Hauptsache, Hof

Weil mein Name im Bernbiet nicht übertrieben geläufig zu sein scheint, heisse ich für die Leute immer mal wieder anders: Hostettler, Hofstettler, Hofstätter, Hofstetten – alles schon dagewesen. Und alles halb so wild.

Aber wenn ich auf einem handschriftlich adressierten Couvert zur Hochzeit “Hofmann” genannt werde…dann muss ich sagen: Du (ja: Ich bin mit der Absenderin jetzt angenehm weit aussen verwandt und Duzis) hättest mir lieber gar nichts geschickt als etwas, mit dem du zwar freudige Anteilnahme vorspielst, aber halt doch nur totales Desinteresse zeigst.

A-Erlebnis

Jahrelang thronten A-ha in meiner Musiksammlung ganz oben, dicht gefolgt von Aaron Neville und Abba.

Aber nun ist das längst aufgelöste Trio aus Schweden nach unten gerutscht: Es musste seine Position zugunsten einer Band namens A räumen.

Wie A klingen? So:

Entdeckt habe ich sie durch meinen Schreibkollegen Lukas Heinser. Er hat A in seinem Blog “Coffee and TV” eine richtige kleine Liebeserklärung gewidmet. Die hat mich so gwundrig gemacht, dass ich gleich 15 Franken fürs Herunterladen von “Hi-Fi Serious” investierte.

Jetzt habe ich nicht nur eine tolle Scheibe mehr in meiner Melodien-Datenbank. Jetzt ist auch der Spitzenplatz in meiner Playlist für immer vergeben; jedenfalls, solange für den Anfang des Alphabets kein neuer Buchstabe erfunden wird.

Das Kreuz mit dem Plakat

Ich kanns natürlich nicht beweisen. Aber ich gehe davon aus, dass in diesen Wochen sehr viele Leute vornehmlich damit beschäftigt sind, Zeitungen und Online-Medien nach Texten über ihre Lieblingspartei und deren Exponenten abzuklopfen. Wer etwas findet, faxts oder mailts umgehend an Gleichgesinnte weiter.

Irgendjemand muss bei dieser Suche gestern auf diesen Text gestossen sein (und damit auch auf den hier). Kaum hatte er oder sie ihn gelesen, kopierte er den Link empört in eine Mail, gab in der Adresszeile seine komplette Kontaktliste ein und drückte so beherzt auf “Weiterleiten”, dass sich die Frau in der Küche erschrocken fragte, was im zweiten Stock wohl gerade so getätscht habe.

Nachdem jeder Empfänger den Beitrag seinerseits in seinem Bekanntenkreis gestreut hatte (“Lieber Karl. Das habe ich gerade im Internet gefunden. Schaus dir mal an. Ich find das einfach nur schlimm!!!”), liefs in meinem virtuellen Postfach auf einmal rund.

Hier sind ein paar Auszüge:

– “Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie mit solchen Texten die Gefühle von sehr vielen Menschen verletzen?”

– “Was hat Moses Ihrer Ansicht nach mit den Eidg. Wahlen zu tun?”

– “Von mir aus können Sie sich gerne über die FDP oder die SVP mit ihren Auswanderungsplakaten (sic!) lustig machen, aber lassen Sie die CVP in Ruhe!”

– “Sie haben nicht verstanden, um was es geht. Das ist vermutlich eine Frage des Alters.”

– “Einfältiges Geschreibsel.”

– “Machen Sie auf Kosten anderer nur weiter Witze aus der untersten Schublade. Es kommt der Tag, an dem man über Sie lacht.”

– “Hoffentlich werden sie eingeklagt.”

– “Leute wie sie schaden unserer Demokratie.”

– “Wenn das in einer Zeitung stehen würde, müsste ich mich wirklich aufregen. Aber diese “Blogs” liest ja zum Glück niemand.”

So ging das, bis weit in die Nacht hinein. Insgesamt erhielt ich auf die paar Zeilen über das CVP-Plakat 34 solche und artverwandte Reaktionen plus eine normale Zuschrift. Letztere deponierte ein Leser unter Angabe seines richtigen Namens in den Kommentaren. Die restliche Fanpost wurde mir von vermutlich extra für solche Zwecke angelegten Tarnadressen aus zugestellt. Name, Vorname, Wohnort? Chasch dänke.

Bei der Lektüre der Leserbriefe hatte ich ein merkwürdiges Déjà-lu. Etwas Ähnliches ist mir schon wegen eines Beitrags über den Auftritt einer Mundart-Sängerin in den Hochalpen passiert. Auch damals fluteten entsetzt-empört-fassungslose Leserinnen und Leser meinen Online-Briefkasten – und auch damals hielt es niemand für nötig, unvermummt zu dem zu stehen, was er oder sie denkt.

Ich weiss wirklich nicht: Was zum Teufel hindert jemanden, der jemand anderem seine Meinung sagt, daran, zu eben dieser Meinung zu stehen? Wie diskutieren diese Leute, wenn sie sich unter anderen Menschen befinden? Ziehen sie sich eine Kapuze über den Kopf, wenn sie an der Gemeindeversammlung aufstehen, um etwas zu sagen? Reden sie am Telefon mit verstellter Stimme?

Oder diskutieren diese Leute nie, wenn sie sich unter anderen Menschen befinden? Bleiben Sie an der Gemeindeversammlung sitzen? Reden Sie am Telefon nur über das Wetter?

Wer weiss: Vielleicht ist das, was sie hier – und zweifellos auch in zig anderen Medien – absondern, gar nicht ihre eigene Meinung. Im besten Fall plappern sie nach, was ihnen jemand vorgekäut hat. Im schlimmsten Fall ist diesen Schreibhooligans gar nicht an einem Gedankenaustausch gelegen.

Sondern nur daran, chli in der Gegend herumzubislen und darauf zu hoffen, dass es irgendjemanden preicht.