Stippvisite in den Tropen

“Ist es draussen kalt und grau,
mach ‘nen Ausflug mit der Frau.”

(Alte indianische Weisheit)

Um chli dem Winter zu entfliehen, schauten mein Schatz und ich gestern im Tropenhaus in Frutigen vorbei:

Wir können einen Besuch nur empfehlen. Fischfreunde kommen auf dem informativ-unterhaltsamen Rundgang ebenso auf ihre Kosten wie Technikenthusiasten und Tunnelfans.

Besonders faszinierend ist ein Bummel durch die Welt der Orchideen. Wer diese Explosionen der Farben und Düfte erleben will, muss sich allerdings sputen: Die Sonderausstellung wird am 12. Februar geschlossen.

(Die Bilder hat Chantal geschossen.)

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“Passt dir nicht, wie ich koche?”

Gemeinsam zu kochen, gehört zu unseren Lieblingsbeschäftigungen.

(Hinweis für die jüngeren Leserinnen und Leser: Früher lief das noch ganz anders. Da wusste die Frau: “Der Mann will täglich aufs Neue gewonnen sein.” Und verbrachte den grössten Teil ihres Lebens alleine zwischen Herd und Ofen:

)

Zu Streiteren kommt es in unserer Küche nie selten. Chantal kümmert sich um ihren Kram, ich kümmere mich um meinen. Natürlich geht das nicht stumm vonstatten. Wir reden durchaus miteinander, aber nur selten übers Parieren, Pochieren und Pürieren.

Wobei: Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, muss ich sagen – ein minimunziges Konfliktpotenzial besteht schon. Wenn sie im Superzeitlupentempo eine Tomate in Stücke schneidet, kann ich ihr dabei ebensowenig zusehen wie sie mir, wenn ich in neuer Weltrekordzeit Geschirr und Pfannen abwaschen will.

Bei anderen krachts häufiger. Fabian Fuchs, Autor bei der “Süddeutschen Zeitung”, schreibt über sich und seinen Schatz: “In örtlichen Reiseführern werden wir längst als sehenswertes Denkmal für ewigwährende Harmonie erwähnt. Die endet aber, sobald wir uns aus Versehen gleichzeitig in der Küche aufhalten und einer anfängt, das Öl in der Pfanne zu erhitzen.”

Das klinge dann so:

- “Pass auf, das wird zu heiss.”

- “Das muss heiss sein, das soll schliesslich scharf angebraten sein.”

- “Aber doch nicht so scharf, dass es gleich verbrennt, guck mal, das Öl raucht ja schon.”

- “Ja, weil du immer dieses Sonnenblumenöl kaufst, das man nicht über 120 Grad erhitzen darf, damit kann man nicht braten, das habe ich schon hundertmal gesagt.”

– “Nimm halt Butter, ich nehm für so was immer Butter.”

-”Ja-ha, ich weiss.”

-”Wie meinst du das, hast du daran was auszusetzen? Passt dir nicht, wie ich koche?”

Über “die Unmöglichkeit, zusammen mit seinem Partner zu kochen und dabei friedlich zu bleiben”, hat mein Berufskollege eine wunderschöne Geschichte geschrieben, die ich nicht nur Kochenthusiasten dringend zur Lektüre empfehle.

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“Manchmal ist es hier schon schier ein Gjufel”

“Dickschädelig, besserwisserisch, engstirnig – aber wärchig!”: Mit diesen Worten charakterisiert Peter Leu, der Intendant der kulturfabrikbigla, seinen neuen Gehilfen Aschi Rüegsegger. Dieser erlebt am 8. Februar mit der “Revue für einen Bühnenarbeiter” seine “Stärnstund”. Obwohl er bis weit über die Mützenspitze hinaus mit Büez eingedeckt ist, nahm sich der Eggiwiler Bauer, Kleinsägerei-Betreiber und Gelegenheits-Tookmaschter Zeit für ein Gespräch über Künstler, Computer, Vrene und Stühle.

Im Internet…

Aschi Rüegsegger: …dieses neumödige Zeug, für das man einen Computer braucht…

…genau. Im Internet…

…so etwas käme mir dann gar nicht öppe ins Haus. Meine Vrene stürmt schon lange…

…aber einen Computer gibts bei Rüegseggers daheim trotzdem nicht.

Nenei.

Jedenfalls: Im Internet kann man ein Bild von dir sehen. Es zeigt dich in der kulturfabrikbigla, inmitten einer dicken Rauchwolke. Was war da los?

Ach. Der Leu (Aschi meint Peter Leu) sagt immer nur, “Aschi mach dieses, Aschi mach jenes”. Kürzlich gab er mir ein Büchlein mit dem Titel “Es werde Licht”. Das ist so ein Schnellkurs für Beleuchter – als ob ich die Zeit hätte, da stundenlang herumzulesen.

Also hast du einfach mal draufloos gfuuschtet – und schon hats gequalmt.

Das Licht brennt jetzt ja. Und es steht noch alles.

Was hat der Chef dazu gesagt?

Der soll froh sein, wenn einer chli öppis macht hier. Er selber kommt ja hinten und vorne nicht nach mit der Arbeit.

Und du? Kommst du nach? Du bist Bauer, hast eine kleine Schreinerei, bist zwischendurch Tookmaschter – und jetzt noch dieser Job im Theater. Wird dir das mit der Zeit nicht zuviel?

Es ist so: In einer Sägerei hat man im Winter viel weniger zu tun als im Sommer. Deshalb sagte meine Vrene im letzten Herbst, “frag doch mal den Leu, ob er dich in den nächsten Monaten ein bisschen beschäftigen könnte”. Ich bin ja eben manchmal Tookmaschter, draussen im Foyer. Ich gehe hier ein und aus. Der Leu hatte sofort Arbeit für mich. Und jetzt bin ich für ihn eine Art Knecht.

Was genau steht in deinem Pflichtenheft?

Ich weiss gar nicht, wo anfangen. Ich baue die Bühne auf, was nicht einfach ist, denn einmal muss sie grösser sein und einmal wieder kleiner, und wenn man meint, man sei endlich fertig, kommt garantiert der Schauspieler oder der Musiker, der am Abend draufsteht, und sagt, sie müsse jetzt doch kleiner sein oder grösser. Abgesehen davon montiere ich die Lampen da oben, was ebenfalls sehr difisil ist, weil jede einzelne Lampe noch extra mit einem Ketteli gesichert werden muss, damit sie nicht runterfällt, obwohl ich doch weiss Gott weiss, wie man eine Schraube anzieht, damit sie hält. Weiter putze ich die Toiletten oder stelle die nummerierten Stühle der Reihe nach im Saal auf. Das war übrigens noch lustig: Ganz am Anfang, als ich hier angefangen habe, stellte ich die Stühle einfach so hin, wies grad kam. Die Leute mit reservierten Plätzen mussten schön suchen, bis sie wussten, wo sie abhocken können.

In einem Satz: Ohne dich läuft hier nichts.

Das ist so. Ich sage immer: “Nicht verzagen, Aschi fragen.”

Pesche Leu…

… der ist ja nie da. Wenn man ihn braucht, hängt er am Telefon oder fährt durch die Weltgeschichte. Der denkt, jetzt, wo er den Aschi hat, müsse er sich um gar nichts mehr kümmern.

Aber bezahlt er dich wenigstens anständig?

Chasch dänke. Wenn mir Vrene nicht jeden Morgen ein Eingeklemmtes zwägmachen würde und eine Guttere heissen Tee – ich würde verhungern. Mit diesem Löhnli kann ich unmöglich allpott im “Bären” Zmittage.

A propos Vrene: Was sagt sie zu deinem Nebenjob?

Die ist glaub ganz froh, wenn ich nicht allzu häufig in unserer Stube herumstürme.

Was hats du eigentlich für einen Bezug zur Kultur? Gehst du noch in anderen Theatern ein und aus?

Nicht unbedingt. Vrene hauts allpott nach Bern, ins Stadttheater. Sie hat da so ein Abonnent. Dann muss ich halt öppemau mit. Aber sonst, selber? Ich singe noch gerne, beim Melken oder so. Als Kind machte ich bei den Krippenspielen mit. Und in der Musig bin ich auch, schon seit vielen Jahren; in der Musikgesellschaft Eggiwil.

Was spielt du da?

Euphonium. Weiss du, was das ist?

Ja.

Das ist das mit dem Trichter nach oben. Das mit dem Trichter nach vorne ist das Sousaphon. Das spielt der Gräppi Christian. Er sitzt in der Musig direkt neben mir. Ja…und einmal im Jahr haben wir halt unser Jahreskonzert mit Theater. Aber das Theater ist nicht so modernes Zeug. Wir spielen anständige Sachen. “Der Blitz in der Bettstatt”, zum Beispiel.

Theater gibts jeweils auch im Sommer, auf der Moosegg. Hast du dir das schon einmal angesehen?

Ja, ja. Vrene hat mich mitgeschleppt.

Und? Hats dir gefallen?

Es geht. Es wurde chli viel gestorben, finde ich.

Du hingegen hast es lieber heiter.

Auf jeden Fall. Und vor allem bin ich froh, wenn man nachkommt. Was diese Regisseure manchmal für Ideen haben…das ist nichts für mich.

Peter Leu ist ebenfalls Regisseur. Hat ers im Griff?

Hm. Jetzt muss ich ihm die ganze Halle einrichten, weil er etwas Neues einstudieren will. Er führt glaub etwas mit dem Adrian von Bubenberg auf, samt der Schlacht von Murten und Blutbädern und so. Bis jetzt hat er zwar nur darüber geredet. Aber das wird dann schon gut kommen.

Das Schöne für einen Bühnenarbeiter ist vermutlich, dass er sich jede Aufführung gratis ansehen kann.

Es gibt hier ja alles. Manchmal führt jemand ein Theater auf, manchmal spielt jemand Negermusik, manchmal macht jemand so Sachen…. Meist sehe ich mir das eine Zeitlang an. Nach einem Weilchen gehe ich in den “Bären” oder ins Foyer an die Bar, zur Frau vom Leu. Das ist noch eine Gäbige. Hin und wieder spendiert sie mir ein Bier. Dann warte ich, bis die Vorstellung fertig ist. Ich muss ja länger bleiben als die anderen; jemand muss am Ende schliesslich putzen und all die Sachen wegräumen. Oft helfe ich auch noch beim Einladen. Es gibt Künstler, die kommen mit ganzen Lastwagen voll Zeug.

Ich sehe: Du bist mit deinem Theaterjob bis zum Anschlag ausgelastet.

Manchmal ist es hier schon schier ein Gjufel; das stimmt.

Ist das für dich eine neue Lebensstelle, oder machst du das nur im Winter?

Ou, nei! Ich bin froh, wenn es mit der Sägerei wieder losgeht. Lange hält man das hier nicht aus. Nur schon das Drinnensein immer. Ich wärche lieber draussen an der frischen Luft.

Z Wärche gibt es in der kulturabrikbigla bald wieder: Am 8. Februar findet eine Première statt…

…wirklich? Davon hat mir Leu noch gar nichts gesagt. Das ist dann wohl eben diese Bubenbergsache.

Nein, nein. “Aschis Stärnstund”; eine “Revue für einen Bühnenarbeiter”.

Henu. Der Leu wird mir schon Bescheid geben. Wahrscheinlich drückt er mir kurz vorher einen Zettel in die Hand, den man kaum lesen kann. Und dann mache ich das Zeug halt zwäg.

Aufführungsdaten

Mittwoch, 8. Februar, 20.15 Uhr (Premiere)
Donnerstag, 9. Februar, 20.15 Uhr
Sonntag, 12. Februar, 17 Uhr
Mittwoch, 15. Februar, 20.15 Uhr
Donnerstag, 16. Februar, 20.15 Uhr
Sonntag, 19. Februar, 17 Uhr
Mittwoch, 22. Februar, 20.15 Uhr
Donnerstag, 23. Februar, 20.15 Uhr
Sonntag, 26. Februar, 17 Uhr

Abendkasse/Barbetrieb ab 19 Uhr (Sonntag ab 16 Uhr)

Eintrittspreise:

Normal: 30.–
Single-, Paar- und Firmenkarte: 15.–
Sitzplätze unnummeriert

Vorverkauf: www.ticketeria.org / 0900 10 11 12 (Fr. 1.19/Min. ab Festnetz)

Seinen nächsten Einsatz als Tookmaschter hat Aschi übrigens am 13. Februar. Ab 19.30 Uhr diskutiert er in der kulturfabrikbigla mit seiner Gaschtig, Burgdorfs Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch und Langnaus Gemeindepräsident Bernhard Antener, unter anderem darüber, welches die echte Hauptstadt des Emmentals sei. Der Eintritt ist frei.

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Stadtbilder (20)

Seit sechs Jahren leuchtet im Burgdorfer Buchmattquartier jeden Winter der Lumolith in allen Farben. Er ist längst zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden.

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Wie der Vater, so der Sohn

Eines schönen Tages strickte unsere Grossmutter für meinen Brüetsch, den grössten Servette-Fan der Welt, eine Mütze im original echten Grenatrot-Weiss seines Lieblingsvereins.

Die Kappe ist nach wie vor in Betrieb. Wegen ihr hat Urs sogar einen Club gegründet, der inzwischen rund 150 Mitglieder zählt und sich ungebrochener Beliebtheit erfreut. “Miini Chappe” heisst er. Dazugehört, wer sich – wie zum Beispiel alt Bundesrat Adolf Ogi – mit Grossmutters Servette-Mütze auf dem Kopf fotografieren lässt.

Drei Jahrzehnte später fand mein Schatz: Wenn schon der Vater so eine Kappe hat, muss der Sohn ebenfalls eine haben.

Also setzte Chantal sich hin – et voilà:

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Breakfast in Australia

Mit “Breakfast in America” gelang Supertramp seinerzeit ein Riesenhit:

Aber ein Frühstück in Amerika ist natürlich nichts im Vergleich zu einem Zmorge bei Koalas:

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Auf einem neuen Kanal

Kleiner Hinweis: In der Szenerie Burgdorf sind die Proben für “Die Franzosenkrankheit” angelaufen. Das von meinem Kollegen Hans Herrmann verfasste Stück wird Mitte Mai im Burgdorfer Siechenhaus aufgeführt.

Neues über unseren Verein, das Theater und die Leute im Vorder- und Hintergrund gibts jetzt nicht mehr nur im Szenerie-Blog und auf Facebook (siehe oben), sondern auch auf Google+.

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Das grosse Plangen

Was tut man nicht alles, um das Fernweh chli zu bekämpfen:

Aber gut: In ziemlich genau 10 Monaten und 7 Tagen oder in 44 Wochen und 4 Tagen oder in 312 Tagen oder in 7488 Stunden oder in 449 280 Minuten oder in 26 956 800 Sekunden sind wir ja wieder da.

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Bitte umblättern

Das macht Mut: Während die einen ständig vom Ende der Zeitungen reden, erfinden andere Maschinen, um Zeitungen gäbiger lesen zu können.

Besonders toll ist, dass auf diese Weise auch Haustiere sinnvoll beschäftigt werden:

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D Wältwuche und die Selbstgerechtigkeit

“Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg musste (..) zurücktreten. Seine Abschiedsrede hatte etwas Selbstgerechtes.”: Das schrieb “Weltwoche”-Chefredaktor Roger Köppel unter dem Titel “Hildebrand und die Schweiz” über den inzwischen zurückgetretenen Präsidenten der Nationalbank.

Mit “selbstgerecht” meint Köppel wohl etwas in der Art:

Was es zur famosen Wältwuche, deren Vorstellung vom Beweislast-Prinzip und ihren Umgang mit den elementarsten journalistischen Grundregeln noch zu sagen gibt, fasst René Zeyer im “Journal21″ zusammen. Erhellendes zum Thema “Der Fall Hildebrand und die Journalisten” steuert auch David Sieber, der Chefredaktor der “Südostschweiz”, bei.

Es gibt Anzeichen dafür, dass sich die “Weltwoche” für ihren Blattschuss auf einen Unschuldigen juristisch verantworten wird müssen. Das wäre insofern zu begrüssen, als dann zumindest ein Kapitel der Hildebrand-Geschichte nach den üblichen rechtsstaatlichen Prinzipien abgewickelt würde.

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Dieser ganz spezielle Robinlemmyblick

Ich habe wirklich nicht vor, hier alle zwei Tage ein Bild von meinem jüngsten Neffen zu veröffentlichen.

Aber wenn Chantals iPhone schon zufällig im Fotografiermodus läuft, wenn mein bald viermonatiger Verwandter seinen Onkel mit diesem sehr speziellen Robinlemmyblick anguckt, kann ich gar nicht anders, als den Rest der Menschheit meine Leserschaft an diesem kleinen Glückmoment teilhaben zu lassen.

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Man spricht Deutsch oder holt Nüsschen

Um sein Image als Krawall- und Busensender ein bisschen zu korrigieren Damit möglichst alle Leute im Sendegebiet den komplexen Handlungssträngen in den “Reality-Dokus”, den tiefschürfenden Reflexionen im “Dschungelcamp” und den Entschuldigungs-Shows ihres Bundespräsidenten folgen können, hat der Privatsender RTL die Initiative “Sag’s auf Deutsch lanciert gestartet:

Mehr oder weniger bekannte Zeitgenossen erklären Aisha vom Dönerladen und Ali in Zelle 112 zigmal pro Tag, dass sie in ihrer Wahlheimat erst dann so richtig den Plausch haben, wenn sie sich mit den Eingeborenen in deren Sprache verständigen können.

Was RTL bei der Planung seiner Integrations-Offensive möglicherweise nicht bedacht hat: Wer die Botschaft des Filmchens kapiert, kann bereits Deutsch.

Die eigentliche Zielgruppe wird die Werbepause dazu nutzen, die Nüsslischale aufzufüllen, neuen Tee aufzusetzen oder für die Verwandtschaft Hartz IV-Anträge auszufüllen.

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Stacheliger Nebenbuhler

Unser Quartierkater ist es sich gewohnt, im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu stehen.

Entsprechend irritiert war Mauz, als Chantal und ich unsere Aufmerksamkeit heute Abend einem fremden Wesen schenkten. Ein Igel war über den Kiesweg in den Garten getäppelt. An einem Mäuerchen hielt er nach faulen Äpfeln Ausschau. Mein Schatz zückte den Fotoapparat.

Kaum hatte es zum ersten Mal geblitzt,

erschien der König des Alten Marktes auf der Bildfläche.

Vorsichtig näherte der Kater sich dem Fremden. Er studierte ihn von allen Seiten, machte Anstalten, ihn zu beschnuppern…

…und wurde dann wohl von seinem Instinkt darauf aufmerksam gemacht, dass er seine Nase besonders in diesem Fall besser nicht in fremde Angelegenheiten stecke.

Nach einem letzten bösen Blick auf den Eindringling liess der Kater den Igel Igel sein.

Und verschwand durch die Türe, die ich versehentlich offengelassen hatte, in “unserem” Haus, aus dem wir ihn dann – einmal mehr – nicht ohne Mühen herausholen mussten:

(Die Bilder von der nächtlichen Begegnung hat Chantal geschossen.)

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Verbal-Durchfall am Feier-Abend

Zuerst sind pdf-Dateien das grosse Thema. Dann gehts um Excel-Tabellen und kurz darauf um irgendwelche Programme. Als es dazu wirklich nichts mehr zu sagen gibt, dreht sich der Monolog um Stellvertretungen, Nachfolgeregelungen, Versetzungen nach Übersee, den Lohn, Spesen, buchhalterische Probleme, doofe Zicken, arrogante Chefs, strohdumme Mitarbeitende und – immer wieder – darum, dass die Verantwortlichen nicht erkennen wollen oder können, was sie an ihr haben; an ihr, der Frau, die das Schicksal an diesem Silvesterabend an unserem Tisch plaziert hat, und die diesen festlichen Anlass (und die mitgebrachte Kollegin) seit ihrem Eintreffen vor drei Stunden dazu missbraucht, über ihren Job zu reden.

Bevor wir an dieser mit viel Herzblut organisierten Party mit den vielen anderen Gästen auf das neue Jahr anstossen können, fahren wir eher übel als wohl zurück nach Burgdorf. Eine andere Möglichkeit, dieser Fleisch gewordenen Selbstüberschätzung mit Verbaldurchfall zu entrinnen, sehen wir nicht. Im Zehnminutentakt nach draussen flüchten, um zu rauchen? Nicht bei dieser Kälte. Und schon gar nicht an einer Feier, an der ansonsten alles bis aufs letzte Detail stimmt: Die originelle Dekoration, die fägige Musik, das tolle Essen, die herzlichen Gastgeber – es könnte so schön sein.

Natürlich: Wir hätten die Frau zwischen dem Hauptgang und dem Dessert fragen können, ob es in ihrem Leben eigentlich noch etwas anderes gebe als Dateien und Tabellen und ob sie wirklich ganz sicher sei, dass ihr Geschäftsgeklöne irgendjemanden interessiere. Wie man sich so fühle, mit nichts als dem Job im Kopf. Wieso sie nicht einfach die Stelle wechsle, wenn sie doch so schampar gut sei, während der Rest der Belegschaft nicht einmal einen Kaffee aus dem Automaten laufen lassen könne, ohne die Firma in den wirtschaftlichen Abgrund zu stürzen.

Aber: Wir hatten diese Ausgeburt der Ego-Hölle nie zuvor gesehen. Wir konnten nicht ahnen, wie sie auf Kritik reagieren würde; ich gehe davon aus, dass “kritikfähig” nicht das Adjektiv ist, das ihre Kolleginnen und Kollegen immer wieder verwenden, wenn sie über die Frau reden. Wahrscheinlich wäre nach so einer Bemerkung ein Glas geflogen und dann ein Teller und dann irgendjemand aus dem Saal.

Das wollten mein Schatz und ich vermeiden. Das Risiko, die Hochstimmung der anderen Gäste mit einer wie auch immer gearteten Intervention zu trüben, erschien uns zu hoch. Aber: Vom Tisch des Grauens wegzügeln ging nicht, weil die restlichen Plätze reserviert und besetzt waren. Der Frau ein Kuchenmesser ins Dekolleté zu rammen, war eine Option, die ich kurz erwog, dann aber mit Blick auf allfällige juristische Folgen wieder verwarf.

Chantal und ich rutschten dann vor unserer Haustüre ins neue Jahr; im Nieselregen, mit einem tollen Feuerwerk vor Augen.

(Frage in die Runde: Hat jemand schon Ähnliches erlebt? Was tut man in so einem Fall?)

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Alles Beste für die Gäste!

Wir habens damals mehr gehört als gesehen. Imposant wars so oder so: Dieses Feuerwerk zündete Sydney in den letzten Minuten von 2010, um 2011 willkommen zu heissen.

Ich nehme mir dir Freiheit, es zu recyclen, um all meinen Stamm- und zufällig dahergelaufenen Gästen für ihre Treue, Nachsicht, Geduld und Toleranz zu danken und ihnen ein wunderschönes neues Jahr, die Erfüllung aller Wünsche und Träume, viel Spass, wenig Ärger und, vor allem!, Gesundheit zu wünschen.

Auf Wiederlesen im 2012!

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Öfter mal was Neues

Was ist wohl schlimmer: Arbeitslos – oder Programmplaner beim TV-Sender Prosieben zu sein?

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Alle im Griff

Wir hatten gerade fertig gegessen, als mein Neffe im Nebenzimmer signalisierte, dass er im Fall nicht daran denke, zu schlafen, während alle anderen munter miteinander plaudern.

Also nahm ich ihn auf, legt ihn mir vorsichtig über die Schulter und machte mit ihm eine Besichtigungstour durch unsere heiligabendlich beleuchtete Wohnung. Ich ging mit Robin Lemmy in die Küche, führte ihm die Abwaschmaschine und den Kühlschrank und den Kochherd vor und spazierte weiter durch den Gang ins Schlafzimmer. Dort, am Fenster, erklärte ich ihm, dass er, wenn jetzt Tag wäre, unter sich die halbe Stadt Burgdorf betrachten könnte, nur das Schloss nicht, das sei auf der anderen Seite, aber er könnte viele, viele Häuser sehen und Strassen und Gassen und Wiesen und darauf, jedenfalls im Sommer, jede Menge Schafe und Ziegen, und weiter hinten sei übrigens der Rest vom Emmental; da habe es noch viel mehr Schafe und Ziegen und gaaaaanz viele Kühe und Hunde und Katzen, aber eben: Jetzt seis halt Nacht und dunkel. Dann verlor ich noch ein paar Worte über die Bücher im Gestell und die Kleider im Schrank und kehrte nach einem Abstecher ins Bad zurück an den Tisch, wo ich den jungen Mann, der längst wieder schlief wie ein Murmeli, seiner Tante übergab.

All das, was ich ihm erzählt hatte, schien ihn weder gross interessiert noch beeindruckt zu haben. Er machte nicht einmal Anstalten, Interesse zu heucheln. Ob er heute noch bis aufs letzte Tassli wüsste, was in der Wohnung von seinem Onkel so alles herumsteht und -liegt: Ich weiss nicht, ich weiss nicht.

Aber ich ahne, dass er es ziemlich genoss, die Lage (auch) an diesem Abend voll unter Kontrolle zu haben. Er muss gewusst haben: Ein Mucks, und das grosse Wesen, das ihn herumträgt, setzt seinen Spaziergang mit ihm noch lange, lange fort. Ein Schrei, und der Schoppen ist parat. Ein Lächeln, und ein vielstimmiger Chor sagt entzückt “Jööö”.

Der junge Mann machte die ganze Zeit einen ausgesprochen zufriedenen Eindruck.

Ich (46) merke gerade: Ich beneide ein Bébé.

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Der Song zur Sammlung

Man kann von der DRS3-Aktion “Jeder Rappen zählt” ja halten, was man will.

Wie auch immer man dazu steht: Der Song, den “Heinz de Specht” dazu komponiert und am Tatort vorgetragen haben, ist Spitze:

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Selbstüberlistung

Das nimmt ja überhaupt gar kein Ende mehr mit dem Schnee und der Kälte und dem Winter und allem.

Ich studiere die Wetterprognosen deshalb bis auf Weiteres in Fahrenheit:

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Top sweetcret

Daraus

werden unter den Händen von meinem Schatz heute Nachmittag die besten Brunsli der Welt.

Der Schatz von meinem Brüetsch ist gleichzeitig nach derselben Methode mit denselben Zutaten schon zwei, drei Schritte weiter:

Das Rezept stammt von meiner Grossmutter und ist…äätsch!

(Hier hats ein paar Alternativen, die mit dem Original allerdings nie mithalten können.)

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Asiatische Gastfreundschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

(Gesehen vor einem Restaurant in Thun.)

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Wirds bald?

Seit 347 Tagen plange ich auf unseren nächsten Flug nach Australien.

Aber so stark wie in den Moment, in dem ich

heute Morgen

aus dem Fenster guckte, war das Reissen noch nie.

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Glück und Glas, wie gut passt das

Vor zwei Jahren hatte ich chli Ärger mit einer jungen Frau. Sie war damals noch nicht meine Schwägerin und gerade dabei, mit zwei Kollegen in eine Glasbox beim Bundeshaus zu ziehen, um dort für einen guten Zweck eine Woche lang “Radio live” zu machen; vor allen Leuten, Tag und Nacht.

“Jeder Rappen zählt”, hiess die Aktion. Ich fand, dass es nicht zu den Kernaufgaben eines mit öffentlichen Geldern finanzierten Mediums gehöre, für Bedürftige zu sammeln; schon gar nicht in einer Zeit, in der zig andere echte Wohltätigkeitsorganisationen mit Briefen und Gitarren am Betteln sind.

Das teilte ich der jungen Frau auf ihrer Facebook-Seite mit. Sie, voller Enthusiasmus und fast platzend vor Vorfreude auf die Woche im Glashaus, hatte für meine Einwände kein Verständnis. Der Pulverdampf unserer kleinen Auseinandersetzung hatte sich noch nicht verzogen, als sie auch schon in ihrem durchsichtigen Container sass und moderierte und Prominente interviewte, während ich mir – ehrlich gesagt: Auch, um mir das eine oder andere Vorurteil bestätigen zu lassen – hin und wieder anhörte, was die Radioaktiven von DRS3 da drin so treiben.

Die Aktion war zwei, vielleicht drei Tage am Laufen, als ich mir zu meiner eigenen Verblüffung eingestehen musste: “Jeder Rappen zählt” fägt. Wann immer Judith und ihre Gspändli auf Sendung waren – und das waren sie rund um die Uhr – konnte ich spüren, mit wieviel Freude sie bei der Sache sind. Irgendwie merkte ich auch, dass immer mehr Menschen ausserhalb der Glasbox schwer den Plausch hatten an dieser Übung; unabhängig von Alter, Beruf, sozialer Stellung und Lieblinglied.

Leichten Herzens schrieb ich der jungen Frau eine SMS, in der stand, dass ich meine Meinung umfassend revidiert habe; die Sache wirke im positiven Sinne auch auf mich sehr ansteckend. Gleichzeitig deponierte ich einen Musikwunsch (“Brothers in arms”, für meinen Brüetsch; so hatten irgendwie alle etwas davon) und überwies dafür mit grösstem Vergnügen fünf Franken.

In diesem Moment wusste ich definitiv: “Jetzt bist du einer von ihnen.” Aber das machte mir nicht das Geringste aus; ganz im Gegenteil. Ich war in meinem Leben schon Teil von merkwürdigeren Gruppierungen (ich sage nur: … nein. Das sage ich nicht. Jetzt nicht und auch nicht in fernster Zukunft nicht).

Inzwischen läuft “Jeder Rappen zählt” zum dritten Mal. Einiges ist nicht mehr wie bei der Première: Statt aus Bern wird heuer von Luzern aus gesendet. Die junge Frau, mit der ich mir in die Haare geraten war, kümmert sich nicht mehr um Hörer- sondern um Kinderwünsche; jeder Schoppen zählt.

Und während bei der Erstauflage noch manches erfrischend improvisiert wirkte, macht es nun eher den Anschein, als ob hier eine von A wie Anmoderation bis Z wie Zämeruume durchorganisierte Megagigasause zelebriert würde, die nicht zuletzt der Imagepflege des Veranstalters dient und bei der die Spontaneität an einem eher kleinen Ort Platz hat (aber gut: Wenn wir bei der BZ Leserträume realisieren, tun wir das auch nicht aus purlauterer Nächstenliebe. Also…).

Natürlich wird auch 2011 über “Jeder Rappen zählt” gelästert, und das nicht zu knapp. Das ist nicht verboten. Die Aktion als “bizarres Theater” abzutun, scheint mir allerdings übertrieben. Wenn Menschen, die sehr viele andere Menschen erreichen und begeistern können, sich für Menschen einsetzen, die oft kaum noch Kontakt zur Aussenwelt und entsprechend Mühe haben, sich durchs Leben zu schlagen, kann ich daran beim schlechtesten Willen nichts Verwerfliches erkennen; “Bizarres” schon gar nicht.

So ein Engagement finde ich einfach nur schön. Nicht nur, aber ganz besonders zur Weihnachtszeit.

(Wer spenden will: Hier gehts lang zum Kässeli.)

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Für die Freunde des Kürzestkrimis

Mord, Ermittlung, Aufklärung: Wer sich dafür nicht anderthalb Stunden Zeit nehmen mag, kann sich mit dem “Tatort in 123 Sekunden” behelfen:

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Stadtbilder (19)

An einem bewölkten Winterabend: Das Schloss Burgdorf zeigt sich von einer fast gespenstischen Seite.

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Unverdaulich

Grüezi. Bi de Hannes Hofstetter.

Möcht ine gärn öppis verzele.

Obwohl ich viel Färnseh luege, gits Täg, wonimi frage, öb ich mir das würklich immer wider mües atue.

In der Werbebranche scheint ein Endloswettbewerb darum zu laufen, wer es schafft, den idiotischsten Spot aller Zeiten zu produzieren. Falls dem so wäre, kann die Agentur, die auf die Idee gekommen ist, den früheren Skistar Maria Walliser für ein angeblich verdauungsförderndes Getränk werben zu lassen, den Champagner oder ein paar Becher Actimel kaltstellen.

Actimel? Das pries vor nicht allzulanger Zeit noch ein anderer Sympathieträger an:

Dieser Spot ergab einen Sinn: Ein Meteorologe ist Wind und Wetter ausgesetzt und muss darauf achten, dass ihn seine Abwehrstoffe vor bösen Viren beschützen.

Doch dann passierte diese Sache, bei der Jörg Kachelmann auch ein 100 Liter-Fass Actimel nichts geholfen hätte.

Probiotische Säfte und Spermaspuren: Das passte für die Actimel-Chefs irgendwie nicht zusammen. Sie suchten deshalb ein neues Gesicht für ihr Produkt.

Fündig wurden sie bei einer Frau, die Leuten, die nach 1990 geboren wurden, kaum mehr ein Begriff sein dürfte. Aber gut: Wer nach 1990 geboren wurde, kennt noch keine Verdauungsprobleme. Wodka-Redbull verursacht höchstens Kopfschmerzen. So betrachtet, war die heutige Weinbäuerin (wenn etwas zu Actimel passt, dann ganz bestimmt Wein) und Präsidentin der Stiftung Folsäure Offensive Schweiz nicht die schlechteste Wahl. Die Zielgruppe wird sich mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Wehmut (“Hach. Das waren noch Zeiten, als wir den Österreichern Wochenende für Wochenende um die Ohren fuhren!”) an Maria Walliser erinnern.

Aber die Zielgruppe weiss auch nach zigmaliger Betrachtung des Walliser-Spots nicht, wieso ausgerechnet eine sehr auf gesunde Ernährung bedachte Sportikone an Verdauungsbeschwerden leiden soll. Die Zielgruppe hat keine Ahnung, was die Handycam, mit der sich die Protagonistin die ganze Zeit selber filmt, als ob sie noch nie eine Kamera aus der Nähe gesehen hätte, mit saurem Aufstossen, Magenkrämpfen und steinhartem Stuhl zu tun haben könnte. Und die Zielgruppe ist zweifellos intelligent genug, um zu merken, dass die Sache nur schon logisch nicht aufgeht: Erst behauptet Walliser, seit sie Actimel entdeckt habe, gehe es ihr viel besser. Sekunden später tut sie, als ob das Zeug zum ersten Mal probieren würde.

Das alles wäre halbwegs zu verkraften, wenn der Spot wenigstens etwas aussagen würde. Die Werbung der Swisscom zum Beispiel

schauen sich garantiert auch überzeugte Sunrise-Kunden immer wieder gerne an, weil sie eine nette Geschichte erzählt, die schöne Gefühle auslöst, überrascht und erst noch witzig ist.

Aber nein. Stattdessen: “Grüezi. Ich bi d Maria Walliser. Ich möcht…”.

Und überhaupt: Wieso hat man nicht trotz (oder gerade wegen) allem Jörg Kachelmann weiterwerben lassen? Das wäre so einfach: Man nimmt

den Film, der den Wetterfrosch beim Gang in die Untersuchungshaft zeigt,

und synchronisiert ihn neu mit “Es schlägt mir ein wenig auf den Magen. Aber Actimel hilft.”

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Das erste Bild!

Gwundernasen, aufgepasst: Hier ist das erste Bild von meinem jüngsten Neffen Robin Lemmy:

Die glücklichen Eltern teilen dazu mit:

“Nach nächtelangen Diskussionen, teuren Besuchen bei renommierten Beratern und mehrfachen psychologischen Einschätzungen haben wir uns entschlossen, dem immensen Druck der Öffentlichkeit nachzugeben und von unserem Sohn nun doch ein Bild zu veröffentlichen.”

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Das Jahr, das war

Mist: RTL war wieder schneller. Während ich noch hin- und herüberlegte, ob ich meinen Jahresrückblick schon am 30. oder erst am 31. Dezember online stellen soll, präsentierte Günther Jauch schon gestern, am 4. Dezember, die “Menschen, Bilder und Emotionen” der letzten…äh…zwölf Monate. Aber immerhin: Falls ich mich spute, schaffe ich es noch, die Konkurrenz vom ZDF abzutrocknen. Sie führt die “Menschen 2011″ erst am nächsten Sonntag vor. Irgendwann werden die ersten Jahresrückblicke Mitte Juni gezeigt werden. Spätestens dann werde ich darauf verzichten, mich an  diesem unwürdigen Rennen um Quoten und Klicks zu beteiligen. 

Aber item. Hier sind, chronologisch ungeordnet und total subjektiv ausgewählt, meine Highlights des an Höhepunkten erneut nicht armen ablaufenden Jahres. Falls ich jemanden oder etwas vergessen haben sollte – und das habe ich bestimmt! -: Sorry. Ist nicht böse gemeint. Es würde einfach den Rahmen meines Internets sprengen, all das Tolle aufzuzählen, was ich seit Januar sehen, spüren, hören oder kurz: erleben durfte.

Die zwei schönsten Ereignisse überhaupt waren die Hochzeit von meinem Brüetsch und seiner Judith am 13. Mai und, am 17. September, die Geburt ihres Sohnes Robin Lemmy. Bilder vom Wedding 2011 gibt es nicht. Das heisst: Doch, natürlich gibt es welche, haufenweise sogar. Aber weil das Brautpaar die Gäste gebeten hat, keine Fotos von seinem grossen Tag zu veröffentlichen, hänge ich in meinem virtuellen Wohnzimmer weiterhin nichts auf, was Rückschlüsse auf die Teilnehmerliste oder den Ablauf der Feier zulassen würde. Und behelfe mich, um diesen Beitrag trotzdem irgendwie illustrieren zu können, mit unverfänglichem Archivmaterial (das die beiden, liebe Kolleginnen und Kollegen aus den Klatschressorts, im Fall nicht auf der Hochzeitsreise zeigt).

Das Theaterereignis des Jahres fand auf der Moosegg statt: “Eichbüelersch – e starchi Frou” – das war ein hochklassiges Freilicht-Schauspiel in einer prächtigen Naturkulisse hoch über dem Emmental. Die Geschichte um eine vom Schicksal arg gebeutelte Familie liess, trotz aller Tragik, viel Raum für Hoffnung und dürfte keinen einzigen der zigtausend Menschen, die in diesem Sommer den Weg auf die Moosegg gefunden hatten, unberührt gelassen haben.

Die Equipe des Jahres ist das “Forum”-Team der BZ. Unser Arbeitsprinzip ist relativ simpel: Wir machen, was wir wollen, und zwar perfekt (das wäre jedenfalls die Idee). Es hat in den letzten 25 Jahren sowieso nur sehr, sehr wenige Tage gegeben, an denen ich lieber zuhause geblieben als auf die Redaktion gegangen wäre. Aber seit ich im “Forum” mitwirke, schreibe ich “Arbeit” in Anführungszeichen. Wünsche erfüllen, mit Lesern diskutieren, einfach drauflostippen und schauen, was passiert, mit Worten und Bildern spielen und dafür erst noch bezahlt werden: Was ich in Bern seit gut einem Jahr treibe, kommt meiner Vorstellung vom Journalistenparadies sehr, sehr nahe.

Die CD des Jahres haben die Stranded Heroes produziert. “Metamorphin” heisst das Werk, mit dem die ambitionierte Truppe aus dem aargauischen Seetal Laien und Fachleute gleichermassen verblüfft. Sollten die Heroes bald einmal im Emmental stranden, müssten sich die Lokalmatadoren von Shakra warm anziehen.


Das Konzert des Jahres gaben – grosse Überraschung! – Toto am “Live at Sunset”-Festial in Zürich. Auch Monate später weiss ich nicht, wie ich beschreiben könnte, was mein Schatz und ich damals direkt vor der Bühne fühlten. Und weil ich auch nicht weiss, wieso ich das überhaupt beschreiben soll, belasse ichs bei einem Müsterchen.

Der Herrscher des Jahres ist unser Quartierkater Mauz. Niemand im alten Markt hat die Lage so souverän im krallenbewehrten Griff wie er. Niemand sonst achtet so genau darauf, wer kommt und wer geht. Niemand sonst kann mit einem einzigen Muskelzucken soviel Desinteresse signalisieren. Niemand sonst legt sich so ungeniert in anderer Leute Gartenbeetchen. Niemand sonst schafft es, sich zu jeder beliebigen Tages- oder Nachtzeit Zutritt zu fremden Treppenhäusern und Kellern zu verschaffen, ohne, dass ihm das jemand ernsthaft verübeln würde.

Tookmaschter des Jahres ist Aschi Rüegsegger. Der Bauer und Betreiber einer Kleinstsägerei in Eggiwil trifft sich, wenn es die Arbeit und die Frau Gemahlin zulassen, in der kulturfabrikbigla mit aller Gattig Lüüt, um über Themen zu reden, die niemanden interessieren und dabei zu Erkenntnissen zu gelangen, die keinen Menschen weiterbringen. Im Herbst hatten Hannes Zaugg-Graf und ich die Ehre, zu “Aschis Gaschtig” zu zählen. Wir verbrachten einen ausgesprochen kurzweiligen Abend auf dem zersägten Sofa.

Das Gebäck des Jahres ist der Apfelkuchen von meinem Schatz. Wer ihn schon probiert hat, weiss, wovon ich schreibe.

Das Buchprojekt des Jahres sind die dritten “Mordsgeschichten aus dem Emmental”. Verena Zürcher vom Landverlag hat wiederum zwei Dutzend Schreibtischtäterinnen und -täter eingeladen, eine Kurzgeschichte zu verbrechen. Die Vernissage der Anthologie findet am 1. Juni 2012 in der Heimstätte Bärau statt. Dann wird auch der Krimi-Wanderweg eingeweiht.

Der Film des Jahres heisst “Wasser für die Elefanten”. Das Opus dreht sich um einen Zirkus und dessen halb wahnsinnigen Direktor und einen Elefanten und einen Dompteur und eine Frau und überhaupt. Für jene, die immer noch an einem tollen Weihnachtsgeschenk herumstudieren: Der Streifen ist jetzt als DVD erhältlich. Meine Adresse: alter Markt 6, 3400 Burgdorf.

Die Frage des Jahres lautet: “Sag mal: Wann heiratet ihr eigentlich?” – Nun: Eigentlich spricht ja wenig dagegen, das Datum hier und jetzt, wos rückblickend schon fast ein bisschen feierlich geworden ist, zu verraten. Es dauert ja auch nicht mehr ewig bis zum Tag X. Andrerseits: Wers wissen muss, weiss es längst. Alle anderen erfahrens spätestens dann, wenn es vorbei ist. Hier, in diesem Blog. Vielleicht sogar mit einem Bild. Vielleicht aber auch ohne.

Wir machen uns da noch keine soooo grossen Gedanken. Und freuen uns einfach nur darüber, dass wir bereits wissen, was das Ereignis 2012 sein wird. RTL und ZDF und alle anderen tappen in dieser Hinsicht noch im finstersten Dunkeln.

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Burgdorfs Topmodels

Falls es jemanden interessiert: Dabei ist – nebst anderem – das herausgekommen.

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Noch eine Einladung

Manche könnens kaum erwarten: Alle Jahre wieder versammeln sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von grossen und kleinen Firmen zum grossen Weihnachtsessen. Was manche nicht bedenken: Organisatorisch gibts auf dem Weg zum Buffet zig Hürden zu nehmen. Olga Meier-Eiergeist, die fiktive Personalchefin einer ebenso fiktiven Firma, kann davon traurige Liedchen singen.

1. Dezember

LIEBE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Hiermit möchte ich Sie alle herzlich zu unserer diesjährigen Weihnachtsfeier am 20.12. im Argentina-Steakhouse einladen. Zu einer kleinen Musikband werden wir heimelige Weihnachtslieder singen und unser Geschäftsführer wird als Weihnachtsmann verkleidet die Christbaumbeleuchtung einschalten!

Ich freue mich auf Ihr Erscheinen und wünsche Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Adventszeit.

Olga Meier-Eiergeist, Leiterin Personalabteilung

2. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Auf gar keinen Fall sollte die gestrige Mitteilung unsere türkischen Kollegen isolieren. Es ist uns bewusst, dass Ihre Feiertage mit den unsrigen nicht ganz konform gehen: Wir werden unser Zusammentreffen daher ab sofort “Jahresendfeier” nennen. Es wird auch keinen Weihnachtsbaum geben und singen werden wir auch nicht. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine schöne Zeit.

Olga Meier-Eiergeist, Leiterin Personalabteilung

3. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Ich nehme Bezug auf einen diskreten Hinweis eines Mitglieds der Anonymen Alkoholiker, welcher einen “trockenen” Tisch einfordert. Ich freue mich, diesem Wunsch entsprechen zu können, weise jedoch darauf hin, dass dann die Anonymität nicht mehr unbedingt gewährleistet sein wird…

Olga Meier-Eiergeist, Leiterin Personalerforschung

7. Dezember

AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Es ist mir gelungen, für alle Mitglieder der “Weight-Watchers” einen Tisch weit entfernt vom Buffet und für alle Schwangeren einen Tisch ganz nah an den Toiletten reservieren zu können. Schwule dürfen miteinander sitzen.
Lesben müssen nicht mit Schwulen sitzen, sondern haben einen Tisch für sich alleine. Na klar, die Schwulen erhalten ein Blumenarrangement für ihren Tisch. Endlich zufrieden?

Olga Meier-Eiergeist, Leiterin Klappsmühle

9. Dezember
AN: ALLE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

SELBSTVERSTÄNDLICH WERDEN WIR DIE NICHTRAUCHER VOR DEN RAUCHERN SCHÜTZEN UND EINEN SCHWEREN VORHANG BENUTZEN, DER DEN FESTRAUM TRENNEN KANN, BZW. DIE RAUCHER VOR DEM RESTAURANT IN EINEM ZELT PLATZIEREN.

OLGA LALLA SCH. MEIER-EIERGEST, LEITERIN IRRENHAUS

10. Dezember

Vegetarier! Auf Euch habe ich gewartet! Es ist mir scheissegal, ob’s Euch nun paßt oder nicht: Wir gehen ins Steakhaus!!! Ihr könnt ja, wenn Ihr wollt, bis auf den Mond fliegen, um am 20.12 möglichst weit entfernt vom “Todesgrill”, wie Ihr es nennt, sitzen zu können. Labt Euch an der Salatbar und fresst rohe Tomaten!

Übrigens: Tomaten haben auch Gefühle, sie schreien wenn man sie aufschneidet, ich habe sie schon schreien hören, ätsch ätsch ätsch! Ich wünsch Euch allen beschissene Weihnachten, besauft Euch und krepiert!!!!!

Die Schlampe aus der dritten Etage, die MIT EUCH ihre Zeit verplempert.

14. Dezember

LIEBE MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER

Wie wir hören, geht es Frau Meier-Eiergeist langsam besser. Schon in den nächsten Monaten soll das Besuchsverbot von Seiten der Sanatoriumsleitung aufgehoben werden.

Jens-Peter Müller, Interimsleiter Personalabteilung
P.S: Die Weihnachtsfeier am 20.12. ist abgesagt.

(Dieser Text kursiert im Internet. Ich habe ihn, weil er mir so gut gefällt, einfach geklaut und hoffe, dass der Urheber – oder die Urheberin – das nicht merkt).

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Ist doch gerne geschehen

Eben: Wir haben bei der BZ ja die Rubrik “Wünsch dir was”. Sie ist ein grosser Erfolg – für alle Beteiligten: Die Menschen, für die ein Traum Wirklichkeit wird, freuen sich ebensosehr darüber wie die Leute, die den Traum Wirklichkeit werden lassen.

Neulich aber…

…neulich lag ein Brief von einer Mutter in meinem Mailfach. Sie schrieb, dass ihr Sohn ein riesengrosser Fan des FC Sowieso sei und sich nichts sehnlicher wünsche als ein original echtes und möglichst schon getragenes Leibchen des Spielers X.

Nun sind Sportvereine im Allgemeinen und Fussballclubs im Besonderen bei der Erfüllung von solchen Wünschen erfahrungsgemäss sehr, sehr zurückhaltend. Sie befürchten – sicher nicht ganz zu Unrecht – Hunderte von Anhängern zu enttäuschen, wenn sie einem einzelnen Fan ermöglichen, einen Spieler zu treffen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen oder, wie in diesem Fall, ein ganz besonderes Souvenir zu ergattern.

Deshalb fragte ich gar nicht erst bei dem Verein an. Stattdessen bat ich einen Arbeitskollegen, der sich fast hauptberuflich mit dem Club beschäftigt, sich einmal unauffällig bei X zu erkundigen, ob er einem Kind vielleicht eines seiner Shirts abtreten würde.

Ein paar Tag später berichtete mir der Kollege, das sei kein Problem. X mache bei der Aktion gerne mit.

Das sicher lösbare Problem sei nur: Vor oder nach einem Meisterschaftsspiel sei es ihm unmöglich, das Shirt zu übergeben. Er schlage deshalb vor, dass die Mutter und/oder ihr Sohn am Donnerstagmorgen zwischen 10 und 11.30 Uhr zum Training kommen; dann könne er ihnen das Leibchen persönlich aushändigen.

In der Annahme, ihr – und, vor allem: ihrem Sohn – damit eine kleine Vorweihnachtsfreude bereiten zu können, rief ich die Mutter an.

Das Erste, was sie sagte, war: “Aha. Am Donnerstagmorgen? Habe ich keine Zeit. Dann muss ich arbeiten.”

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Wasser, marsch!

Wenn man schon die halbe Tasse ausgetrunken hat und erst dann merkt, dass nur Wasser drin ist und kein Kaffee:

Spricht das gegen die Nespressokapseln – oder für die Maschine?

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Träume sind Wolle

Das war jetzt ein bisschen komisch etwas merkwürdig fast ein wenig unheimlich: Ich hatte von Schafen geträumt. Meinem Unterbewusstsein scheint das Gebimmel und Geblöke zu fehlen, seit die Schafe, die monatelang

an der Wand von “meinem Haus”

und an zig anderen Plätzen in der Stadt herumstanden, im Herbst auf einmal verschwunden waren.

Nach dem Erwachen entdeckte ich in meinem Mailfach neue Post:

“Beim Googeln bin ich unter den Stichworten ‘Schafe’ und ‘Burgdorf’ auf www.bluesler.ch gestossen”, schreibt Doris Schuhmacher aus Burgdorf. Sie betreibe eine Strickerei an der Schmiedengasse 21 und “freue mich über die Schafe, denen ich auf meinem Fussmarsch vom Bahnhof zuweilen begegne”. Es wäre, findet die Leserin, “doch richtig cool, mit der Wolle dieser Tiere Mützen oder Seelenwärmer zu stricken und dann an Burgdorfer zu verkaufen. Lokaler wärs kaum möglich…”.

Deshalb würde sie gerne wissen, “wem gehören diese Schafe? An wen soll ich mich wenden? Wer könnte mir weiterhelfen?”

Nun, liebe Frau Schuhmacher: Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Die einzigen Schafe, deren Herkunft mir bekannt ist, sind jene, die manchmal am Oberstadtweg parkiert sind. Sie gehören dem Widderzentrum Freudigen aus Oberburg. Der Chef bringt die Tiere hin und wieder in die Stadt, um…keine Ahnung…um sie als Rasenmäher zu vermieten, nehme ich an.

Bei der Realisierung Ihrer Geschäftsidee kann ich Sie folglich nicht gross unterstützen. Gegen eine wirklich nur minimunzige Beteiligung an einem allfälligen Umsatz biete ich Ihnen aber einen kleinen Deal an: Sobald die Schafe im Frühling wieder da sind, begleite ich Sie – mit einer Schere, Einwegklingen und einem Kessel Rasierschaum bewaffnet – in einer mondlosen Nacht Ihrer Wahl durch Burgdorf. Dann scheren wir ninjamässig soviele Schafe, wie wir nur können. Und aus der Wolle, die wir damit gewinnen, können Sie nachher den ganzen Sommer lang Winterzubehör stricken, an dem unzählige Leute ihre helle (oder dunkle. Oder tschäggette) Freude haben werden.

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Das Reich der Sterne als Oase der Ruhe

Mit Weihnachtsbeleuchtungen habe ich es sonst nicht so. Weihnachtsbeleuchtungen: Das sind für mich hässige Eltern und nörgelnde Kinder und kalte Hände und abgestorbene Füsse und Krieg in den Läden statt Frieden auf Erden.

Aber es gibt eine Ausnahme: Die Weihnachtsbeleuchtung auf dem Burgdorfer Kronenplatz wirkt, als ob sie von einem besonders poetisch veranlagten Menschen aus dem Märchenland erdacht worden wäre: Jeweils ab Ende November proij proje projj proji malt die Stadt mit gut versteckten Scheinwerfern grosse und kleine Sterne auf die Hauswände in der Oberstadt. Die Sterne bewegen sich gaaaaanz langsam über Mauern und Fenster und Türen und Dächer.

Man kann ewig lange auf dem Platz stehen und den Sternen beim endlosen Kreisen zugucken, ohne, dass einem langweilig wird. Am Allerschönsten ist es, wenn irgendwo ein Musiker mit seinem Cello sitzt und leise Melodien spielt, die den Menschen die Herzen öffnen. Mehr Ruhe und Besinnlichkeit ist mitten im alle Jahre noch strüberen Vorweihnachtszeitstrubel kaum denkbar.

Anschliessend verzieht man sich zu Anita in die “Metzgere” – jedenfalls, solange Anita noch da ist – gönnt sich einen dampfend heissen Kaffee oder Tee und denkt, sich damit ein bisschen selber überraschend: Momoll. Advent ist eigentlich schon eine cheibe schöne Zeit.

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For your ears only

Neulich, an einer Familienfeier: Ein bisschen abseits des Trubels haben sich die Tante und ihr Neffe schon viel zu erzählen.

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Gesundheit!

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Infolge Abwartens eines Lokführers

“Infolge Abwartens eines Anschlusszuges erhält unser Zug eine Abgangsverspätung von zirka fünf Minuten”: Wieso können die Leute in den Zuglautsprechern nicht reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist? Wieso dieses grauenhafte Amtsdeutsch aus der Mitte des letzten Jahrhunderts? Wieso sagen sie nicht einfach: “Wir fahren ein wenig später los, weil wir noch auf einen anderen Zug warten müssen?”

Oder gestern Abend, in Zürich: Für den Zug nach Bern fehlt, warum auch immer, der Lokführer. Das könnte man den Passagieren zum Beispiel so mitteilen: “Guten Abend, liebe Fahrgäste. Sie werden jetzt lachen oder fluchen oder die Köpfe schütteln – aber ich kann es nicht ändern: Der Lokführer ist noch nicht da. Wir sind am Suchen. Sobald wir jemanden gefunden haben, der uns nach Bern bringen kann, gehts los. Bis dahin bitten wir Sie noch um ein bisschen Geduld. Falls jemand im Zug sitzt, der sich zutraut, uns nach Bern zu fahren, soll er sich bitte dort und dort melden.”

Jede Wette: Wer so etwas durchgibt, holt bei den Fahrgästen soviele Punkte, dass es für zwei Karrieren als Lautsprecherdurchsager oder Lautsprecherdurchsagerin reicht.

Aber nein. Stattdessen: “Infolge eines Engpasses in der Disposition des Zugpersonals…”

(Unter dem Titel “Unsinn mit Ansage” hat Bastian Sick im “Spiegel” einige Prachtsbeispiele von Fahrgast-Informationen nach bundesdeutscher Art notiert).

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Stadtbilder (18)

Bahnhof Burgdorf: Um 5.25 Uhr gehts noch genau fünf Minuten, bis der Kiosk aufmacht. Ich bin meist der erste Kunde. Ein Kafi, ein Camel soft – und ab auf den Zug.

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Die schönste Geschichte der Welt

“Schinken und Ei”: Unter diesem Titel schreibt Dialika Neufeld im “Spiegel” über ein Ehepaar, das 72 Jahre Seite an Seite verbrachte. Ich hoffe, dass die Autorin und der “Spiegel” nichts dagegen haben, wenn ich die Geschichte hier weitergebe. Für mich ist es die schönste Geschichte der Welt.

“Der letzte Tag im Leben von Gordon und Norma Yeager begann wie so ziemlich jeder Tag in den 72 Jahren ihrer Ehe: früh und gemeinsam. Sie versorgten gemeinsam ihren Yorkshireterrier. Sie stiegen gemeinsam in ihren rotbraunen Cadillac. Sie wollten zum Frühstücken fahren, so wie jeden Morgen, ein Ei, eine Scheibe Toast, ein Stück Schinken in einem ihrer Lieblingsrestaurants.

An einer Kreuzung auf dem Weg nach Marshalltown, Iowa, hielten sie an einem Stoppschild, er am Steuer, sie auf dem Beifahrersitz. Ein alter Mann mit grossen Ohren und grosser Brille, der viel lachte; eine alte Frau mit gewelltem Haar und rosigen Wangen. Was dann geschah, kam für beide überraschend.

72 Jahre Ehe, das ist fast zweimal so lang wie die Lebenswartung eines Menschen aus Angola. In 72 Jahren dreht sich die Erde mehr als 26 000-mal. In den vergangenen 72 Jahren gab es einen Weltkrieg, der erste Mann betrat den Mond, die Mikrowelle wurde erfunden, der PC. Die Welt veränderte sich, Menschen kamen zusammen, Menschen trennten sich wieder, egal, was um sie herum geschah.

Sie schienen ein Rezept gefunden zu haben. Eine Antwort auf die Frage, die sich Menschen in den USA, in Europa, Afrika, auf der ganzen Welt stellen: Geht das? Zusammen glücklich, bis dass der Tod euch scheidet?

Ihre Kinder Donna, 71, und Dennis, 52, – sie haben selber längst Kinder und Enkelkinder – sollen jetzt Auskünft darüber geben, ständig klingelt das Telefon. Die Geschichte, die sie erzählen, beginnt in den Dreissiger Jahresn.

Gordon und Norma Yeager lernten sich in State Center kennen, einem Kaff, am Lincoln Highway gelegen, der ersten transkontinentalen Strasse. Norma ging noch zur Schule, ein hübsches Mädchen, Tochter eines Fleischers. Sie spielte Basketball. Gordon schraubte in der Werkstatt seines Schwagers, Sohn eines Farmers. Er sah gerne beim Basketball zu.

Gordons Eltern hatten eine Farm, aber wegen der Wirtschaftskrise konnten sie sie nicht halten, schickten ihren 16jährigen Sohn fort zum Geldverdienen. Normans Vater starb früh, und sein Einkommen fehlte. Irgendwo zwischen Autogarage und Basketballplatz lernten sie sich kennen, Norma und Gordon. Sie heirateten am Tag von Normas Schulabschluss, am 26. Mai 1939. Er trug einen Anzug, sie ein blassblaues Kleid. Sie hatten nichts, aber es war egal; so erzählten sie es später ihren Kindern.

Der Krieg begann, sie gingen nach Kalifornien. Gordon heuerte im Hafen an, als Schweisser machte er aus Holzschiffen kriegstaugliche Stahlschiffe. Wenn seine Schicht im Hafen beendet war, arbeitete er ehrenamtlich in der Konservenfabrik und stellte Verpflegung für die Truppen her. Irgendwann reichte ihm das nicht mehr. Er meldete sich für den Kriegsdienst. Dies wäre der erste Moment in ihrem Leben gewesen, der sie hätte trennen können.

Aber Gordon wurde abgelehnt, das Schweissen hatte seine Lunge beschädigt. Statt in den Krieg zu ziehen, übernahm er in State Center eine Tankstelle und später eine Autowerkstatt, die betrieben sie gemeinsam. Vier Kinder bekamen sie, ein Mädchen, drei Jungen, von denen zwei Jungen starben. Dies wäre der zweite Grund gewesen, der sie hätte trennen können.

Aber Norma und Gordon überstanden auch das, blieben zusammen, glaubten daran, dass ein Versprechen ein Versprechen sei, einer ohne den anderen, das geht nicht, sagten beide. Sie wurden älter, mit ihrem jüngsten Sohn fuhren sie campen, fuhren Wasserski, sie kauften einen Hund.

Wenn Gordon etwas erzählte, dann schwieg Norma meist und lächelte. Wenn Gordon irgendwohin wollte, dann folgte sie ihm. Er war gerne laut, sie war leise. Er ass gerne Schinken-Sandwiches, sie machte ihm welche.

Man könnte nun sagen, das die Ehe von Gordon und Norma das Gegenteil einer emanzipierten Ehe war. Ihr Sohn aber sagt, dass diese Art von Ehe seine Mutter glücklich machte. “Sie fühlte sich gekränkt, wenn sie einem nichts zu essen machen durfte”, sagt er.

Als sie in den Ruhestand gingen, wurde ihr Leben angenehm einfach. Morgens guckten sie “Der Preis ist heiss”. Abends sahen sie sich im Fernsehen das “Glücksrad” an. Gordon sagte, dass er nicht vor Norma sterben dürfe. Norma sagte das Gleiche, bloss umgekehrt. Manchmal stritten sie auch. Über den Hund. Aber am Ende des Tages vertrugen sie sich wieder, und am nächsten Morgen fuhren sie zusammen frühstücken, ein Ei, eine Scheibe Toast, ein Stück Schinken.

So auch am Morgen des 12. Oktober. Das Auto, das Gordon übersehen hatte, krachte von der Seite in den rotbraunen Cadillac. Jemand rief einen Krankenwagen, und als sie auf der Intensivstation lagen, mit gebrochenen Knochen, da fragte Gordon, wo Norma sei, und Norma fragte nach Gordon, bis ihre Betten zusammengeschoben wurden und sie sich an den Händen hielten.

Gordon ging vor, um 15.38 Uhr. Norma starb eine Stunde später.”

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Da ist der Wurm drin

Kleiner Service für Nicht-Abonnenten der BZ und Nicht-Mitglieder bei Facebook (also: für rund ein halbes Dutzend Personen): Weils schon wieder schwer weihnachtet und weil deshalb unvermeidlich überall das elende “Last Christmas” zu hören ist, habe ich mich ein bisschen grundsätzlich mit Ohrwürmern beschäftigt.

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Die Massenmörder von nebenan

Wars letzte Woche? Oder vorletzte?

Egal.

Jedenfalls ging es in “Criminal Minds”, meiner aktuellen Lieblings-Krimiserie, um unauffällige Leute, die durch die USA stromern und Menschen aus allen Alters-, Gesellschafts- und Berufsschichten umbringen. Die Polizei schafft es nicht, die Morde miteinander in Verbindung zu bringen. Erst die Profi-Profiler vom FBI lösen das Rätsel.

Ich dachte: Schön und gut und saumässig spannend. Aber mit all den Möglichkeiten, die die Polizei inzwischen hat, um Beweise zu sichern, Spuren zu erkennen und Menschen zu “lesen”, wäre es Verbrechern praktisch unmöglich, jahrelang eine Blutspur durch die Zivilisation zu legen, ohne, dass jemandem ein Muster auffallen würde.

Doch dann passierte – in der Realität und quasi in der Nachbarschaft – das.

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Nur schon diese Wände…

Es mag ja sein, dass ich dazu neige, es manchmal chli zu übertreiben mit meinem ewigen “Burgdorf, Burgdorf über alles“.

Aber ich kann nicht umhin zu sagen: Schönere Wände als in Burgdorf gibts nirgendwo:

Das heisst – doch. In Sydney:

Aber das zählt auf dieser Seite der Erde nicht. Das wäre Burgdorf gegenüber nicht fair.

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Kinder, Karten, Atemnot

Weil sich in den Haus, in dem in Bern die BZ untergebracht ist, auch die Studios und Redaktionen von Telebärn und Radio Capital FM befinden, läuft man immer mal wieder Leuten über den Weg, die berühmt waren, sind oder werden möchten. Polo Hofer zum Beispiel schaut öppedie vorbei; neulich waren Florian Ast und Francine Jordi da. Meist gehen diese Besuche ohne Aufsehen vonstatten: Die Promis kommen, setzen sich vor die Kamera und/oder vors Mikrofon, plaudern über was auch immer und gehen dann ins nächste Studio, in die Beiz oder nach Hause.

Hin und wieder sind Persönlichkeiten da, die etwas zu sagen haben. Heute aber war grosses Politiker-Treffen, wie schon so oft in den letzten Wochen, vor den Ständeratswahlen. Manche Politiker sind so oft in unserem Gebäude, dass ich mich schon gefragt habe, ob es amänd nicht gescheiter wäre, ihnen vorübergehend ein Büro zur Verfügung zu stellen. Darin könnten sie sich als WG einrichten. Wenn einer von ihnen etwas sagen will oder muss, kommt er heraus, gibt sein Statement ab und fertig.

Item. An diesem ansonsten recht schönen Donnerstag gaben sich nicht nur der neu in den Ständerat gewählt werden möchtende Nationalrat Hans Stöckli und die wieder in den Ständerat gewählt werden wollenden Adrian Amstutz und Werner Luginbühl ein Stelldichein am Dammweg 9, sondern auch zwei Dutzend Kinder von Redaktorinnen und Redaktoren, weil: Zukunftstag. Die 50- bis 60jährigen Kandidaten freuten sich gar sehr, als sie der Kleinen angesichtig wurden, und wollten gar nicht mehr aufhören, die Kinder anzulächeln wie Onkels aus Amerika, die zum ersten Mal in ihrem Leben die lieben Neffen aus der Schweiz sehen dürfen.

Doch damit liessen es die Herren nicht bewenden. Staunend-strahlend-baff erzählte eines der Kinder anschliessend, dass es Autogrammkarten erhalten habe. Herr Stöckli (oder Herr Luginbühl; ich habe nicht sooo genau hingehört) habe gesagt, er habe jetzt schon über 20 000 Autogrammkarten verteilt, das sei doch wow, sagte der Knirps.

Man muss sich das vorstellen: Gestandene Männer händigen von der Politik noch ganz und gar unbefleckten Kids Autogrammkarten aus, um…

…um was eigentlich?

Um sich schon heute Stimmen für überüberübermorgen zu sichern? Überüberübermorgen: Das wäre in ungefähr zehn Jahren. Bis dann haben die Jungs und Mädchen wohl kapiert, dass sie in ihrer Freizeit noch Sinnvolleres tun können als Kreuzchen in Ringli vor Namen zu zeichnen, deren Träger allesamt behaupten, kompetent und engagiert und erfahren und umweltbewusst und wirtschaftsfreundlich zu sein, die in Wirklichkeit jedoch alle nur… aber ich schweife ab. Das spielt aber keine Rolle. Denn bis in zehn Jahren haben die Kids sowieso vergessen, wer ihnen damals diese bunten Kartons mit den etwas gekünstelt lächelnden Gesichtern drauf in die Hand gedrückt hatte. Abgesehen davon weiss dann kein Mensch mehr, was das ist, ein Karton.

Wozu dann?

Um die Kleinen dazu zu bringen, beim Znacht unversehens auf den Stuhl zu steigen und den Eltern zuzurufen: “Wählt Stöckli! Der hat viel die geileren Autogrammkarten als dieser andere!!”

Sicher nicht. Oder doch?

(Mo-ho-ment. Bin…so-hooooo-fort…wieder…)

*hust*, *röchel*

So.

Die Sache ist: Als ich vorhin so vor mich hin sinnierte, wie zum Teufel Politiker darauf kommen, Kindern Autogrammkarten zu geben, schlich sich von hinten und von mir unbemerkt die Vernunft an. Sie würgte mich, bis ich fast keine Luft mehr bekam, und flüsterte: “Könnte es vielleicht sein, dass du hier nur deine blöden, alten Vorurteile hegst und pflegst? Hast du dir auch schon überlegt, dass die Politiker den Kindern diese Karten möglicherweise nur gegeben haben, um ihnen eine Freude zu machen? Hast du schon daran gedacht, dass die Herren gar nicht wissen konnten, dass Kinder umewäg sind, und dass nicht einmal du von Politikern erwarten kannst, dass sie immer Luftballons und Nintendo-Konsolen und Strohrum und eine Auswahl halbautomatischer Waffen in der Jackentasche haben, damit sie überraschend auftauchenden Minderjährigen etwas schenken können? Was hättest du diesen Kindern angeboten, wenn sie auf einmal vor dir gestanden wären? Eine Zeitung? Einen Schlüsselanhänger? Wenn ja: Wäre das wirklich sehr viel intelligenter gewesen als eine Autogrammkarte? By the way: Hast du überhaupt Autogrammkarten?”

Als ich mich innerlich schon von einem grossen Teil meiner Lieben verabschiedet hatte, löste die Vernunft ihre Umklammerung und verschwand so unauffällig, wie sie gekommen war, aus meinem Büro.

Jetzt höckle ich chli belämmert hier, ringe um Atem und frage mich, wieso ich den ganzen Stuss da oben überhaupt geschrieben habe.

Das bringt nichts mehr, jetzt. Vielleicht schreibe ich später weiter.

Wahrscheinlich aber eher nicht.

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What a wonderful Hühnerhaut

Auch Leute, die Coldplay und ihre Musik nicht mögen, haben auf Hundert und zurück gleich Hühnerhaut:

Etwas viel Wunderschöneres  ist auf einer Bühne kaum vorstellbar.

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Aller mörderisch guten Dinge sind drei

Zufälle gibts: Am selben Tag, an dem ich Verena Zürcher vom Landverlag meinen Krimi für den dritten Band der Mordsgeschichten aus dem Emmental geschickt hatte, präsentierte sie den Autorinnen und Autoren und weiteren Interessierten das Cover für das Buch.

 

 

Die Vernissage der Anthologie, an der wiederum zwei Dutzend Mordlustige mitwirken, steigt am 1. Juni 2012 in der Heimstätte Bärau. Am selben Tag wird der Mordsgeschichten-Weg eröffnet. Auf diesem können sich Spaziergänger an verschiedenen Plätzchen hinsetzen und sich, mit Blick auf das liebliche und friedliche Ämmitau, einen unserer Krimis vorlesen lassen.

Wer mit dem Zuhören nicht so lange warten mag: Am 31. März findet auf der Bäregghöhe eine Lesung von Beiträgen aus dem zweiten Band der Mordsgeschichten statt. Auch die Freundinnen und Freunde des gepflegten Spuks dürften auf ihre Kosten kommen.

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Der grosse Tag rückt näher

 

Langsam “nachets”, wie der Berner sagt. Der grosse Tag ist nicht mehr soweit entfernt wie auch schon.

Die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen: Auf unsere Einladung hin haben sich schon erfreulich viele Leute angemeldet.

Was ihnen kulinarisch geboten wird, ist seit gestern klar. Das Rahmenprogramm steht, wenn auch noch nicht in allen Details. Unser Wunsch, die Sache nicht zu etwas allzu Pompösen ausarten zu lassen, wird, wenn wir das richtig überblicken, erfüllt. Uns war und ist vor allem wichtig, dass sich die Gäste zwanglos wohlfühlen; auf den ganzen Chichi, ohne den andere nicht auszukommen scheinen, verzichten wir gerne. Wir wollen einfach ein paar gemütliche Stunden mit Menschen verbringen, die uns sehr am Herzen liegen.

In einem Satz: Wir sind bereit.

Weihnachten kann kommen.

 

 

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“Null Ahnung von was Sache ist”

Wer bei Google “Roxette”, “Konzert” und “Locarno” eintippt, entdeckt

 

 

 

 

 

 

 

relativ weit oben

einen Text, den ich im Sommer über den mich chli frustrierenden Auftritt des schwedischen Pop-Duos am Moon and Stars-Festival verfasst hatte.

Nachdem diese Anmerkungen auf verschlungenen Pfaden in einem Roxette-Fanforum gelandet waren, erreichte mich – primär aus deutschen Landen – der eine und andere Leserbrief. Der Grundton klang bei bei fast allen Zuschriften ähnlich: “Schwachsinn” sei der Bericht, ein fertiger “Mist” und eine “Respektlosigkeit” sondergleichen.

Das alles wäre weiter nicht erwähnenswert. Doch Ende Oktober beehrten Marie Fredriksson und Per Gessle die Schweiz erneut mit einem Besuch. Und vor den Gigs in Genf und Zürich wollten offensichtlich sehr viele Menschen wissen, wie sich Roxette bei ihrem Auftritt im Tessin gemetzget hatten. Also suchten sie mit “Roxette”, “Konzert” und “Locarno” nach Kritiken und fanden…: Erraten.

Wenig überraschend, hatte ich bei meinen Blicken ins Mailfach in den letzten Tagen folglich ein Déja-lu nach dem anderen. “Katastrophe”, “Kacke”, “Scheisse”, “unwürdig”, “total daneben”, “plemplem”, “hirnverbrannt”, “hirnrissig”, “abartig”: So wurde das “peinliche Geschreibsel” dieser “armen Wurst” mit “null Ahnung von was Sache ist” beurteilt.

Was mich ein wenig beunruhigt: In die Tasten hauten nicht verhaltensauffällige Nacherziehungsbedürftige an bei Aldi geklauten Computern. Sondern Angehörige des “zahmsten Publikums der Welt”.

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Voll Tütsch, Mann

Dieses Plakat hängt im Zürcher Hauptbahnhof und bestimmt noch an zahllosen weiteren Plätzen, an denen es von Eltern, die keine Ahnung haben (wollen), was sie mit ihren Kindern unter der Woche anstellen könnten, nur so wimmelt:

Aber wenn die lieben Kleinen in der Krippe so “super Tütschlehre”: Wieso sprechen dann einheimische Jugendliche, als ob sie erst vorgestern aus der hintersten Ecke von Anatolien in die Schweiz eingewandert wären?

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Annäherung im Morgengrauen

Am Anfang, vor ein paar Wochen, war er nur ein Schatten. Jeden Morgen um kurz nach 5 sah ich ihn über den Burdorfer Kronenplatz huschen.

Als ich ihn zum ersten Mal erblickte, fragte ich mich, was er um diese Zeit an diesem Ort wohl zu suchen haben könnte. Doch als ich später, als ich einmal etwas früher dran war, bemerkte, dass er mit einem Auto in die Oberstadt hochgefahren war, verflog meine Skepsis. Wäre er ein Drogendealer oder ein Einbrecher auf Erkundungstour, würde er wohl mehr Wert auf seine Tarnung legen, dachte ich.

Nach einer Weile hatte ich mich an den Anblick des Mannes gewöhnt. Er stammt wohl aus einem afrikanischen Land, ist vermutlich noch keine 30 Jahre jung und verdient sein Geld offensichtlich damit, ein Geschäft am Kronenplatz tagtäglich mit allerlei Ware zu beliefern.

Kommunikationstechnisch ist zwischen uns erst wenig gelaufen: Obwohl wir zu dieser Stunde jeweils die einzigen Menschen weit und breit sind, haben wir noch kein Wort miteinander gewechselt.

Aber wir sind auf guten Wegen: Heute Morgen machte ich aus einer guten Laune heraus das Victory-Zeichen, als ich ihn erblickte. Er grüsste mit erhobenem Zeige- und Mittelfinger zurück und grinste.

Wer weiss: Vielleicht wünschen wir uns Mitte nächsten oder übernächsten Jahres schon gegenseitig einen schönen Tag.

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Stadtbilder (17)

Als ob es Blätter regnen würde: Blick von Burgdorfs Unter- in die Oberstadt.

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