Überraschend im Bild

Super: Chantal und ich haben das erste Bild für unsere gemeinsame Wohnung.

Es war ganz einfach: Neulich erwähnte ich in diesem Blog, dass ich demnächst an die Vernissage von Stefanie Hofer-Gertschs Ausstellung “Alptraum” gehen und dort so lange herumtrötzeln würde, bis mir die Künstlerin ein Bild schenkt.

Und siehe da: Auf einer der vielen Staffeleien stand ein Gemälde, dass irgendwie nicht zu all den Kühen, Steinböcken und Bergen passte, die die Räume prägten: Es zeigt ein von einem Tintenfisch umrahmtes Frauengesicht.

Nachdem wir das Werk eine Weile betrachtet hatten, dämmerte es Chantal: “Das bin ja ich!”

Stefanie hat uns also nicht einfach “nur” eines ihrer Bilder vermacht; sie hat mit “Octoblues” extra für uns eines gemalt! Ich muss sagen: das hatte ich nicht erwartet.

Als Vorlage diente offensichtlich diese Foto, die wir einmal ohne kulturelle Hintergedanken ins Internet stellten:

Gut, haben wir damals nicht Wild gekocht; sonst müssten wir jetzt einen röhrenden Hirsch an die Wand nageln.

Jetzt bin ich gespannt, ob der Trötzel-Trick an der nächsten Ausstellung von Annie Leibowitz auch so gut funktioniert.

Hautsache Nebensache

2007 schuf Patricia Herrmann, die Schwester meines Arbeitskollegen Hans Herrmann, einen Drachen. Er diente als Logo für den Burgdorfer Verein Mythos, der vor vier Jahren in einem Wald bei Burgdorf sein erstes Stationentheater durchführte: die “Drachenjagd”. Aus lauter Freude an diesem lässigen Verein und über meine Première als Schauspieler liess ich mir das Clubsignet auf den rechten Oberarm tätowieren:

Für seine gut zweistündige Stichelei bezahlte ich einem etwas gfürchig wirkenden Künstler in einem Solothurner Tattoo-Shop 350 Franken. Im Wissen darum, gerade eine Investition für die Ewigkeit zu tätigen, legte ich die vier Noten aus allen Poren blutend, aber leichten Herzens auf den Tresen.

Seither begleitet mich das starke Wesen aus einer fremden Welt durch gute und andere Zeiten. Ich meinerseits lasse ihm beim Duschen und nach Sonnenbädern manchmal eine besonders sorgfältige Pflege angedeihen. Zum Dank dafür nahm es im vergangenen Sommer klaglos hin, dass sich auf seinem Nachbargrundstück auf einmal die grösste Rockband dieses Planeten breitmachte:

Und dann: dann beschloss die Hauptversammlung unseres Vereins gestern Abend, den Namen “Mythos” durch “Szenerie Burgdorf” zu ersetzen. Und, dazu passend, ein neues Logo zu kreieren.

Frei nach dem Motto “Frage nicht, was dein Verein für deine Verzierungen tun kann. Frage, was du für deinen Verein tun kannst” habe auch ich für diese Vorschläge gestimmt.

Aber beim Handhochhalten wusste ich: das nächste Signet kommt höchstens auf ein T-Shirt.

Burgdorfer Bestseller

Boah, ey: 2,3 Millionen Franken hat ein Unbekannter bei einer Auktion in London für dieses Bild von Franz Gertsch bezahlt:

Ich habe keine Ahnung, was an diesem Gemälde so besonders sein soll. Ich weiss sowieso nicht, wieso man für ein Bild – wen oder was auch immer es zeigt – soviel Geld ausgeben kann (wenn schon, würde ich in längst verschollen geglaubte und auf obskuren Wegen wieder aufgetauchte Songfragmente von Abba, Toto oder Deep Purple investieren).

Andrerseits: Franz Gertsch ist, wie ich, sozusagen ein Burgdorfer. Das rechtfertigt den Preis von alleine. Im Gegensatz zu mir hat er in der Emmestadt aber bereits ein Museum, während ich, wenn ich denn möchte, nur mit meiner schnügeligen Wohnung am Fuss des Schlosshügels angeben könnte.

2,3 Millionen für etwas, was ein mit Burgdorf verbundener Mann geschaffen hat: Je länger ich mir das selber vorlese, desto gschmuucher wird mir.

Hoffentlich erwartet diese Stadt von mir nichts in einer ähnlichen Grössenordnung. Ich meine: Wie versteigert man einen Blog? Wer würde überhaupt einen Blog kaufen wollen?

(Angebote können in den Kommentaren deponiert werden. The sky is the limit.)

Traumjob

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Tanke. Das müenzi de no underschriibe.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Tanke.”

“Tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Hänzi da no es Halbtax dezue?”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

“Tanke.”

“Jo – tanke.”

“Jo – tanke.”

Fanpost und der Versuch einer Antwort

Oha – die erste Beschwerde:

“Eigentlich ist es schade für mich, dass du jetzt beruflich blogst“, schrieb mir heute Abend eine treue Leserin. “Da weiss ich gar nichts mehr von dir, und dass mich die vielen, vielen Filmli nicht so interessieren, wirst du verstehen. Nichts mehr von leeren Tassen auf dem Tisch oder von Gags rund ums Haus – nur noch Musik und Klatsch…..Du machst das ja nicht für mich, aber mir entgehen viele Freudeli, die ich mir am Abend vor dem Ins-Bett-Gehen habe zu Gemüte führen können”, teilte mir die Frau mit, die ich auch im realen Leben ab und zu sehe, deren Namen ich hier aber auf keinen Fall und auch nicht unter tagelanger Folter mit Lena-Songs verraten würde.

Ich kenne die Frau nach 45 Jahren, drei Monaten und ein paar Tagen inzwischen gut genug, um zu wissen, dass sie mir, eigentlich, etwas ganz anderes schreiben wollte. Eigentlich sagte sie mir auf diese Weise durch einen ganzen Blumenladen, dass ich mich nun schon seit einem geraumen Weilchen nicht mehr gemeldet habe, was an sich kein Weltuntergang sei, weil auch sie durchaus noch Sinnvolleres zu tun habe, als die Tage neben dem Telefon sitzend auf einen Anruf von mir wartend zu verbringen, aber nett wärs halt doch, wenn man wieder einmal wüsste, wies im fernen Burgdorf und Zug und Bern so läuft und geht und steht und überhaupt und alles.

Nun denn. Packen wir den Klatsch ein und über das Privatleben aus:

Mein absoluter Höhepunkt der letzten Tage war das Konzert der “Halunke” in Baden (die “Halunke”, liebe Leserin, sind Ihnen bestens bekannt. Irgendwo bei Ihnen daheim liegt eine signierte CD von den Jungs, die sich sehr darüber gefreut hatten, die CD für Sie zu unterschreiben). Im “Fjord” herrschte eine tolle Stimmung unter lauter aufgestellten und vielen aufstellenden Leuten. Die Band war tiptopp zwäg; nur der Drummer sass halb tot hinter seinem Schlagzeug und überstand den Abend nur dank einer aus dem Publikum dargereichten Megaportion Neocitran einigermassen bei Sinnen.

Als aufmerksamer Ehemann in spe kaufte ich meiner zukünftigen Gattin ein nigelnagelneues “Halunke”-T-Shirt:

Anschliessend übernachteten Chantal und ich bei den zwei besten Trauzeugen der Welt. Am nächsten Morgen fuhren wir in aller Herrgottsfrühe zurück nach Burgdorf. Dort legte sich mein Schatz mit einer zünftigen Erkältung für den Rest des Wochenendes ins Bett.

Das wärs eigentlich schon. Das heisst: nein, noch nicht ganz.

“Aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen über die Ausrichtung des Projekts” (so würden das professionelle PR-Leute formulieren) bin ich neulich aus dem OK des Burgdorfer Stationentheaters ausgestiegen. Über die genauen Umstände haben die Parteien “Stillschweigen vereinbart” (noch so ein Schmuckstück aus der Schatzkiste der Textbausteine-Verwerter). Ich werds überleben, das Theater wohl auch. Also: kein Grund zur Sorge.

Die Hirnerschütterung, um noch kurz in die medizinische Ecke zu gucken, ist auf Nimmerwiederspüren versurrt. Gebrochen ist aktuell nichts, weder im Kopf noch in den darunterliegenden Etagen. Man kann sagen: Ich bin wie neu, nur knapp ein halbes Jahrhundert älter.

In der Bude läufts prächtig. Was immer ich mir im letzten Sommer von meinem Wechsel von Burgdorf nach Bern erhofft hatte, ist eingetroffen. Ich habe lässige Gspändli. Zwei davon hielten mir heute Nachmittag für ein Bild hin, nämlich Benno Kislig und Franziska Zaugg:

(Wer bemerkt die zehn Unterschiede?)

Projekte und Pläne gibts selbstverständlich auch. Am nächsten Samstag kommen uns meine Eltern in Zug besuchen, worauf wir uns wirklich sehr, sehr ausgesprochen freuen. Wir bekochen sie indisch. Weiter will ich noch das Weihnachtsgeschenk 2010 für meinen Göttibuben posten, das er australienbedingt immer noch nicht erhalten hat.

Mitte März spielt Steve Lukather in der Alten Mühle Hunziken in Rubigen. Das liegt direkt hinter dem Ende der Welt und ist mit dem ÖV unmöglich zu erreichen. Ich habe deshalb meine über 150 Facebook-Freundinnen und -Freunde gefragt, ob mich jemand, der oder die automobiler ist als ich, begleiten wolle, aber kein Schwein rief mich an, kein Schwein nimmt mich mit.

Und dann ist da noch was: Am 2. April bin ich, zusammen mit drei anderen Autorinnen und Autoren, für eine Krimi-Lesung auf der Bäregghöhe engagiert. Am selben Abend findet der Polterabend von deinem anderen Sohn meinem Brüetsch statt. Ich muss das irgendwie organisieren, weiss aber noch nicht genau, wie. Gäbig wäre, wenn Chantal und ich an jenem Wochenende den Golf meiner Eltern haben könnten.

Ich frage die beiden glaub einfach mal, wenn sie am Samstag zu uns zum Essen kommen.