Kältekunst

Für alle, die gerade nicht wissen, wohin mit ihrer Kreativität: Mit einem heissen Kafitassli lassen sich wunderschöne Muster auf verschneite Balkontische zaubern.

Viren machen Worte

Corona verändert nicht nur die Menschen, sondern auch die Sprache. Wegen Covid-19 gehören heute Begriffe zu unserem Alltag, die uns vorher völlig fremd waren. Laut Forscherinnen und Forschern des Leibnitz-Instituts entstanden wegen der Seuche bisher über 1500 Worte.

Von „Contact Tracern“ zum Beispiel sprach im Dezember 2019 noch kein Mensch. Heute weiss jedes Kind, wer damit gemeint ist. Leute wie du und ich reden von der „Basisreproduktionszahl“ in „Hochfrequenzrisikogebieten“ mit der selben Selbstverständlichkeit wie von der richtigen Käsesorte im Cordon bleu.

Der „Antigentest“, die „Superspreader“, das „Präventionsparadox“, der „Schwellenwert“, die „Vorquarantäne“, die „Impfparty“ oder die „Covidioten“ gehören genauso zur Standardausrüstung jeder Wortschatztruhe wie der „Wellenbrecher-Lockdown“, die „Mutantenviren“, die „Populationsimmunität“, die „Selbstisolation“, das „Social Distancing“ oder die „Teilimmunität“.

Nur: Wann und in welchem Zusammenhang wurden diese Begriffe zum ersten Mal verwendet? Und was bedeuten sie überhaupt?

Der Langenthaler Künstler Hubert Bienek hat sich die Mühe gemacht, zig coronaspezifische Ausdrucke „zur Ansicht“ und „zum Bedenken“ in einem „pandemischen Glossar“ aufzulisten. Als Quellen dienten ihn Tageszeitungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Mallorca.

Der Autor versteht den gut 100 Seiten umfassenden Band „weniger als Kompendium zur Wissensvermittlung, sondern als „linguistischen Seismografen“ oder eine „Phänomenologie der Begrifflichkeiten“, wie er im Vorwort schreibt.

Bei der Lektüre des kleinen Lexikons stösst man auf fast schon niedliche Schöpfungen wie den „Impfling“ und Ungeheuer wie den „Seuchenmerkantilismus“.

Etwas verbindet all diese Begriffe: Wie der Virus, dem sie ihr Dasein verdanken, sind auch sie gekommen, um zu bleiben; ob uns das passt oder nicht. Hubert Bienek sorgt mit seinem Büchlein dafür, dass wir unsere neuen Begleiter durchs Leben ein bisschen besser kennenlernen dürfen.

Und zeigt, fast nebenbei, auf, auf was für Ideen Menschen kommen können, die über Nacht Worte für etwas erfinden müssen, wofür es eigentlich gar keine Worte gibt.

„Das pandemische Glossar – ein linguistischer Seismograf“ ist im Buchhandel erhältlich. ISBN-Nummer: 978-3-907262-27-6.

Glückstreffer

Erst klappte er blitzartig seine Lamellen zu, um sich möglichst unsichtbar zu machen, dann wollte er sich panisch wegducken, aber ich habe den scheuen Mondschirm trotzdem (erstmals in freier Wildbahn!) erwischt.