Was gibts da zu lochen?

Foto-7

In den Ferien achte ich nicht nur auf eine gesunde Ernährung (siehe die Tomate links unten). Ich nutze die reichlich vorhandene freie Zeit auch gerne, um meinen Körper weiter zu stählen.

Foto

Eine perfekte Gelegenheit dazu bietet sich neusterdings direkt neben meinem Hotel (genau: dem mit dem Superzimmer): Wo vor einem halben Jahr noch Büsche sprossen und Vögelein zwitscherten, warten nun 18 Minigolfpisten auf die sportlich interessierte Gaschtig des Hauses.

image
(Die Personen auf dem Bild sind nicht identisch mit jenen im Text.)

Obwohl die metro methr metteo das Wetter mit einer Zweierwindstärke und leichter Bewölkung aus Nordost zur Ausübung einer extrem viel Präzision erfordernden Openairtätigkeit alles andere als ideal war, liess ich mir an der Rezeption einen Schläger, einen Ball und ein Blöckli aushändigen, wobei ich Letzteres, wie mir schon nach dem vierten Loch zu dämmern begann, gar nicht benötigte: Wo kein Gegner ist, ist auch kein Wettbewerb und niemand umewäg, den man mit dem feinsäuberlichen Aufschreiben jedes einzelnen Zwischenergebnisses am Bescheissen hindern müsste.

Foto-6

Abgesehen davon, sagte ich mir, kann ich mir meine Resultate auch so merken (um es vorwegzunehmen: Nach 15 Schlägen blieben mir nur noch einige wenige Hindernisse abzuarbeiten und…aber wenn ich lange genug darüber nachdenke, spielt das eigentlich gar keine sooo grosse Rolle).

Jedenfalls: Während ich zu den Klängen von Tina Turner, Phil Collins und den Dire Straits(!) tiefenentspannt vor mich hinputtete, fiel mir bei gelegentlichen Blicken auf die von Schikane zu Schikane schlurfenden Familien auf, dass Minigolfspieler in grob gesagt drei Typen unterteilt werden können.

Foto-2

Typ A ist der sich junggeblieben wähnende Familienvater, der seinen Lieben jetzt einmal zeigen will, wie das geht. Er gibt noch vor dem ersten Schlag mit voll aufgedrehtem Lautsprecher damit an, wie er in seiner Clique zu seligen Teenagerzeiten zu den ganz kapitalen Minigolfhirschen gehört habe und liegt nach sechs Bahnen schon ziemlich im Rückstand, weil er vor lauter Angst davor, sich vor seiner Frau und dem Sohn zu blamieren, keinen Ball unter fünf Anläufen ins Loch bringt. Und weil er sich ständig darum kümmern muss, dass Typ C (mehr zu ihm gleich) alles richtig macht; “richtig” im Sinne von “genauso wie Typ A”.

Foto-4

Typ B ist die Ehefrau oder Freundin von Typ A. Sie wollte zuerst gar nicht mitspielen und sich lieber ein weiteres Cüpli am Pool genehmigen, liess sich dann aber von ihrem Schatz “nur für eine Runde” überreden (“Das ist Fun, Schnäggli. Wer gewinnt, ist doch ü-ber-haupt nicht wichtig”, hatte der Schatz zu ihr gesagt. Dass er die nächsten 45 Minuten, von Ehrgeiz zerfressen, damit zubringen sollte, über diese “verdammte Scheissbahn” zu fluchen und ihm, dem Schnäggli, zwischen Loch 17 und 18 mit der Trennung drohen würde, wenn es nicht endlich, ENDLICH! “mit diesem einfältigen Gekichere” aufhöre, konnte sie zu jenem Zeitpunkt nicht ahnen).

Foto-3

Typ C ist der Bub von A und B. Er hatte sich auf einen glatten Nachmittag mit den Eltern gefreut und muss jetzt konsterniert feststellen, dass seine Erziehungsberechtigten auch in den Ferien eine ausgeprägte dark side of the seinem Gespür nach sowieso schon lange nicht mehr leuchtend hellen moon haben.

Eigentlich will er jetzt nur spielen und das ganze Gezänke, das er sich vermutlich schon gestern auf dem Weg zum Flughafen (“Zum zehnten Mal: Ja, verdammt! Ich habe die Tickets!!”), dann im Flieger (“Ist ja wohl mein Bier, was und wieviel ich hier oben trinke!”) und zu vorläufiger Letzt auch im Hotel (“Natürlich hats keinen Balkon. Du wolltest es ja so günstig wie möglich haben!”) hatte anhören müssen, vergessen.

Aber jedesmal, wenn er dazu ansetzt, den Ball nach seinem persönlichen Gutdünken nach vorne zu schieben oder zu pfeffern, stellt sich Typ A neben ihn, um die Fuss- oder Schläger- oder Schulterhaltung zu korrigieren und mit bedeutungsschwangerem Unterton zu sagen, hier sei “ein weicher Schlag” oder “nur ein Antüpfen” oder “unendlich viel Gefühl” oder sonst etwas angezeigt, was im Grunde nur er, Typ A, beherrsche.

Nur: Das interessiert den Junior nicht im Geringsten.

Am Ende zählt das Schnäggli zusammen: Es hat 46 Punkte, der Bub 42 und der Papi 61.

Wetten, dass es nicht nur Markus’ Lanzleuten bald langweilig wird?

Nichts – nicht einmal die “historische Pleite” der FC Bayern-Reserven gegen Augsburg – versetzt die Gemüter der Deutschen in Playa del Inglés gegenwärtig mehr in Wallung als das seit gestern Abend absehbare Ende von “Wetten, dass…”.

Ob in der Schlange am Zmorgebuffet, auf den Hockern in der Bar oder auf den Liegen am Pool: Überall ist der nun endgültig besiegelte Untergang des einstigen Flaggschiffs der Fernsehunterhaltung das Thema.

Erfreut klingende Stimmen sind kaum zu vernehmen, ganz im Gegenteil: Zäntume wird das Aus bedauert.

Die Leute hier sagen

“ein bisschen Zeit hättense dem Lanz schon geben dürfen”

oder

“dass der kein zweiter Gottschalk ist, wusste man ja schon vorher”

oder einfach nur

“schade”.

Bildschirmfoto 2014-04-06 um 07.07.57

Das mag einerseits daran liegen, dass der Altersdurchschnitt der Touristen, die Playa del Inglés in diesen Tagen bevölkern, plusminus 50 Jahre betragen dürfte. Diese Leute legen einen gewissen Wert auf Kontinuität.

Das gemeinsame Mörderraten am “Tatort” ist für sie ebenso ein Ritual wie die Zeitungslektüre vor dem Gang zur Arbeit oder die Paarung am Sonntagmorgen um halb Zehn.

Für manche von ihnen zählt die regelmässig in ihren Wohnzimmern auftauchende TV-Prominenz zum erweiterten Familienkreis. Dazu gehört selbstverständlich auch Markus Lanz, der vierte und letzte Moderator von “Wetten, dass…”.

Unzählige Menschen haben den vielgescholtenen und “stahlbetonlockerlässigen” 45-Jährigen genauso bereitwillig “adoptiert” wie schon dessen Vorgänger Frank Elstner, Thomas Gottschalk und viele weitere “Schätzchen” und “Schwiegermutterträume” aus anderen Showsparten, deren Biografien und Geheimnisse sie dank der Hofberichterstatter der “Gala” und der “Bunten” und der “Freizeit Revue” in- und auswendig zu kennen glauben.

Bildschirmfoto 2014-04-06 um 08.17.38

Nun wird der “Charming-Boy, den man nachmittags gerne zu Kaffee und Kuchen” einladen würde, zumindest teilweise vom Bildschirm verschwinden (als Talkmaster bleibt er seinem Fanclub erhalten, obwohl er auch in dieser Funktion alles andere als unumstritten ist, nachdem er ein Gespräch mit der “Linke”-Vorzeigefrau Sarah Wagenknecht zu einem hochnotpeinlichen Verhör ausarten liess).

Einen solch massiven Eingriff in ihre Lebensgewohnheiten empfinden nicht nur Wochenaufenthalter auf den Kanaren als persönlichen Affront.

Bildschirmfoto 2014-04-06 um 08.27.45

“Wetten dass…”: Das ist für sie eine heile Welt mit Pop- und Filmstars aus England und Amerika oder, falls die gerade keine Zeit oder nichts zu verkaufen haben, wenigstens Iris Berben und Peter Maffay.

Das ist für sie Musik, die man vom Radio her kennt, und nicht so Krawallkram wie beim Bohlen, der immer nur pubertierende Verhaltensauffällige demütigt, oder hochgeistiges Zeugs wie diese Literatursendungen auf Arte, bei denen niemand nachkommt.

Bildschirmfoto 2014-04-06 um 07.08.39

Dazu kommt (vermutlich): Wer “Wetten, dass…” schätzt, ist altersbedingt abgeklärt genug, um die Kübel voller Häme, die primär Onlinemedien oft und gerne über Lanz ausschütten, zu übersehen.

Was schlechtrasierte und dauerbekiffte Kretins unbelastet von jedem Promifachwissen im Internet absondern, ist für den kommunen Wettendasser vernachlässigbar, solange die bunten Blätter sauber recherchierte Homestories über seine Idole publizieren.

Die noch verbliebenen “Wetten, dass…”-Zuschauer interessiert nur sehr peripher, ob die einst grösste “Samstagabendkiste” Europas im Laufe der Zeit (und nicht erst unter Markus Lanz) zu einer längstfädigen Dauerwerbesendung mutierte, in der ein Gast nach dem anderen seine neue CD oder ihren neuen Film anpreisen durfte, oder ob der Tätschmeister seinen vertraglich aufs Sofa gefesselten Berühmtheiten Fragen zum Sinn des Lebens stellt.

“Wetten dass…”-Zuschauer wollen zwei, drei Stunden lang von ihrem Alltag abgelenkt und unterhalten werden; nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Diese Zerstreuung wird ihnen ab Mitte Dezember fehlen. Ein adäquater Ersatz ist weit und breit nicht in Sicht.

Unzählige Gewohnheitstiere aus Deutschland (und mit ihnen auch “unsere zugeschalteten Zuschauer aus Österreich und der Schweiz”) stehen deshalb eher früher als später vor einem existenziellen Problem:

Was zum Teufel sollen wir an jenen sechs oder sieben Samstagabenden im Jahr machen, an denen kein “Wetten, dass…” läuft?

(Nachtrag: Ja – Markus Lanz ist gebürtiger Südtiroler und italienischer Staatsbürger. So betrachtet, ist das mit den “Lanzleuten” im Titel dieses Beitrags nur bedingt richtig. Aber ich lasse mir ein Wortspiel sicher nicht durch Fakten kaputtmachen.)

Lichtschrank

Foto 2

Morgens um 4: Im Hotel ist es dunkel.

Im ganzen Hotel?

Nein. Durch die Ritzen meines Kleiderschranks dringt Licht in das Zimmer.

Auch wenn ich noch so lange suche – es gibt keine Möglichkeit, es zu löschen.

Aber egal: Ist ja nicht mein Geld, das da verbrannt wird.

Das swisscommt mir gerade recht

Foto

Ich weiss nicht, wer sich bei der Swisscom um die “kundenspezifische Kommunikation” (oder wie immer diese Geschäftssparte auch heissen mag) kümmert. Es muss sich um jemanden handeln, der über ein ausgeprägtes Gespür für bestehende oder möglicherweise noch auftauchende Bedürfnisse seiner Klientel verfügt. Oder zumindest weiss, wer wann wieso schon einmal die Hilfe des Unternehmens in Anspruch nehmen musste.

Was ich weiss ist: Er oder sie macht seinen oder ihren Job saugut. Mit dem Hinweis, den mir die Swisscom kurz nach meiner Landung in Las Palmas per SMS hat zukommen lassen, traf sie ins Schwarze – wenn auch ein bisschen zu spät.

Denn “Richtiges Verhalten bei einem Handy-Klau in Spanien”: Das ist ein Thema, das auch mich vor nicht allzulanger Zeit auf einmal brennend interessierte.

Grün vor und hinter den Ohren

Foto

Wer mein virtuelles Stübchen hier mit einer gewissen Regelmässigkeit besucht, weiss: Ich neige bisweilen dazu, mich in ein Thema zu verbeissen.

Wenn ich etwas als ganz besonders toll oder oder blöd oder auch ohne besonderen Grund als vertiefenswert erachte, kann ich nicht mehr aufhören, es wieder und wieder wiederzukäuen, bis mir entweder die ersten Blogleserinnen und -leser Mails schicken, in denen wörtlich oder sinngemäss steht, man wisse es jetzt dann langsam, oder bis die Klickzahlen ins Einstellige absacken.

Im Moment chätsche ich am Thema “Hotelzimmer” herum. Gestern Zürich, heute Playa del Inglés, dann London und anschliessend Rom: Da kommt aushäusigübernachtungsmässig allerhand zusammen.

Nachdem es mir gestern in der coolen Minisuite des Radisson Blu im Flughafen Kloten nicht übertrieben wohl gewesen war (was aber nicht unbedingt am Zimmer selber lag), entdeckte ich heute, nur ein paar Kilometer weiter südlich, eine ganz andere Welt: La habitación 245 im “Parque Tropical” in Playa del Inglés.

Gut: Das Bett ist jenen, in denen ich schon bei früheren Kanaren-Aufenthalten genächtigt hatte, nicht unähnlich (für jene, dies immer ganz genau wissen müssen: So sahen die Liegestätten bei der Premiere 2012 aus…

IMG_1244-300x224

…und so präsentieren sie sich dem Gast heute

Foto.

Aber sonst? Kein Vergleich.

Zum Vergleich: Als ich in Zürich aus dem Zimmer trat, bot sich mir diese Aussicht:

Foto-2

Und was erblickten meine vor Freude sofort unkontrolliert tränenden Augen heute Mittag, als ich von meiner kanarischen Unterkunft zum ersten Mal auf den Balkon hinaustrat, waseliwas?

Foto-4

Grün, soweit der Blick reicht, und ganz hinten, fast schon am Horizont, das zartglitzernde Blau des Pools und darüber, einem Baldachin nicht unähnlich, ein wolkenloser Himmel, und das alles bei 30 Grad.

Ausrufezeichen sind in journalistisch gefärbten “Arbeiten” eher verpönt. Trotzdem kann ich vor lauter Begeisterung nicht umhin, den letzten Abschnitt gleich noch einmal zu schreiben, aber diesmal mit der dazu passenden Interpunktion:

Grün, soweit der Blick reicht, und ganz hinten, fast schon am Horizont, das zarte Blau des Hotelpools und darüber, einem Baldachin nicht unähnlich, ein wolkenloser Himmel, und das alles bei gut 30 Grad im kaum vorhandenen Schatten!!!

Tja, liebe Leserinnen und Leser (vor allem der jüngeren Zielgruppe von 6 bis 15): Es kann sich schon lohnen, die Ferien in einem sogenannten “Reisebüro” zu buchen, statt sich im Internet auf die Schnelle und Billige etwas herauszupicken und vor Ort dann, wie zum Beispiel das Pärchen, das vor mir mit einer Mail in der Hand einzuchecken geruhte, festzustellen, dass “mitta Beschdädigung wohl was nicht geklappt” hat, wie der Mann gegenüber seiner Frau nach einer ziemlich endlosen Verhandlung mit dem Fräulein an der Rezeption des bis auf die letzte Besenkammer ausgebuchten Hotels einräumen musste.

Foto-2

Ich hätte die Debatte und, vor allem natürlich, den Moment des Einräumens, nicht ungerne als Fotoserie oder in Filmform für die Nachwelt verewigt, hatte aber Hemmungen, mit der Kamera voll draufzuhalten.

Abgesehen davon will ich ja noch ein Weilchen hierbleiben, wenn ich – im Gegensatz zu gewissen andern Leuten – schon das Glück gehabt habe, ein solches Prachtszimmer mit einer söttigen Wunderaussicht ergattern zu können.

(Nachtrag, gegen Abend: Offenbar hats midda Beschdädigung dann doch noch geklappt. Das Paar bummelt gerade durchs Hotelareal und macht dabei einen rundum glücklichen Eindruck.)