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Herdentrieb

Herdentrieb

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All die Leute, die am Samstagabend im Flughafen von Las Palmas auf Gran Canaria auf den Flug AB2087 nach Zürich warten, haben ihre Plätze im Flieger auf sicher. Sie (sollten eigentlich) wissen: Die Maschine verlässt diese Insel erst, wenn alle Gäste an Bord sind. Niemand bekommt einen besseren Sitz als den, der auf dem Ticket vermerkt ist, weil er es früher als die Konkurrenz in den Jet schafft.

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Einstiegszeit ist um 17.05 Uhr. Eine halbe Stunde vorher sitzen schon Dutzende von Passagieren auf unbequemen Plastiksesseln und warten ungeduldig darauf, das Flugzeug stürmen zu können.

Um 16.50 stellt sich ein Mann vor den Schalter. Andere Wartende folgen seinem Beispiel. Minuten später hat sich hinter dem Mann eine lange Schlange gebildet, obwohl der Schalter noch nicht einmal besetzt ist.

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Halbkurz darauf liefern die Reisenden gleich noch einen – wenn auch längst überflüssigen – Beweis dafür, dass der Mensch zu den Herdentieren zählt: Nachdem die Maschine zum Stillstand gekommen ist, lösen alle miteinander die Sicherheitsgurten und schnellen, so gut es in dem Gedränge halt geht, auf, um ellbögelnd ihre Köfferchen und Täschli aus den Boxen über den Sitzen zu holen.

Nichts geht mehr, weder vorwärts noch rückwärts, und jeder flucht über den anderen und fragt sich, wieso das mit einem zügigen Aussteigen einfach nie klappt.

Jeden Tag im Puff

Jeden Tag im Puff

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Vermutlich ist das die Erklärung dafür, dass auf diesem Planeten nie Ausserirdische landen: Wenn sie in ihren Ufos über uns kreisen und nach unten gucken, sehen sie nur mit Erdlingen zugestellte Flächen.

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Besonders abschreckend muss der Blick auf den Berner Bahnhof wirken: Kurz nach Tagesanbruch ist dort kaum ein Durchkommen mehr. Ob unter- oder oberdisch: Überall trampen sich die Leute auf den Füssen herum.

Wenn sie es endlich aus dem Gebäude geschafft haben, geht das Gstungg weiter, beim Warten auf den und beim Fahren im Bus…und wenig später erneut auf dem Weg zum Bahnhof, auf der Rolltreppe, in den Aufgängen zu den Geleisen, auf den Perrons und in den Zügen.

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Am Feierabend dann, im 16.38-Doppelstöcker zurück nach Burgdorf, hat man, oben auf der quasi stufenlos besetzten Treppe ausharrend,

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chli Zeit, um darüber nachzudenken, wie man dem alltäglichen Puff im öffentlichen Verkehr abhelfen könnte.

Kurz nach Lyssach ist das – Achtung, Politikerspeech! – Massnahmenpaket geschnürt:

– Schliessung sämtlicher Gewerbeschulen
– Bahn- und Busverbot für alle Dächlikappenträger mit mehr als zwei Pickeln im Gesicht,
– Mitfahrgelegenheiten für Rentner nur zwischen 10 und 15 Uhr,
– Auslagerung von XXL-Kinderwagenschiebenden, Gehbehinderten und Familien mit mehr als einem Kind in separate Anhänger plus
– Fünfminutentakt auf dem gesamten Schweizer Schienennetz.

Kaum ist der Zug in Burgdorf eingefahren, kämpft man sich mit längst routiniertem Ellbogen- und Knieeinsatz aus der nach Schweiss, Kebabsauce und Mottenkugeln stinkenden rollenden Hölle ins Freie, geht durch die Bahnhofunterführung, registriert aufatmend, wie sich die Menschen an deren Ende in alle Richtungen verteilen, bummelt entspannt hinüber zum Busterminal, wartet auf den 461er zum Kronenplatz, steigt ein…und bekommt bestätigt: So gemütlich wie in Burgdorf ist es nördlich von Australien nirgendwo sonst auf der Welt.

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