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Schlagwort: Anruf

After midnight

Der Anruf aus der Schweiz kam eher unerwartet: Ob sie störe oder ob ich ein Minütli Zeit hätte, fragte die Frau, worauf ich sagte, bei uns in Kalifornien sei es zwei Stunden nach Mitternacht und ich hätte geschlafen, von daher…, worauf sie sagte, das tue ihr jetzt aber schön leid, das habe sie nicht gewusst, worauf ich sagte, das habe sie ja nicht wissen können, und meinerseits fragte, worum es denn gehe, worauf sie sagte, um den Oberstadtleist, worauf ich beinahe gesagt hätte, der Oberstadtleist heisse nun schon seit einem geraumen Weilchen nicht mehr Oberstadtleist, sondern Altstadtleist, weil er sich nicht mehr nur um die Oberstadt, sondern auch um das Kornhausquartier kümmere, aber irgendwie schien mir, das spiele in diesem Moment keine so grosse Rolle, weshalb ich nur sagte, sie solle es doch später noch einmal probieren, worauf sie fragte, wann es mir denn am besten passen würde, worauf ich sagte, einfach später; die Schweiz sei Kalifornien um 9 Stunden voraus oder umgekehrt, worauf sie sagte, demfall melde sie sich später wieder, worauf ich sagte, das sei in Ordnung, worauf wir das Gespräch beendeten und ich tätschwach im Bett sass.

Also liess ich einen Kaffee in den Kartonbecher tröpfeln und ging nach draussen, vor unser Motel, um meinen Nikotinhaushalt zu regulieren, und nachdem das erledigt ist, höckle ich jetzt, mit dem Laptop auf dem Schoss, vor unserem Zimmer, und stelle mir vor, was für Leute gegenüber leben, was sie hierhergebracht hat und wohin sie morgen wohl weiterreisen werden, und höre gleichzeitig, wie die Eiswürfelmaschine nebenan alle zehn Sekunden oder so einen Eiswürfel ins Eiswürfelfach fallen lässt, und natürlich weiss ich, dass es momentan noch Sinnvolleres zu tun gäbe, als über wildfremde Menschen nachzudenken und Apparaten zu lauschen, aber etwas Sinnvolleres kommt mir gerade beim besten Willen nicht in den Sinn, und deshalb bleibe ich einfach hier sitzen und warte, bis die Sonne aufgeht und wir in Richtung San Diego losfahren.

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„Ha eifach öpper welle frage“

„Grüessech. Hie isch (es folgt der Name einer hörbar älteren Dame). Chöit ihr mir säge, wie dä Tierarzt heisst, wo gschtorbe isch?“

„Leider nid, nei. Sind Sie sicher, dass Sie richtig verbunde sind?“

„Wär isch am Telifon?“

„Hofstetter.“

„Ah. Guet.“

„I weiss aber nid, öbi de Richtig bi für Sie. I ha kei Ahnig, wär gschtorbe isch.“

„Macht nüt. I ha eifach öpper welle frage. Dankeschön.“

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„Ist teurer jetzt, Krankekasse“

nerven

Auf dem Display leuchtet eine 032er-Ziffer auf, doch im Grossraum Solothurn gibt es niemanden, der mich schon um diese Zeit anrufen würde.

Deshalb ahne ich: Da hat wieder einmal ein Nummernwählautomat meine Nummer gewählt, und falls ich darauf reagiere, wird in irgendeinem Callcenter irgendjemand huschhusch sein Headset aufsetzen und mir mitteilen, dass er für das Institut Sowieso eine Meinungsumfrage zum Thema „Krankenkassenprämien“ durchführe und so weiter und so fort, nur: um meine Meinung geht es ihm nicht im Geringsten. Alles, was er will, ist mein Geld.

Aber weil ich gerade nichts Dümmeres zu tun habe, mache ich dem Hotlinesklaven, der möglicherweise schon die ganze Nacht lang eine Abfuhr nach der anderen kassiert hat und der amänd ernsthaft befürchten muss, seinen Job (und infolgedessen auch seine Wohnung samt Familie) zu verlieren, wenn gegen Ende der Schicht nicht doch noch ein Trottel anbeisst, jetzt einmal ein Freudeli und lasse mich auf ein Gespräch mit ihm ein.

„Hofstetter.“

„Hallo?“

„Hofstetter.“

„Hallo. Gute Tag. Spreche mit Herr Hofstetter?“

„Ja.“

„Gut. Ich rufe an für Meinungsumfrage. Mache Meinungsumfrage.“

„Aha.“

„Meine Kollegin Frau (Name unverständlich) hat Ihne geschriebe…“

„…nein, hat sie nicht.“

„Es geht um Krankekasse. Sie wisse sicher, dass die Prämie…“

„…ja…“

„…meine Kollegin Frau (Name immer noch unverständlich)…“

„…nein, hat sie nicht…“

„…darf ich frage, wieviel Sie bezahle Krankekasseprämie?“

„Fragen darf man immer.“

„Danke. Wieviel bezahle?“

„Das geht Sie nichts an.“

„Habe nicht verstande. Wieviel bezahle?“

„Genau richtig viel.“

„Bitte?“

„Genau richtig viel.“

„Viel?“

„Nein. Genau richtig. 1600 Franken pro Monat. Plus Frau, Schildkröten und Hund.“

„Sie habe gehört, dass Prämie gestiege…“

„…ja, das weiss ich.“

„Und? Finde Sie gut?“

„Natürlich. Im Moment finde ich eigentlich alles gut, aber ich weiss auch nicht, warum. Ist einfach so.“

„Ist teurer jetzt, Krankekasse. Werde teurer. Viel teurer. Wir mache Umfrage.“

„Das habe ich verstanden. Ihre Kollegin hat mir deswegen ja schon nicht geschrieben.“

„Bitte?“

„Nichts.“

„Ich rufe an wegen Krankekasse. Prämien werde teurer. Anfang Jahr.“

„Wirklich? Das höre ich jetzt zum ersten Mal.“

„Was sage Sie?“

„Ich finde das gut. Das habe ich schon Ihrer Kollegin gesagt.“

„Bitte?“

„Egal.“

„Gut?“

„Was, gut?“

„Krankekasse. Prämien koste teurer.“

„Super. Dann verdiene ich mehr Geld.“

„Warum?“

„Ich arbeite bei einer Krankenkasse.“

„Oh.“

„Ja. Und zwar bei der Krankenkasse, die am meisten aufschlägt von allen.“

„Oh. Das ist…das habe ich…“

„…schön, nicht?“

„Sind Sie interessiert…“

„Ich glaube nicht, nein.“

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Höchst airfreulich

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Im sehr gut besetzten Feierabendzug ab Olten liess ich gestern mein iPad air liegen. Eine Stunde später rief mich eine mir unbekannte Frau an: Sie sei Zugbegleiterin und habe zwischen Olten und Langenthal – wo ich ausgestiegen war – „ein E-Book oder etwas Ähnliches“ gefunden; ob das wohl mir gehöre. Ich sagte, ja, wenn es in einer schwarzen Mappe mit einem silbrigen Aufdruck stecke, sei das tatsächlich mein iPad. Daraufhin sagte die Frau, sie sei jetzt gerade im Hauptbahnhof in Bern. Sie gebe das Gerät gleich am Schalter ab; dort könne ich es heute noch abholen gehen.

In der Schalterhalle in Bern standen Dutzende von Menschen herum, die, mit einem Nümmerli in der Hand, ungeduldig darauf warteten, bedient zu werden. Ich fragte einen jungen Mann in SBB-Uniform, der zufällig in der Nähe war, ob er kurz Zeit habe, und erzählte ihm meine Kurzgeschichte. Der Mann versprach, sich der Sache anzunehmen, und verschwand.

Zehn Minuten später war er wieder bei mir, mit dem iPad in der Hand. Umständelos händigte er es mir aus. Er wollte nicht einmal einen Ausweis oder so sehen, um zu prüfen, ob ich auch wirklich der rechtmässige Besitzer des Tabletts sei.

Falls die Zugbegleiterin und der flotte junge Schalterhallenherr das hier zufällig lesen sollten: Vielen, vielen Dank nochmals!

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