Klar ist hier noch frei!

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(Bild-Copyright: Lee Sklar, ab Facebook)

Ich stelle mir gerade vor, wie das wäre: Man sitzt in einem Konzert, neben einem sind noch ein paar Stühle frei, aber kurz, bevors losgeht, hört man am Ende der Reihe Leute, die „Sorry…“, „Sorry!“, „Äh…“, „Excuse me, please“ und „Are these places still available?“ murmeln, und die Stimmen kommen immer näher, und dann sind die Leute da, und man will schon aufstehen, um sie durchzulassen, aber dann bleiben sie da und gucken auf einen herunter, und dann merkt man, dass die Frage, ob hier noch frei sei, an einen selber gerichtet war, und gedankenverloren sagt man „Yes“, und dann machen es sich die neuen Nachbarn so gemütlich, wies auf solchen Sitzen halt geht, und als als man sie kurz, bevor das Licht in der Halle aus- und das auf der Bühne angeht, noch genauer anschaut, stellt man fest, dass neben einem die Mitglieder von Toto sitzen und bekommt vor lauter Freude einen Herzinfarkt und liegt Sekunden später tot im Saal, aber das Letzte, was man auf dieser Erde gesehen hat, war die beste Band der Welt, und das wäre, finde ich, kein schlechter Abgang.

Neue Gespielinnen für Zeus

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Woran sie gestorben ist, wissen wir nicht. Eines unschönen Tages vor ein paar Wochen lag Hera, das eine unserer zwei griechischen Landschildchröttli, regungslos und schon ein bisschen seltsam riechend in ihrem Chischtli. Alle Wiederbelebungsversuche waren umsonst. Wir haben die Kleine an einem geheimen Ort begraben und ihr ein Löwenzahnblatt mit auf den letzten Weg gegeben.

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(Bild: Schatz)

Zeus, ihr Partner, war daraufhin ganz alleine – aber jetzt hat er wieder Gesellschaft: Gestern Abend zogen Hora und Leda bei ihm ein. Das Trio versteht sich schon glänzend.

Die beiden Neuzuzügerinnen in „unserem“ Gärtli stammen, wie Zeus, aus dem Stall von Andrea Lüthi. Sie sind ein Jahr älter und ein paar Gramm schwerer als er, klopfen ebenfalls gerne einen Differenzler und mögen Filme, in denen Panzer vorkommen.

Kleiner Irrtum

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Erst dachte ich, im Wald an der Emme habe jemand einen Zivilschützer lebendig begraben wollen und vor lauter Aufregung vergessen, auch dessen Helm zu verbuddeln.

Beim genaueren Hinsehen stellte sich dann heraus: Es handelte sich nur um einen kleinen Grill, der von wem auch immer warum auch immer am Wegesrand liegengelassen worden war.

Die Rückkehr des Vertrauten

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Es ist schon seltsam: Jahrhundertelang machten sich die Menschen von Hand Notizen, wenn sie sich etwas merken wollten. Dann kamen die Smartphones mit ihren „To do“-Apps und eingebauten Diktiergeräten und allem, und wer noch ein Notizbuch mit sich führte, galt von heute auf morgen als hoffnungslos out of stile.

Aaaaber: Seit Kurzem gibt es Handyhüllen, die exakt wie ein Notizbuch gestaltet sind. Sie verkaufen sich – wie einst die berühmten warmen Weggli – fast wie von alleine.

Dasselbe Phänomen lässt sich in der Unterhaltungsbranche bestaunen: iTunes, der grösste Marktplatz für digitale Musik, bietet Alben in Langspielplattenqualität an, und wer glaubt, dass „die Leute“ nur noch „World of Warcraft“, „Grand Theft Auto“ und Artverwandtes spielen, irrt.

Längst können auch Super Mario, Pacman und unzählige weitere harmlose Zeitvernichter aus den 80er Jahren heruntergeladen werden. Schach, Schiffliversenken, Halma, Scrabble, Pingpong, Darts oder Billard: es ist alles da; oft sogar gratis und in einer Qualität, die jener der Originale verblüffend nahe kommt. Sogar der gute, alte Flipperkasten lässt sich mühe- und kostenlos aufs Tablet installieren.

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Foto-Apps liefern Bilder, die auch von einer antiken Hasselblad oder einer jener Ritschratsch-Sofortkameras stammen könnten, die in der Vor-Selfiestick-Aera – also: weit zurück im letzten Jahrhundert – in jedem Hosensack steckten.

Es scheint, als ob sich die Gesellschaft je heftiger an Liebgewonnenes und Bewährtes klammert, desto elektronischer die Welt um sie herum wird.

Das ist, irgendwie, nicht nur für Nostalgiker ein schöner Gedanke.

Frohes Vorurteileversenken

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Von Aijdan und Jussuf bis Mohammad und Zimallah: Seit ein paar Wochen lerne ich billardspielend den Mittleren und Nahen Osten kennen (wobei: Zimallah war dem Gsühn auf seinem Profilbild nach eher ein Inder, aber egal. Rechts von Gais AR gibts jedenfalls so gut wie niemanden mehr, mit dem ich auf der App „8 Ball Pool“ nicht schon eine mal mehr und mal weniger ruhige Kugel geschoben hätte).

Gegen wen auch immer ich haushoch gewinne oder – was bei diesem Wetter ja vorkommen kann – um die berühmte Haaresbreite verliere: Meine arabischen Gegner Partner verabschieden sich am Ende immer mit einem freundlichen „Danke“, „Viel Glück!“, „Gut gespielt“ oder einem anderen Gruss, den wir Ballartisten und -artistinnen uns über die eingebaute Chat-Funktion zukommen lassen können.

Ganz andere Erfahrungen mache ich mit Jim, Rüdiger, Peter uswusf. aus den Juu-Ess-Ei, Deutschland, der Schweiz und anderen Hochentwicklungsländern: Sie versuchen ihr Vis-à-vis am virtuellen Tisch mit hämischen „Ha-Ha“s und „Höh-Hö“s zu dämon deodo demohr schleissen, aber in solchen Fällen denke ich jeweils nur: Not with me/nicht mit mir/chasch dänke/ und lasse die schwarze Acht grad äxtra gaaaanz langsam und über drei statt nur zwei Banden ins letzte Loch kullern.

Was ich damit sagen will, weiss ich, ehrlich gesagt, nicht (und zum Darübernachdenken fehlt mir die Zeit; Samir wartet mit dem Queue bei Fuss).

Fest steht aber ganz bestimmt irgendetwas, und wenns nur ist, dass man selbst bei einem simplen Computerspiel das eine und andere Vorurteil aus dem Handgelenk vom Tisch fegen kann.

Ulysse

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Wenn Gott in zigtausend Kilometern Höhe sein unfassbar grosses schwarzes Tuch über die Toscana spannt und am Ende ein paar Handvoll Diamanten darüberstreut, wenn in den terrakottafarbenen Häuschen auf den Hügeln nach und nach die Lichter ausgehen und sich unten im Tal das gigantische Grillenorchester auf ein weiteres Zwölfstundenkonzert einstimmt, treffen sich die Ziegen aus der Region regelmässig am Rand einer von Bäumen und Sträuchern umrandeten Wiese.

Kein Mensch hat diesen Platz je betreten. Kein Raubtier weiss, dass es ihn gibt. Mitten auf dem Feld hat vor Urzeiten eine ganz besonders geschickte Geiss einen Pfosten in den Boden gerammt. Daran hängt ein verwittertes Schild mit der kaum noch lesbaren Aufschrift „Es wird nicht gemeckert!“. Die Tiere nennen das Feld den „Platz der Stille“.

Würde man diese Versammlungen bei Tageslicht aus der Luft fotografieren, sie sähen aus wie ein aus Millionen von Wollresten zusammengenähter braunschwarzweisser Teppich ohne Anfang und Ende. Zu Hunderten liegen Wiederkäuer aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten in diesen Nächten, die Hinterhufe weit von sich gestreckt, um ein Feuer beieinander, kauen entspannt von dem saftigen Gras, das nur hier wächst, lecken ab und an ein paar Tropfen Wasser aus Hörnern, die einst die Köpfe ihrer Ahnen geschmückt hatten, und unterhalten sich in gedämpftem Ton über Dinge, die sie gerade beschäftigen: Wo gibt es das feinste Futter? Was hältst du von diesem neuen Bartpflegemittel? Hat dein Bauer beim Melken auch so kalte Hände?

Und irgendwann…irgendwann murmelt eine der Teilnehmerinnen ganz bestimmt seinen Namen. „Ulysse“: Dieses eine Wort genügt, um die Herde schlagartig verstummen zu lassen.

Ulysse ist – für all jene, die noch nie die Ehre hatten, einer dieser Konferenzen beiwohnen zu dürfen – eine Legende. Um ihn ranken sich mehr Sagen als um jedes andere Tier in Italien; darin inbegriffen die Wölfin, die Romulus und Remus solange gesäugt hatte, bis sie stark genug waren, um in wenig mehr als einem Tag eine komplette Stadt samt Kolosseum und allem zu erbauen.

Ob Ulysse lebt und wenn ja: wo, ist in Ziegenkreisen umstritten. Die Älteren sind felsenfest davon überzeugt, dass es sich bei ihm um ein Wesen aus Fleisch und Fell handelt. Die Gitzi hingegen sind da skeptischer. Für sie ist er nicht mehr – aber auch nicht weniger – als eine Märchengestalt oder ein Phantom. Einige haben ihn schon gegoogelt, mussten aber feststellen, dass das Internet nichts über ihn hergibt. Es ist für die Kleinen also höchst unwahrscheinlich, dass er existiert.

Nur: Ulysse gibt es tatsächlich. Er wohnt im „Vecchio Imposto“, einem wunderschönen Agriturismobetrieb, in Massa Marittima, zusammen mit einem Ehepaar, einer Katze und Gästen, die in dem grossen Haus neben seinem Stall ihre Ferien verbringen. Ulysse ist 16-jährig und damit ein Methusalem. Eine durchschnittliche Ziege wird zwischen 12 und 15 Jahren alt.

Wenn es regnet, bleibt er in der Hütte. Aber sobald die Sonne scheint, öffnet Geraldina, die Chefin des Hofes, die Türe zu seinem Zimmer und führt ihn süüferli – auf seinen vom Alter verkrüppelten Beinchen kann Ulisse kaum noch gehen und stehen – in den Garten vor dem Haus. Dort bindet sie ihn mit einem langen Seil unter einen Baum und lässt ihn mit ein paar Salatblättern, Olivenzweigen und Früchten als Proviant seinen Lebensabend geniessen.

Einen grossen Teil des Tages verbringt der Bock dösend. Doch sobald jemand an ihm vorbeigeht und ihm ein „Ciao, Ulysse!“ zuruft, ist er hellwach. Dann stakst er ein paar Schrittchen auf den Besucher zu, um ihn mit seinen Glubschaugen zu mustern. Ulysse war zwar nie an einem Treffen auf dem „Platz der Stille“ (was womöglich einiges zu dem Mythos, der ihn umweht, beiträgt). Dennoch hält auch er sich strikte an die goldene Regel seines Gefolges: Gemeckert wird nicht.

Vor einer Woche stand vor Ulysse auf einmal ein Hund. Unsere Meite, die uns erlaubt hat, sie in ihre Italien-Ferien zu begleiten, nahm es wahnsinnig wunder, was für ein Geschöpf sich im Grünen vor ihrer Unterkunft tummelt. Kurzentschlossen gesellte sie sich zu Ulysse, umrundete ihn wie ein Hai einen blutenden Delfin und bellte ihn lautstark an. Ulysse schaute dem ungestümen Treiben eine Weile lang zu. Dann erhob er sich majestätisch, senkte den Kopf und signalisierte Tess: „Bis hierher und nicht weiter.“

Unser Hund verstand, wie immer, beinahe auf Anhieb. Wenig später lag Tess ruhig vor Ulysse. Inzwischen sind die beiden Freunde geworden. Der Hund besucht den Geissbock, so oft es geht. Am frühen Morgen erschnuppert sie vor seinem Verschlag, ob er schon wach ist. Wenn ja, wünscht sie ihm freudig wedelnd einen schönen Tag. Wenn nein, lässt sie ihn weiterschlafen.

Im Moment, in dem ich das schreibe, liegen die beiden vis-à-vis unter einem Baum. Ulysse grast, Tess kaut auf einem Knochen herum. Zwischendurch scheinen die zwei Tiere unhörbar miteinander zu kommunizieren.

Wer weiss: Vielleicht verrät Ulysse Tess soeben den geheimen Ort der Ziegentreffen. Und empfiehlt ihr, auf den Stummeln seiner Stockzähne grinsend,doch einmal dort vorbeizuschauen.

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Fuckin‘ fantastisch

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Sie ist, einerseits, „eine Diva mit fast übermenschlicher Stimme„, eine „Königin“ oder „der allerletzte wahre Star„, heimst vom Oscar bis zum Grammy Preise am laufenden Band ein und zählt mit über 100 Millionen verkauften Platten zu den erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart.

Andrerseits: Wenn Adele Laurie Blue Atkins, wie gestern Abend während ihres Konzerts im rappelvollen Zürcher Hallenstadion, einen mit zahllosen „Fuckin’s“ gespickten Schwank aus ihrem Leben erzählt (was sie ziemlich oft tut), wirkt sie wie eine Arbeitskollegin, die beim Feierabendbier ein Glas zuviel erwischt hat.

Dieser Kontrast irritiert ebenso, wie er fasziniert. Sie singt, als ob sie ein Wesen von einem anderen Stern wäre – und scheint die Bodenhaftung trotz des gigantischen Rummels, der rund um den Erdball spätestens seit ihrem sagenhaften Comeback-Album „25“ um sie veranstaltet wird, nicht verloren zu haben.

Adeles Auftritt ist von baffmachender Makellosigkeit. Von „Hello“ – ihrem Über-Hit, mit dem sie den Abend eröffnet – über das atemberaubende „Skyfall“ bis hin zur letzten Zugabe „Rolling in the deep“ sitzt jeder Ton.

Unter einer monumentalen Leinwand begleitet eine blind harmonierende zwanzigköpfige Band mit Gitarristen und Schlagzeugern und Streichern und Bläsern und Backgroundsängerinnen und allem druckvoll, was die Chefin auf der vierzehn mal fünfzig Meter grossen Bühne – sie erinnert entfernt an einen überdimensionierten Schminkspiegel –  in ihrem mit Strass verzierten bodenlangen dunklen Kleid vorträgt.

Kostümwechsel (wie bei Madonna, Lady Gaga und anderen Mitbewerberinnen) gibt es keine. Auch auf aufwändige Choreografien, Feuerwerk und artverwandte Ablenkungsmanöver haben die Showgestalter der Show verzichtet. Dafür gönnen sie den 13 000 Zuschauerinnen und Zuschauern nach einem bombastischen Auftakt im musikalischen XXL-Format eine kurze Atempause mit einem fast schon intim wirkenden akustischen Teil. Wenig später steht Adele mitten in der Halle auf einen kleinen Bühne und lässt sich zu „Set fire to the rain“ verregnen, ohne nass zu werden.

Der Trick passt wunderbar in diesen durch und durch magischen Abend.

Stadtrundgang

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Im Coop: „…und dann hätte ich noch gerne ein paar Abfallgebührenmarken.“
„Die gibts in der Drogerie.“

In der Drogerie: „Ich hätte gerne ein paar Abfallgebührenmarken.“
„Die gibts im Kiosk.“

Im Kiosk: „Ich hätte gerne ein paar Abfallgebührenmarken.“
„Die gibts im Aperto.“

Im Aperto: „Ich hätte gerne ein paar Abfallgebührenmarken.“
„Die gibts im Coop.“

Einfach himmlisch

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In Burgdorf gibt es seit dem Auffahrtsmorgen offensichtlich nur noch ein Fotosujet: Heissluftballone in allen Farben und Formen.

Wer auch immer eine Kamera hat – und wer hat im Zeitalter des Smartphones keine? – richtet sie gegen den blauen Himmel, um die riesengrossen bunten Knollen zu fotografieren und filmen.

Auf den Facebook-Seiten von Menschen, die in und bei Burgdorf leben, häufen sich die Ballonaufnahmen im Viertelstundentakt. Hier ist eine kleine Auswahl:

Dominic Klossner
(Bild: Dominic Klossner)

Sergio Mendes
(Bild: Sergio Mendes)


Yves Aeschbacher

(Bild: Yves Aeschbacher)

Kevin Schneider
(Bild: Kevin Schneider)

Lukas Stalder
(Bilder: Lukas Stalder)

Christine Bähler-Bürki
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Bild: Christine Bähler-Bürki)

Reto Kirchhofer(Bild: Reto Kirchhofer)

Martin Leuzinger
(
Bild: Martin Leuzinger)

Nathalie Gysel(Bild: Nathalie Gysel)

Anita Nitu Ehnes
(
Bild: Anita Nitu Ehnes)

Pascal Walser
(
Bild: Pascal Walser)

Doris Boesch
(
Bild: Doris Boesch)

Flo Emilia Köhli
(Bild: Flo Emilia Köhli)


Die Welt, denkt man, wenn man zwischendurch mal wieder geradeausguckt und sich den halbsteifen Nacken lockerknetet, wäre vielleicht eine friedlichere, wenn ständig irgendwo Heissluftballon-Schweizermeisterschaften stattfinden würden.

Die Leute würden sich dann vor allem auf all das Schöne konzentrieren, das direkt vor ihnen (f)liegt, statt ständig nach Nadeln in der Suppe und Haaren im Heuhaufen zu suchen.

Alles OK

FullSizeRenderWer die Panama Papers aufmerksam durchgelesen hat, weiss Bescheid. Für die anderen seis hier enthüllt: Der Präsident des Theatervereins Szenerie Burgdorf ist alle zwei Jahre auch OK-Chef der neusten Aufführung.

Das letzte Mal, als ich diese Doppelfunktion auszuüben die Ehre hatte, spielten wir 2014 in einem Landgasthaus „Schiffmann“. Infrastrukturell standen wir damals nicht vor übertrieben grossen Herausforderungen: In der Beiz waren Sitzplätze naturgemäss ebenso schon vorhanden wie getrennte WCs, eine Küche und ein Raum zum Umziehen.

Also konnte ich mich darauf beschränken, die eine und andere Sitzung einzuberufen, die OK-Gspändli hin und wieder zu fragen, wies läuft, und dem Lokalradio ein Wochen im Voraus arrangiertes Spontaninterview zu geben.

Nun, bei „Fäustchen“, ist alles anders. Dieses Stück führen wir – wie schon „Die Franzosenkrankheit“ – im Burgdorfer Siechenhaus auf, und deshalb haben wir damit einen Siech voll zu tun.

Um den potenziell achthundert Gästen ein kulturell-kulinarisches Rundumwohlfühlprogramm bieten zu können, benötigen wir ein grosses Zelt und Ghüderchübel und eine Bar und eine Bühne und eine Tribüne und Wolldecken und Land für die Autos und Apérotischli und einen Parkdienst und jemanden, der nach jeder Vorführung die Toiletten fegt und extern fabrizierte Sandwiches und einen Ofen und eine Kafimaschine und Bewilligungen und Hinweistafeln und einen Fernseher und eine Zapfvorrichtung für das extra für uns gebraute Bier und weiss der Gugger was noch, und bis das alles eingefädelt und verschraubt und angeschlossen ist: Heiterefahne!

Ständig klingelt das Telefon und bimmelts im Mailfach, und immer ist es schampar dringend, und wenns zur Abwechslung einmal nicht so pressiert, wäre der Anrufer oder die Schreibende doch cheibe froh, wenn die Sache wenigstens bis gestern abgehakt werden könnte.

Inzwischen ist das Gröbste zwar erledigt. An einen lockeren Endspurt ist in unserem Gremium trotzdem nicht zu denken, im Gegenteil: Mit frustrierender Hartnäckigkeit kommt jetzt – gerne mitten in der Nacht – die ekligste aller Fragen aus ihrem finsteren Loch gekrochen: Was haben wir vergessen?

„Nichts“, murmelt beruhigend der Verstand. „Ihr macht das ja nicht zum ersten Mal. Und inzwischen habt ihr diesen ‚Fäustchen‘ so oft miteinander durekätschet, dass die Wahrscheinlichkeit, last minute etwas zu vercheiben, gleich Null ist.“

„Das wirst du genau dann sehen, wenn dus brauchen würdest“, höhnt das vor Aufregung laut pochend‘ Herz, und setzt nach „würdest“ für zwei, drei Schläge aus. „Stell dir zum Beispiel vor, es ist Premiere, und alle Gäste stehen erwartungsvoll herum, und in dem Moment, in dem es losgehen soll…“

„…halt die Klappe!“, knurre ich, und versuche, wieder einzuschlafen.

Aber natürlich wird daraus nichts (was allerdings auch mit dem Hund zu tun hat, der draussen dringende Geschäfte erledigen möchte), und selbstverständlich verbringe ich die Zeit bis zum Morgengrauen dann primär damit, sämtliche Abläufe noch einmal bis zum letzten Eventualitätchen durchzugehen.

Nur: Das ganze Daranherumhirnen bringt ja nichts.

Der 4. Mai kommt, unabhängig davon, ob wir an alles gedacht haben, und am Abend dieses Tages, um 19 Uhr, trudeln die Besucherinnen und Besucher beim „Siecheli“ ein, und falls sich dann tatsächlich herausstellen sollte, dass etwas fehlt oder klemmt oder überhaupt nicht funktioniert, dann ist das halt so; dann müssen wir eben chli improvisieren, doch deshalb wird unsere kleine Theaterwelt schon nicht untergehen.

Auch im Leben von „Fäustchen“ lief schliesslich nicht alles wie von ihm gedacht. Auch er konnte, so klug er auch war, unmöglich alles voraussehen und planen, und trotzdem – oder gerade deshalb – entwickelte er sich zu einem überaus gefreuten Zeitgenossen.

Infos und Tickets gibts unter www.szenerie.ch

Nachtrag: Der Aufwand hat sich gelohnt. Die BZ lobt unser neues Stück in den höchsten Tönen.

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Zufälle gibts (oder auch nicht)

Hin und wieder gerät mein Unglaube an Übersinnliches ernsthaft ins Wanken:

Anfang Woche sass ich daheim am Stubentisch und tippte einen Text, der nichts mit Musik zu tun hatte. Im Hintergrund lief, wie eigentlich immer, Radio Argovia Classic Rock, und aus keinem bestimmten Grund fragte ich mich auf einmal, wieso „die Radios“ – wenn überhaupt – eigentlich ständig dieselben zwei, drei Deep Purple-Stücke („Smoke on the water“, „Perfect Strangers“ oder, wenn zu nachtschlafener Stunde noch 10.18 Minuten Sendezeit übrig sind, „Child in time“) spielen; immerhin hat die Band in den letzten 50 Jahren Hunderte von Songs geschrieben, doch auf die Idee, einem breiteren Publikum einmal eine Nummer vorzuführen, die nicht alle Welt kennt – „King of dreams“, zum Beispiel – kommt offenbar niemand.

Keine halbe Stunde später dröhnte Waseliwas aus dem Radio?

Doch das war noch nicht alles an Gspässigem: Ende Woche verschwanden mein Schatz und ich mit dem Hund ins Tessin. Wir fanden unsere Unterkunft nicht auf Anhieb und hielten aus Versehen zuerst beim Hotel Kurhaus in Cademario. Der Mann an der Rezeption wies uns den Weg zu unserer eigentlichen Bleibe. Nachdem wir es uns dort gemütlich gemacht hatten, legte ich mich aufs Bett und begann, das neue „Magazin“ der „Süddeutschen“ zu lesen.

Und welches Hotel wurde darin vorgestellt?

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Spätes Feriensouvenir

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Fix sind sie ja, die Italiener: Nur acht Monate und fünf Tage, nachdem wir auf der Suche nach einem Parkplatz durch Castiglione della Pescaia gekurvt sind, erreichte uns aus der Toscana heute per Einschreiben eine Busse für „unerlaubtes Fahren in Stadtteil mit eingeschränktem Verkehr“.

Wieviel wir für diesen Frevel bezahlen müssen, geht aus der zweisprachig ausgefertigten „Festellung der Übertretung der Strassenverkehrsverordnung“ nicht auf den ersten Blick hervor, und auf den zweiten eigentlich auch nicht: „Wenn die Zahlung innerhalb von 5 Tagen ab Zustellung des Vergehens erfolgt, wird der zu entrichtende Betrag um 30% verringern (d.h. Zahlungsminderung)“, heisst es in dem von Polizeikommandant Dott. Fabio Pieri höchstselbst abgestempelten Dokument mit der Protokollnummer V/11961K/2015.

Und weiter: „Der zu entrichtende Betrag innerhalb von 5 Tagen ab Zustellung beläuft sich auf Euro 56,70 + Euro 17,90 für Verfahrenskosten und Zustellungskosten (Gesamtbetrag Euro 74,60). Innerhalb von 60 Tagen ab Zustellung beläuft sich der ganze Betrag auf Euro 81 + Euro 17,90 für Verfahrenskosten und Zustellungskosten (Gesamtbetrag ohne Zahlungsminderung Euro 98,90). Wenn Sie nach Ablauf der Frist von 60 Tagen die Geldstrafe noch nicht beglichen haben, steigt der Betrag gemäss Art. 203 StVO um Euro 180,90.“

Einsprachemöglichkeiten gebe es im Übrigen so gut wie keine: Die zuständige Behörde halte uns „bis zum Beweis des Gegenteils für verantwortlich“.

Das ist natürlich auch eine Methode, um an das Geld anderer Leute zu kommen: Man schickt ihnen eine Rechnung, die dermassen kompliziert abgefasst ist, dass die Empfänger bis weit über die zahlungsmildernde Frist hinaus mit Entschlüsseln beschäftigt sind.

Die Polizei per Mail zu fragen, was genau wir ihr nun schuldig seien, brächte wenig: Bis wir polizia.municipale@comune.castiglionedellapescaia.gr.it in die Adresszeile getippt haben, ist auch der letzte Discount-Überweisungstermin passato.

E Guete mitenand!

Heute früh, auf dem grossen Bummel der Emme entlang: Der tollste Hund der Welt ist den langmütigsten Ponys zäntume beim Abbau ihrer Rüeblivorräte behilflich.

Wenn wir schon dabei sind (und weil Bilder von unserer Meite immer Klicks bringen wie gstört): hier noch ein paar weitere Schnappschüsse aus ihrem Fotoalbum. Sie zeigen

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Tess beim Schlafen…

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…in den Ferien in Frankreich (Bild: Schatz)…

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…beim Liebgucken…

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…beim Klarmachen, wer zuhause wirklich das Sagen hat…

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…beim Spurenziehen im Schnee…

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…und beim Ausleben ihrer Kreativität.

Wo Burgdorf drauf steht, ist kein Burgdorf drin

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Ein Preis für Stadtgrün Bern, die WIR-Gruppe Bern, die Veranstaltung einer Firma im seeländischen Täuffelen, die Special Olympics in Chur und ein weiterer nach PR müffelnder Text über das „Autoland Schweiz“: Das sind die Schwerpunkte der aktuellen „Burgdorfer Zeitung“, einem Produkt der in Langenthal domizilierten Berner Woche AG, das mit penetranter Regelmässigkeit ungefragt in alle Briefkästen gestopft wird, die nicht rechtzeitig flüchten können.

Burgdorf kommt im Blatt – ausser im Veranstaltungskalenderchen – kein einziges Mal vor.

Hannes allein zu Haus

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Samstag, 19. März 2016: Heute Mittag ist mein Schatz mit Tess für eine Woche in die Ferien verreist. Ich versuche, die leere Zeit mit dem Ausprobieren von hochkomplizierten neuen Rezepten auszufüllen.

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Sonntag, 20. März: „Old habits die hard“, sagt der Australier. Deshalb gehe ich auch dann mehrmals täglich auf einen Bislibummel, wenns gar nichts zu bislen gibt (ämu nicht für den Hund).

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Montag, 21. März: Nachdem ich mutterseelenalleine eine weitere Nacht herumgebracht habe, schlurfe ich auf dem Weg zur Kafimaschine am leeren Hundebettchen vorbei und stelle fest: Auch extrem toughen Typen wie mir sind Längizytigefühle nicht fremd.

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Dienstag, 22. März:
Nachbarin Nicole E. hat die Notlage in der Wohnung nebenan offensichtlich erkannt (habe ich wirklich so laut über die Abwesenheit meiner zwei Meiten gejammert?!?) und vor meiner Türe einen Schoggihasen ausgesetzt. Vielen Dank für den süssen Pfundskerl!

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Mittwoch, 23. März: Schon in aller Herrgottsfrühe beschliesse ich, am fünften einsamen Abend in Serie mit Nick Masons Pinkfloydografie „Inside out“ wieder einmal so richtig die Sau rauszulassen.

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Donnerstag, 24. März: Da hätte man, weil Frau und Hund IMMER NOCH WEG sind, einmal wunderbar Zeit, um mit den Schildkröten im Garten herumzutollen – aber nein: die sind immer noch im Untergrund und warten auf sonnigere Zeiten.


Freitag, 25. März: Wir machen ein bisschen Musik.

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Samstag, 26. März: Mit „Part of me, part of you“ von Glenn Frey in den Ohren durchs Emmental zu flyern: das fägt. Schade ist nur, dass die zwei Parts of me nicht mit von der Partie sind.

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Sonntag, 27. März: Die Wohnung ist gesaugt, das Altpapier liegt im Keller, der Ghüder harrt seiner Abfuhr und die Wäsche rotiert in der Maschine: Wenn mein Lieblingsmensch und der tollste Hund der Welt heute Abend nach Hause zurückkehren, sollen sies so gemütlich haben wie vor ihrer Abreise.

Ich freue mich wie gstört auf die beiden.

 

Fäustchen fliegt aus

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Der kleine Bruder des grossen „Faust“ kommt Burgdorf immer näher: Ab morgen wird der Flyer (siehe Bilder) zur neusten Aufführung der Szenerie Burgdorf in und um Burgdorf verteilt.

Ebenfalls morgen beginnt der Vorverkauf in der Buchhandlung am Kronenplatz (034 422 21 75) und im Tourist Office im „Milano Nord“ (034 402 42 52).

Weitere Infos: www.szenerie.ch

Nachtrag: Pünktlich zum meteorologischen Frühlingsbeginn hängt vor „unserem“ Haus das erste Werbeplakat. Es ist, wie ein Blick an den unteren rechten Bildrand zeigt, schon zu einem beliebten Fotosujet avanciert:

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