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Schlagwort: Drums

Das totole Musikvergnügen

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Vier reguläre Konzert-Alben veröffentlichten Toto in 34 Jahren: „Absolutely live“, „Mindfields“, „Live in Amsterdam“ und „Falling in between live“. Dazu kamen mit „In Concert in Vina del Mar“ und „Toto & Friends“ zwei halboffizielle Dokumente ihres Bühnenschaffens.

Nun haben die mehrfachen Grammy-Gewinner aus Los Angeles mit „35th Anniversary – Live in Poland“ einen weiteren Auftritt für die Nachwelt konserviert. Da kann man sich – sofern „man“ nicht gerade der grösste Toto-Fan nördlich und südlich von Sydney ist – natürlich fragen: War das nötig?

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Die Antwort lautet (Überraschung!): Aber klar doch! Und wie nötig das war!

Und zwar nicht nur für Toto, die sich und ihren Jüngern und Ältern damit ein perfektes Geschenk zu ihrem Bandjubiläum machen. Die Scheibe ist auch ein tolles Lehrstück für all jene, welche – aufgewachsen mit Klängen aus dem Computer und ihrem Lokalradio „mit allne Hits us de 80er und 90er und em Nöischte vo hütt“ – glauben, Musik sei etwas, was automatisch passiere, per Mausklick und auf Knopfdruck; einfach so.

Sie merken spätestens nach „On the run“ und „Goin‘ home“, den ersten Songs auf „35th…“, dass Musik nur dann eine Kunst ist, wenn sie möglichst nichts Künstliches an sich hat. Wenn sie lebt und vibriert und tätscht und chlöpft und streichelt und schmeichelt. Wenn sie einen mit schweissnassen Händen packt und durchschüttelt und erst wieder loslässt, wenn sie verstummt (oder auch nicht; im besten Fall klingt sie auch in völliger Stille noch stundenlang nach).

20 Perlen aus drei Jahrzehnten präsentierten Joseph Williams (Gesang), Steve Lukather (Gitarre und Gesang)), David Paich (Piano und Gesang), Steve Porcaro (Keyboards), Nathan East (Bass) und Simon Phillips (Schlagzeug) an ihren Geburtstagsfeierlichkeiten, die sie im letzten Juni auch nach Zürich geführt hatten.

Und das Erstaunlichste daran ist: Keines dieser Schmuckstücke überstrahlt das andere. Die ganz grossen Hits wie „Africa“, „Rosanna“ oder „Hold the Line“ durften an der Party zwar naturgemäss nicht fehlen. Im Gegensatz zu früheren Konzerten, an denen sie oft wie Leuchtbojen in einem durch endlose Soli aufgewühlten Ozean bei Nacht wirkten, sind sie jetzt jedoch Teile eines stimmig wirkenden grossen Ganzen. „Kleinere“ Nummern wie „Pamela“, „Home of the Brave“, „White Sister“, „99“, „Better World“ oder „Stop lovin‘ you“ schwimmen gleichberechtigt neben den drei Giganten, statt von ihnen unter Wasser gedrückt zu werden.

Das freut nicht nur die über den ganzen Globus verstreute Fangemeinde. Sondern auch Angehörige der schreibenden Zunft, die Toto bisher bloss mit spitzen Fingern anfassten oder gleich in die Schublade mit der Aufschrift „Überperfektioniert und glattpoliert“ legten, weil sie mit den Zahlen, die Toto im Laufe ihrer Karriere aufeinandergetürmt haben, nichts anfangen können: An rund 5000 Alben – darunter „Thriller“ von Michael Jackson, der meistverkauften Platte aller Zeiten – waren Toto-Mitglieder als Studiomusiker beteiligt. Dafür wurden sie für über 200 Grammies nominiert. Weltweit haben die Kalifornier 35 Millionen Alben verkauft.

Wer mag, soll mit Blick auf dieses Palmarès nun von „Fliessbandarbeit“ sprechen. Oder vor diesen Leistungen den Hut ziehen und für immer schweigen.

Was „35th Anniversary…“ betrifft, sind sich die Kritiker – zum ersten Mal seit dem Über-Werk „IV“ – mehrheitlich einig: Hier liegt sowohl als CD als auch als Blue-ray und DVD ein Meisterwerk vor:

„Die Band strotzt nur so vor Energie, Spielkultur, Leichtigkeit, Homogenität und Vitalität und liefert ein in allen Belangen 1A-Konzert ab, das vor allem auch Wärme, Spass und Freude vermittelt.“

(Rockszene.de)

„A tour de force, amazing music.“

(Getreadytorock.me.uk)

„…eine Gruppe, die an Groove, Zusammenspiel und Perfektion kaum zu toppen ist, aber dabei so viel emotionale Tiefe vermittelt wie selten zuvor.“

(Rocks)

„Technisch auf höchstem Niveau rocken, smoothen und poppen sich die Jungs durch ein umfangreiches Set, das alle Hits enthält, lassen aber nie die Leidenschaft in ihrem Bühnenacting vermissen.“

(Rock’n’Roll-Reporter.de)

„Playing to a massive, standing-room-only crowd in Lodz, Poland, a lineup featuring Steve Lukather, Steve Porcaro, David Paich, and Joseph Williams take to the stage to deliver a stellar performance for their ecstatic fans.“

(allmusic.com)

„Musikalisch betrachtet gibt es nichts zu meckern. Das darf nicht verwundern angesichts der Tatsache, dass die Musiker in der ‚Musician’s Hall of Fame‘ vertreten sind. Ein Steve Lukather wird seinem Ruf als einer der besten Gitarristen gerecht, stellt sich aber immer songdienlich in den Dienst der Band. Das Tasten-Duo besticht durch Spielfreude und spielt sich die Sound-Bälle nahezu blind zu. Die Rhythmus-Fraktion mit den beiden Routiniers Phillips und East sorgt für einen Groove, der seinesgleichen sucht.“

(Hooked-on-music.de)

„Die Herren wissen längst, wie sie ihr Publikum von der ersten Sekunde in den Bann ziehen. Musikalisch ist Toto sowieso über jeden Zweifel erhaben. Das ist Mainstream-Rock auf höchsten technischem Niveau.“

(Rock-Jazz-Pop.com)

„This is a band at ease with itself, enjoying the music, playing for the love of one another and the legacy they’ve created together.“

(Somethingelsereviews.com)

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Die Geschichte wiederholt sich

So war das damals, als Abba vom 27. Februar bis am 13. März 1977 Australien besuchten: Der ganze Kontinent stand Kopf.

Und nun, 35 Jahre später, freuen sich die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Landes offensichtlich genauso hibbelig auf die nächste Visite eines musikalischen Quartetts aus dem für sie sehr hohen Norden.

Es ist ein bisschen wie mit dem Hasen und dem Igel: Wo auch immer man hinkommt – eine Bäng Gäng-Kappe ist schon da. Sei es in gemütlicher Runde im Garten,

am Strand

oder sonstwo:


(Bild: Schatz)

Die Partyband aus der Schweiz scheint Down Under omnipräsent zu sein. Oder, um eine schöne Zeile aus „Waterloo“ zu zitieren: „The history book on the shelf is always repeating itself.“

„Du willst jetzt nicht ernsthaft Abba, die weltweit über 300 Millionen Platten verkauft haben, mit einer Hobbytruppe vergleichen, die…äh…“, wirft eine Stimme im Hinterkopf ein.

„Und ob ich das will!“, schleudere ich ihr entgegen, und zähle aus dem Stand nur die drei wichtigsten Argumente dafür auf, dass Anja Stöckli (Gesang), Gavan Hancock (Gitarre), Stefan Haller (Bass) und Urs Hofstetter (Schlagzeug) Down Under demnächst bald in absehbarer Zukunft irgendwann ein ähnlicher Triumphzug bevorsteht, wie ihn Agneta Fältskog, Annifrid Lyngstad, Benny Andersson und Björn Ulvaeus seinerzeit absolvierten.

1) Bäng Gäng besteht, wie Abba, aus vier Personen.

2) Bäng Gäng arbeiten beim Komponieren, wie Abba, mit zwölf Tönen.

3) Bäng Gäng haben einen Sänger, der aus Australien stammt.

4 (als Zugabe): Für manche Australier sind die Schweiz und Schweden Hans was Heiri.

5 (als letzte Zugabe): Im Gegensatz zu Abba können Bäng Gäng bei der Planung der Operation „Aussie-Storm“ persönliche Beziehungen spielen lassen. Der Brüetsch und die Schwägerin des Drummers sind vor Ort fast ununterbrochen damit beschäftigt, die Werbetrommel für „The Argovian Pehenomenon“ zu rühren. Und noch bevor die PR-Arbeit im Grossraum Sydney ganz abgeschlossen ist, lässt sich sagen: Australien ist bereit.

So move you asses over here!

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