielleicht ist das, was sie hier – und zweifellos auch in zig anderen Medien – absondern, gar nicht ihre eigene Meinung. Im besten Fall plappern sie nach, was ihnen jemand vorgekäut hat. Im schlimmsten Fall ist diesen Schreibhooligans gar nicht an einem Gedankenaustausch gelegen.

Sondern nur daran, chli in der Gegend herumzubislen und darauf zu hoffen, dass es irgendjemanden preicht.