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10 search results for "Parque tropical"

Fischlein duck dich

In dem Moment, in dem die Goldfische im Teich des Parque Tropical-Hotels in Playa del Inglés ihr allmontägliches „Das wird wieder eine Mist-Arbeitswoche geben“-Gejammer anstimmten, legten sich zwei Schatten auf die Wasseroberfläche.

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Unter Oholdies

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii (wer jetzt tagelang diesen Wurm im Ohr hat, kann sich trösten: Es gäbe Schlimmeres; viel Schlimmeres), und ich war auch noch niemals auf Gran Canaria, jedenfalls nicht im Oktober und November.

Gran Canaria im Oktober und November unterscheidet sich von Gran Canaria im Dezember, Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August und so weiter in zweierlei Hinsicht: Es windet stärker als sonst, und jetzt, wenige Wochen vor Weihnachten, ist die Zeit, in der Senioren scharenweise vom Festland auf die Insel strömen, um ein bisschen Sommer in den Winter hinüberzuretten.

In dem Hotel, in dem auch ich die Kältemonate um zwei Wochen abkürze, gehöre ich zu den jüngeren Gästen. Ein Tollhaus für Teenager ist das Parque Tropical in Playa del Inglés ohnehin nicht, wie ich schon bei mehreren Gelegenheiten erfahren durfte (und wie bestimmt auch das spanische Königspaar weiss, das sich in diesem Etablissement dem Vernehmen nach öppedie top anonym von den Strapazen des Regierens erholt). Aber als ich am Mittwoch eincheckte, fragte ich mich trotzdem kurz, ob der Taxifahrer mich wirklich an der richtigen Adresse und nicht vor einer geriatrischen Klinik abgesetzt habe.

Inzwischen habe ich mich an mein Umfeld gewöhnt (und es sich umgekehrt hoffentlich auch an diesen gmögigen Burschen mit der schicken Brille, der immer nur Aqua mineral naturale con gas trinkt). Genauer gesagt: Zu meiner eigenen Überraschung gefällt es mir hier cheibe guet.

Das hat nicht nur mit der Sonne und dem Sand und dem Suppenangebot (auf die Schnelle fiel mir kein anderes Wort ein, das mit S beginnt und die „Sonne“- und „Sand“-Alliteration quasi zu einer Dreifachpirouette veredelt) zu tun, sondern auch mit meinen Mitbewohnerinnen und -bewohnern.

Letzte Nacht fegte ein Sturm dermassen heftig durch die Anlage, dass ich schon um 3 Uhr erwachte, statt bis um 4 ausschlafen zu können. Ich riss das Fenster auf, um zu checken, ob die Evakuierungen schon im Gange seien, und staunte nicht schlecht: Direkt vor meinem Gemach hingen die Palmen sozusagen fast quer in der Luft. In das wütende Tosen des Windes mischte sich das krachende Rauschen der Brandung.

Einen Moment lang dachte ich darüber nach, inwiefern es wohl relevant für das lokale Schiff- und Fischgewerbe sei, wenn die Wellen von so einem Orkan ins Meer hinaus statt landeinwärts getrieben werden, wurde aber aus meinen wirtschaftspolitischen Erwägungen gerissen, bevor ich sie zu Ende denken konnte, denn in einem Zimmer gegenüber ging ein Licht an.

Ich sah einen Menschen durch den Raum tappen. Wenig später kam er zurück. Dort, wo ich das Bett vermutete, hielt er inne. Dann beugte die Figur sich hinunter. Ich dachte, oha, jetzt gehts los, und wünschte den beiden bei allem, was sie vorhaben mochten, viel Kraft, Vergnügen und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Aber dann bemerkte ich, wie die Person sich aufrichtete. Ihre  Bewegungen wirkten umständlich. Nach Spass sahs jedenfalls nicht aus, sondern eher nach Chrampf.   

Auf einmal standen zwei Menschen am Fenster; ein sehr grosser und ein viel kleinerer. Der grosse führte den kleinen aus dem Zimmer. Das Licht erlosch. Sekunden später schwang die Balkontüre auf. Ins Freie traten Arm in Arm ein sehr, sehr alter Mann und eine ebenso betagte Frau, wie ich im schummrigen Schein der Aussenbeleuchtung erkennen konnte.

Der Mann half der Frau, sich auf einen der Stühle zu setzen. Er tat das mit einer Hingabe und Zärtlichkeit, die mich – ungelogen – rührte. Als er sicher sein konnte, dass sies bequem hat, nahm er neben ihr Platz. Andächtig wie auf einer Kirchenbank beobachteten sie, wie die Natur sich in der Hotelanlage austobte.

Zwei Stunden später strichen die ersten Sonnenstrahlen über die Dächer. Der Sturm hatte sich in ein Lüftchen verwandelt. Die beiden höckelten immer noch da. Sie hatte ihren Kopf an seinen Oberarm gelegt und schlief. Seine Augen waren ebenfalls geschlossen, doch ich wäre jede Wette eingegangen, dass er hellwach war, um seiner Frau sofort helfen zu können, wenn sie etwas benötigt.

So sind sie, meine Oldies: Würdevoll, liebenswert – und immer füreinander da. Sie stellen ans Personal keine unerfüllbaren Ansprüche. Sudokus, Bücher oder Schach genügen den meisten, um sich die freie Zeit zu vertreiben. Manche diskutieren, viele geniessen das Dolce far niente schweigend. Hier tippt ein Ömchen hochkonzentriert auf dem Handy herum, dort blättert ein Silberrücken in einem Prospekt. Ab und zu dringt ein Kichern an meine Ohren, hin und wieder lacht jemand laut auf. Ansonsten ist wenig zu hören: Niemand hüpft grölend ins Becken, niemand brüllt nach der Bedienung, niemand schaut fern, obwohl das Gerät ununterbrochen läuft.

Contenance bewiesen meine Mitbewohnerinnen und -bewohner schon vorher: Ohne zu ellböglen oder dem Vordermann den Rollator in die von Krampfadern überwucherten Kniekehlen zu rammen, standen sie vor dem Restaurant seelenruhig Schlange, bis das Zmorgebuffet eröffnet wurde. Während die U50-Fraktion kurzbehost und in T-Shirts durch den Saal lümmelte, pickten die reiferen Semester den Käse, die Gipfeli, die Schinkenscheiben und alles wie aus dem Truckli gewandet von den Tabletts.

«Wir starten mit der Wassergymnastik!», schepperte es gegen Mittag aus den in den Bäumen versteckten Lautsprechern. Dick und dünn und Deutsch und Dänisch und grau und glatzköpfig versammelten sich nadisna im Pool, um die schlappen Glieder zumindest einmal am Tag chly auf Touren zu bringen.

Vom Beckenrand aus rief ihnen eine Hotelmitarbeiterin in einem hautengen hellblauen Ganzkörperdress zu, sie sollen vorwärts laufen und wieder rückwärts und dann ihre knallbunten Schwimmhilfen rhythmisch über den Köpfen hin- und herbewegen, «und zwar alle, meine Lieben!», und in den Boxen, in denen eben noch Richard Clayderman balladepouradelinte, waren jetzt offenkundig auf Speed gesetzte Südamerikanischer zu Gange, die mit Gitarren, Panflöten und Trommeln ohne Pause darboten, was die Anden an Liedgut hergeben, und nachdem alles vorbei war, stiegen die Seniorinnen und Senioren strahlend aus dem Wasser und verabschieden sich höflich von der Animatrice, die mindestens ihre Grossenkelin sein könnte, und schlurften zurück zu ihren Sudokus und Büchern und hatten für den Rest des Tages genau den Frieden, nach dem unzählige Jüngere in den Ferien oft ewig suchen, ohne ihn je zu finden.

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Inselleben (I)

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Tag 1, früher Abend

Vor zwei Stunden bin ich in Las Palmas gelandet. Jetzt höckle ich, um mich chli anzuklimatisieren (um 19 Uhr haben wir hier noch 28 Grad. An die Leserschaft in Archangelsk: Da könnt ihr lange üben, isn’t it?!?), an der Poolbar des „Parqué Tropical“.

Kaum habe ich mich innerlich halbwegs von der Schweiz verabschiedet und mich ein bisschen mit dem österreichischen Kellner unterhalten, brüllt ein junger Basler quer über den Tresen hinweg: „Ich glaubs ja nicht: Ein Schweizer!!“

Es kommt, wie es in solchen Fällen immer kommt: Der Beppi zügelt neben mich und verwickelt mich in ein Gespräch. Offensichtlich ist er zum ersten Mal in diesem Hotel und augenscheinlich hat er bei der Wahl seiner Unterkunft irgendetwas falsch gemacht. Hier sei ja nichts los, meckert er, es sei immer so ruhig, und wenn man etwas erleben wolle, müsse man dafür extra in die Stadt fahren, und überhaupt: Tote Hose zäntume, nur am Strand unten nicht, aber dort habe es dermassen viele Leute, dass, und so weiter und so fort.

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Dann schlurft sein Kollege über den Platz, setzt sich zu uns, haut meinem neuen Freund auf die Schultern, sagt, „der beste Wingman aller Zeiten!“ und doziert lang und breit, wie toll das hier sei, diese Ruhe, und sein Kumpel, der mir wegen genau dieser Ruhe gerade noch das nicht vorhandene Poschettli vollgeheult hatte, stimmt ihm vorbehaltlos zu.

Tag 1, späterer Abend: In der keine 200 Meter entfernten Stadt ist es seltsam ruhig geworden. Soeben mussten die Spanier der Fussball-WM adiós sagen, was sich nicht nur hör- und spürbar auf die Laune der kleinen Spaniergemeinde in Playa del Inglés niederschlägt, sondern irgendwie auch auf das Befinden vieler Temporär-Immigrantinnen und -Immigranten, die den amtierenden Weltmeistern gegen Chile die Daumen gedrückt hatten, weil heute gerade sonst niemand spielte, für den es sich gelohnt hätte, die Daumen zu drücken (die Deutschen sind erst am Samstag wieder dran, und die Schweizer mañana; läck, hat das jetzt gedauert, bis ich dieses „ñ“ basteln konnte). Ich drückte für Australien, aber was will man machen, wenn man sozusagen fast alleine gegen elf Holländer antreten muss?

Tag 2, sehr früher Morgen: „Ayayayayay!“ (Kommentar der Hotel-Rezeptionistin zum Spanien-Spiel). Stimmung beim Zmorge: Leicht gedämpft.

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Tag 2, späterer Morgen: Ich poste ein paar ferienkompatible Textilien. Der Dealer meines Vertrauens – ein Araber, der in einem früheren Leben zwei, drei Monate lang in der Schweiz studiert hat und später auf dieser Insel gestrandet ist – kennt mich inzwischen und weiss, was ich brauche (und was nicht; eine ausufernde Beratung zum Beispiel).

Nach sechs Minuten verlasse ich den Laden mit

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fünf totschicken und extrem trendigen ärmellosen T-Shirts, zwei figurbetonenden Halblanghosen, zwei verschiedenfarbigen Paar Turnschuhen, fünf Paar Unterhosen plus einer original echt nachgemachten Adidastasche (ein Geschenk des Hauses!).

Kostenpunt mit scharf und allem: 217 Euro 10 Rappen. Dagegen kann man nichts sagen, vor allem dann nicht, wenn man des Arabischen nicht soooo mächtig ist wie, sagen wir, ein Neuseeländer (jede Wette: 999 von 1000 Leserinnen und Lesern gingen davon aus, dass auf „wie, sagen wir…“ „…ein Araber“ folgen würde. Aber oha!)

Wenn Shopping irgendwo Spass macht, dann hier, und wenn wir nächstes Mal das zeitfressende Schweizgeplänkel weglassen, knacke ich die Fünfminutenschallmauer bestimmt.

+Breaking News+++Breaking News+++Breaking News+++Breaking News+++Breaki

Aus dem idyllisch-lauschigen Aargauer Seetal erreicht mich in diesem Moment ein Hilferuf von Martin Hintermann, dem Präsidenten des von mir und meinem Schatz mitbedonatierten FC Beinwil:

Bildschirmfoto 2014-06-19 um 13.16.39

Im Namen des Vorstandes schreibt er:

„Wir suchen Einzelpersonen (oder auch Paare), welche Lust und Zeit haben, unsere Kioskfrau Ruth Suter in ihrem Amt als Kioskorganisatorin ein wenig zu unterstützen. Der Aufwand wird in Form einer Umsatzbeteiligung vergütet (30% des Reingewinns/Anzahl Kioskhelfer). Gerne dürfen sich auch mehrere Einzelpersonen oder Paare melden; ein strukturiertes Team würde auch das Klumpenrisiko ein bisschen eindämmen, was ebenfalls im Sinne des Klubs wäre. Auch wer nur sehr beschränkt einsatzfähig/einsetzbar ist, darf sich melden. Interessierte melden sich bitte beim Präsi Martin Hintermann per E-Mail, SMS oder Anruf (079 424 26 38) oder direkt bei Ruth Suter (079 349 64 50).“

Damit geben, bzw. nehmen wir zurück nach Gran Canaria.

Tag 2, gegen Mittag: Um die politische Wiese in meinem Kopf auch während der Ferien nicht verdorren zu lassen, suche ich ein Lokal, das sich auf Direktübertragungen von Königseinweihungen spezialisiert hat. Nach einigem Umherirren werde ich in der Greater Strand Area fündig und bekomme gerade noch die letzten fünf Viertelstunden der Ansprache des frischgebackenen Regenten Felipe VI. mit.

Dass es sich bei der vom Beizer grossartig als „Life!!!“ angepriesenen Sendung bloss um eine Aufzeichnung von gestern Abend handelt, spielt für mich keine Rolle, ist aber vielleicht mit ein Grund dafür, dass die Plätze im Lokal eher spärlich besetzt sind.

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Der König macht mir, soweit ich das nach seinem ersten öffentlichen Auftritt als solcher beurteilen kann, einen recht gmögigen Eindruck. Er neigt amänd chli zum Vielreden und dürfte ruhig noch etwas lockerer auftreten (so sind sie schliesslich, die Spanier: Locker bis an den Atlantik abe, ausser, wenn ihre Futboleros vorzeitig aus der WM fliegen), doch abgesehen davon kann man wohl getrost davon ausgehen, dass den Rest die Zukunft weisen wird, wie wir Auslandkorrespondenten zu sagen pflegen, wenn wir von der Materie null Ahnung haben und trotzdem ein bisschen am grossen Rad der Weltgeschichte mitdrehen wollen.

Tag 2, gegen Abend: Aus Osten (oder Norden. Oder Westen oder Süden; ist doch egal) zieht eine

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gfürchige Wolkenwand

auf. Ich flüchte vom Strand weg und rette mich in mein Zimmer

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das übrigens verblüffende Ähnlichkeiten aufweist mit dem Zimmer

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in dem ich bei meinem ersten Besuch hier wohnte, und mit dem Zimmer

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245,

das ich bei meiner dritten Visite zugewiesen bekam (die Kammer, in der ich bei meinem zweiten Gastspiel um ein Haar elendiglich verdampft wäre, habe ich aus der Erinnerung verdrängt wie anderes auch, woran ich nur mit Schaudern zurückdenken könnte, wenn ich zurückdenken würde, wie die Algebrastunden bei Schabi, um nur den gerade Naheliegendsten von 1’749’937 Albträumen zu nennen).

Nun sitze ich auf der Bettkante und hoffe, dass das Unwetter bald vorüberziehen möge. Felipe oder die Beppi werdens schon richten.

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Grün vor und hinter den Ohren

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Wer mein virtuelles Stübchen hier mit einer gewissen Regelmässigkeit besucht, weiss: Ich neige bisweilen dazu, mich in ein Thema zu verbeissen.

Wenn ich etwas als ganz besonders toll oder oder blöd oder auch ohne besonderen Grund als vertiefenswert erachte, kann ich nicht mehr aufhören, es wieder und wieder wiederzukäuen, bis mir entweder die ersten Blogleserinnen und -leser Mails schicken, in denen wörtlich oder sinngemäss steht, man wisse es jetzt dann langsam, oder bis die Klickzahlen ins Einstellige absacken.

Im Moment chätsche ich am Thema „Hotelzimmer“ herum. Gestern Zürich, heute Playa del Inglés, dann London und anschliessend Rom: Da kommt aushäusigübernachtungsmässig allerhand zusammen.

Nachdem es mir gestern in der coolen Minisuite des Radisson Blu im Flughafen Kloten nicht übertrieben wohl gewesen war (was aber nicht unbedingt am Zimmer selber lag), entdeckte ich heute, nur ein paar Kilometer weiter südlich, eine ganz andere Welt: La habitación 245 im „Parque Tropical“ in Playa del Inglés.

Gut: Das Bett ist jenen, in denen ich schon bei früheren Kanaren-Aufenthalten genächtigt hatte, nicht unähnlich (für jene, dies immer ganz genau wissen müssen: So sahen die Liegestätten bei der Premiere 2012 aus…

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…und so präsentieren sie sich dem Gast heute

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Aber sonst? Kein Vergleich.

Zum Vergleich: Als ich in Zürich aus dem Zimmer trat, bot sich mir diese Aussicht:

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Und was erblickten meine vor Freude sofort unkontrolliert tränenden Augen heute Mittag, als ich von meiner kanarischen Unterkunft zum ersten Mal auf den Balkon hinaustrat, waseliwas?

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Grün, soweit der Blick reicht, und ganz hinten, fast schon am Horizont, das zartglitzernde Blau des Pools und darüber, einem Baldachin nicht unähnlich, ein wolkenloser Himmel, und das alles bei 30 Grad.

Ausrufezeichen sind in journalistisch gefärbten „Arbeiten“ eher verpönt. Trotzdem kann ich vor lauter Begeisterung nicht umhin, den letzten Abschnitt gleich noch einmal zu schreiben, aber diesmal mit der dazu passenden Interpunktion:

Grün, soweit der Blick reicht, und ganz hinten, fast schon am Horizont, das zarte Blau des Hotelpools und darüber, einem Baldachin nicht unähnlich, ein wolkenloser Himmel, und das alles bei gut 30 Grad im kaum vorhandenen Schatten!!!

Tja, liebe Leserinnen und Leser (vor allem der jüngeren Zielgruppe von 6 bis 15): Es kann sich schon lohnen, die Ferien in einem sogenannten „Reisebüro“ zu buchen, statt sich im Internet auf die Schnelle und Billige etwas herauszupicken und vor Ort dann, wie zum Beispiel das Pärchen, das vor mir mit einer Mail in der Hand einzuchecken geruhte, festzustellen, dass „mitta Beschdädigung wohl was nicht geklappt“ hat, wie der Mann gegenüber seiner Frau nach einer ziemlich endlosen Verhandlung mit dem Fräulein an der Rezeption des bis auf die letzte Besenkammer ausgebuchten Hotels einräumen musste.

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Ich hätte die Debatte und, vor allem natürlich, den Moment des Einräumens, nicht ungerne als Fotoserie oder in Filmform für die Nachwelt verewigt, hatte aber Hemmungen, mit der Kamera voll draufzuhalten.

Abgesehen davon will ich ja noch ein Weilchen hierbleiben, wenn ich – im Gegensatz zu gewissen andern Leuten – schon das Glück gehabt habe, ein solches Prachtszimmer mit einer söttigen Wunderaussicht ergattern zu können.

(Nachtrag, gegen Abend: Offenbar hats midda Beschdädigung dann doch noch geklappt. Das Paar bummelt gerade durchs Hotelareal und macht dabei einen rundum glücklichen Eindruck.)

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Sonne, Schweiss und Sterne

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„Deutschland – Österreich: 1945“: Ich dachte, das sei ein paar Jahre früher gewesen.

Aberrr gut: Dann schrrreiben wirrr die Weltgeschichte halt um.

Wenn wir schon bei den ganz grossen Fragen sind: Wieso fotografieren die Leute in den Ferien eigentlich immer nur Sonnenunter- und nie -aufgänge?

Ich war heute Morgen um kurz nach 6 am Strand und beobachtete total fasziniert, wie sich die gelborange Megakugel aus dem Wasser erhob.

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Ein Sonnenuntergang: Das hat so etwas Vergangenes, Verbrauchtes, Gewesenes, Fürimmervorbeiiges. Ein Sonnenaufgang hingegen signalisiert: Da kommt etwas Neues, Frisches und Sauberes. Etwas, mit dem man noch etwas anfangen kann. Etwas, worauf man sich freuen darf.

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Nicht sooo gefreut habe ich mich in der Nacht auf heute: Zwei Stunden, nachdem ich ins Bett gegangen war, lag ich immer noch pflotschnass wach, weil die Schwüle in meinem Zimmer im dritten Stock unter dem Hoteldach fast unerträgliche Ausmasse angenommen hatte. Hätte die Masoala-Halle im Zürcher Zoo bei einem Temperaturwettbewerb gegen mein Zimmer Nummer 334 antreten müssen: Sie hätte sehr kalt ausgesehen.

Was tut der in seinem eigenen Schweiss schmorende Tourist in einem solchen Fall? Er googelt, was „Klimaanlage“ auf Spanisch heisst, wählt die Nummer des Nachtportiers und teilt diesem mit, dass der Climatizador (darauf hätte man eigentlich auch ohne das Internet kommen können; aber egal) non funziona. Der Portier verspach, sich bis morgen früh (also: heute Morgen; jetzt muss ich kurz aufpassen, dass es nicht zu kompliziert wird) um den Fall zu kümmern.

Als ich von meinem Strandspaziergang ins Hotel zurückgekehrt war, erkundige ich mich beim Tagesportier, wie das jetzt sei, mit dem Climatizador, worauf der Portier mich verständnislos anschaute und sagte, Klimaanlagen gebe es in diesem Hause nicht; keine einzige, nirgends.

Später unterhielt ich mich mit dem Poolbarmann meines Vertrauens über den Fall – und erfuhr Interessantes: Dass die Temperaturen in den Zimmern regelmässig auf Backovenniveau steigen, sei den Hotelverantwortlichen bekannt. Das Problem sei einfach: Alle Zimmer – das Parque Tropical bietet 500 Personen Platz – mit Climatizadores auszurüsten, sei in dem 1971 errichteten Gebäude kaum gratis.

Andrerseits seien die fehlenden Klimaanlagen der einzige Grund dafür, dass das Hotel nur drei Sterne habe statt vier. Hätte es vier, würden zweifellos mehr Gäste kommen, fuhr der Barmann fort.

Nur: Auf irgendwen müssten die horrenden Kosten für die Anlage am Ende abgewälzt werden, und er und ich wüssten ziemlich genau, wer dieser „irgendwen“ wäre, sagte er. Und ob diese Irgendwens einfach so bereit wären, massiv mehr für ihre Zimmer zu bezahlen, wisse niemand.

Die Klimaanlage beisst sich folglich selber in den Schwanz, irgendwie, aber ich hoffe – auch für die auch in anderen Zusammenhängen gerne bemühten nachkommenden Generationen – dass die Hotelleitung eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung findet.

Unknown

Wenn ich hier das Sagen hätte, würde ich in jedes Zimmer einen Tischventilator für 20 Franken stellen. Das Sagen haben aber andere, drum schwitzen zumindest wir Dachgeschädigten wohl noch ein ganzes Weilchen weiter.

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Klatschendes Pack und matschiger Snack

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Sie habens getan.

Natürlich haben sies getan. Sie tuns ja immer, seit Jahren und Jahrzehnten.

Und sie tun es vermutlich auch noch im nächsten Jahrhundert, falls sich nicht irgendeines wunderschönen Tages ein Pilot ein Herz fasst und unmittelbar nach der Landung seine Kabinentür aufreisst und in den Passagierraum brüllt: „Hat euch Charter-Pack eigentlich noch niemand gesagt, dass wir euer Klatschen hier vorne gar nicht hören können?!? Zwischen und uns euch hats eine schalldichte Türe, wegen der Terroristen. Ihr könnt also applaudieren, bis eure Hände grün und blau sind und bluten: Wir bekommen das nicht mit!!! Und selbst wenn wir es mitbekommen würden: Spendiert ihr eurem Busfahrer auch eine Standing Ovation, wenn er euch unfallfrei vom Bahnhof zum Kronenplatz gefahren hat, hä? Sinkt ihr vor eurem Taxifahrer auch jedesmal ehrfürchtig in die Knie, wenn er euch vor eurer Haustüre abstellt, ohne, dass beim Bremsen das Auto explodiert ist?

Eben.

Also: Lasst! Den!! Kindischen!!! Scheiss!!!! Endlich!!! BLEIBEN!!!!“, sonst…ich weiss auch nicht, was sonst. Aber bitte, BITTE: Applaudiert Piloten nie, NIE mehr!!!!!!!!!“.

Wer übrigens nicht glaubt, dass geklatscht wurde und nun stirnrunzelnd einzuwerfen müssen glaubt, „das kann ich einfach nicht glauben, dass im Jahr 2013 immer noch geklatscht wird: Hier ist der Beweis.)

Als der Flieger um ziemlich genau 16.29 Uhr kanarischer Zeit zum Stillstand gekommen war, taten die Leute, wie dressiert, selbstverständlich auch noch Das Andere, was mich nach der Landung jedesmal in die Luft gehen lässt: Kaum hatte ein „Bling“ signalisiert, dass die Sitzgurten jetzt geöffnet werden dürfen, erhoben sich sämtliche Passagiere von ihren Plätzen,

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um ihre Hartschalenköfferli und ihre Handtäschli und ihre Plasticsäcke aus den Fächern über ihren Köpfen zu ziehen, worauf an ein geordnetes Verlassen der Maschine nicht mehr gedacht werden konnte.

Weil das alles so langsam ging, bot sich mir die Gelegenheit, hinterrücks eine jener Flugbegleiterinnen zu fotografieren, die mir während der vierstündigen Reise von Zürich nach Las Palmas einen

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weltrekordverdächtig gruusigen Snack

serviert hatte. Was die Fluggesellschaft „Niki“ (eine mir bis heute Morgen offenbar zurecht völlig unbekannte Tochter der Air Berlin) eine „Zwischenverpflegung“ nennt, entpuppte sich nach dem ersten Bissen als etwas matschig-pappig Undefinierbares mit Hühnerfetzen, was man allenfalls auf Transatlantikflügen Gästen vorsetzen könnte, die alkoholbedingt sowieso nicht mehr merken, was um sie herum passiert.

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Und wenn wir schon bei den Flugbegleiterinnen sind: Die „Niki“ lässt ihre Hostessen (das hab ich jetzt grad extra geschrieben, „Hostessen“, um stumm gegen diesen beängstigenden Gendercorrectnesshype zu protestieren) in einem pinkfarbenen Blusli mit hinten nur suboptimal sitzenden Jeans darunter auf die zahlende Kundschaft los, und da muss ich schon sagen: OMG! Das geht ja gaaar nicht!

Wenn während eines Fluges ständig Frauen hin und herlaufen, die aussehen, als ob sie gerade von einem Meet & Greet mit Justin Bieber oder jemand Artverwandtem kommen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Leute am Ende vor lauter Glück, wider Erwarten heil heruntergekommen zu sein, clap their hands and say yeah (tolle Band, übrigens, „Clap your hands and say yeah“. Wer die Musik doof findet, kann immer noch anerkennend murmeln, „aber einen originellen Namen haben sie, das muss man ihnen lassen.“)

Abgesehen von allem verlief der Flug aber recht unspektakulär. Nachdem wir die Alpen überquert hatten, wurde mir langweilig Ich klaubte unter allerlei „Sorrys“ und „Tschuldigungs“ meinen Laptop aus dem Gepäckablagefach, klappte ihn auf…und merkte in diesem Moment, dass ich hier oben so schnell keine Internetverbindung haben würde.

Um mich trotzdem irgendwie zu beschäftigen (und um den Herrn links und die Frau rechts von mir im Glauben zu lassen, die Störung vorhin sei wirklich nötig gewesen, weil ich genau jetzt etwas unaufschiebbar Wichtiges schreiben müsse), organisierte ich mir aus dem Word-Programm eine leere Seite und begann, draufloszutippen.

Viel Schlaues kam dabei nicht heraus. Denn als das Kabinenpersonal mit dem Essen „Essen“ vorbeikam, musste ich den Compi unter allerlei „Sorrys“ und „Tschuldigungs“ zwischen meinen Füssen zwischenlagern. Dann gabs Kaffee und ein Theater wegen eines dicken Rentners und noch einen Kaffee und, damit einhergehend, einen Fleck auf der Hose (aber nicht auf meiner).

Der Bustransfer zum Hotel klappte traditionsgemäss nicht. Eine Taxifahrerin brachte mich zu einem bemerkenswert humanen Tarif nach Playa del Ingés.

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Jetzt höckle ich auf meinem Balkon im dritten Stock des Parque Tropical, geniesse den Blick aufs Meer und die Illusion, ganz alleine auf der Welt zu sein.  

Ich frage mich, wo wohl der Playaboy bleibt. Eigentlich hatte ich erwartet, dass er mir gleich nach der Schlüsselübergabe über das süüferli gefägte Wägli im Hotelareal laufen würde, aber oha.

Nun gut: Er heisst ja „Playa-“ und nicht „Hotelboy“; wahrscheinlich treffen wir uns morgen am Strand.

Wenn nicht: Egal. Ich kann mich hier auch ohne ihn gäbig vertöörlen. Er soll ja nicht meinen.

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Achtung! Hitzeentwicklung über der Flamme

Feuerzeug oder Terrorwaffe? Das ist offensichtlich die Frage bei einem atombombensicher verpackten Bhaltis, das zwischen dem Hotel Parque Tropical in Playa del Inglés und dem Flughafen Zürich in mein Handgepäck gelangte.

Auf einem separat eingeschweissten und doppelseitig beschriebenen Beiblatt wird dem Benutzer in zwei Dutzend Sprachen erklärt, worauf er im Umgang mit dem Höllengerät zu achten hat, wenn er nicht alles abfackeln will, was sich in einem Umkreis von 20 Kilmetern in seiner Nähe aufhält.

Auf Deutsch liest sich das so:

„1. Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren! Bringen Sie Kindern nicht bei, wie man dieses Feuerzeug benutzt.

2. Enthält brennbares Gas und steht unter Druck!

3. Halten Sie das Feuerzeug von Gesicht und Kleidern fern, wenn Sie die Flamme zünden oder regulieren.

4. Auf keinen Fall längere Zeit Sonneneinstrahlung oder Hitze über 50 Grad aussetzen.

5. Auf keinen Fall durchstechen oder direkten Feuerquellen aussetzen.

6. Flamme nicht länger als 10 Sekunden brennen lassen.

7. Versichern Sie sich, dass die Flamme nach dem Gebrauch gelöscht ist.

8. Bei Tageslicht ist die Flamme möglicherweise nicht sichtbar.

9. Dieses Feuerzeug sollte ausschliesslich zum Anzünden von Zigaretten verwendet werden.

10. Über der sichtbaren Flamme kommt es zu einer starken Hitzeentwicklung. Hier ist besondere Vorsicht geboten, um Feuer- oder Brandwunden zu vermeiden.“

So. Auf das abe muss ich jetzt erstmal eine rauchen. Falls es gleich knallt, habe ich irgendetwas falsch verstanden.

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Aus dem Leben eines Playaboys (VII und Schluss. Oder auch nicht.)

Geplant war alles ganz anders: Als ich am Samstag in Las Palmas landete, war ich finster entschlossen, ein Velo zu mieten. Ich hatte mir vorgenommen, jeden Tag eine Stunde im Fitnessraum des Hotels zu schwitzen, ausgedehnte Vollgas-Spaziergänge am Strand zu machen und regelmässig ein paar Längen zu schwimmen.

Ich wollte die Ferien nutzen, um weitere Kilos loszuwerden. Den Laptop nahm ich nur mit, um mich hin und wieder auf den aktuellen Stand der Nachrichtendinge bringen zu können, und um gelegentlich eine Mail zu lesen oder zu verschicken.

(Stimme im Hinterkopf: „Diesen Chabis glaubst du ja selber nicht. Zeitungen lesen und Briefli mailen kannst du mit dem Eifoun. Wir wissen beide, dass dir von Anfang an klar war, dass du mit dem Compi da unten noch ganz andere Dinge anstellen würdest.“)

Mag sein. Tatsache ist: Kaum hatte ich mein Rucksäckli ausgepackt, wollte musste ich etwas schreiben. Irgendetwas.

(Stimme im Hinterkopf: „Wir sprechen hier von einer Sucht, nicht wahr? Gibs zu: Du würdest eher auf Ferien verzichten als darauf, zu schreiben.“)

Wie gesagt: Mag sein.

Also gut: Stimmt.

Stell einem Alkoholiker ein Bier hin – er trinkts.
Stell mir einen Laptop vor die Nase – ich schreibe.

Zu sehen, wie sich am Bildschirm eine leere Seite öffnet, die sich dann auf eine wundersame Weise, die ich auch nach über einem Vierteljahrhundert berufsmässigen Geschichtenerzählens nicht begreife, ganz von alleine mit Buchstaben und Sätzen füllt, die sich ihrerseits zu Abschnitten formen, um etwas zu bilden, was anderen Menschen etwas bringt, und wenns nur zwei Minuten Plausch oder Ärger sind: Es gibt nichts Schöneres.

So begann der Playaboy zu leben. Die Umstände – „Umstände“ sind für Süchtige immer gut – machten es ihm leicht, über Nacht ein Eigenleben zu entwickeln: Vom Radeln rieten mir Einheimische wegen der nichts kennenden Autofahrer in Playa del Inglés dringend ab. An Besuche im Folterkeller war bei 36 Grad im Schatten nicht zu denken. Fast ohne mein Zutun nutzte der Playaboy meinem Blog, um grösstenteils wildfremden Menschen munzige Einblicke in jene winzige Welt zu geben, die er mit mir durchstreifte.

Was ihn erst etwas erstaunte und dann völlig baff machte, war, wie die Menschen auf dem Festland auf seine Erzählungen reagierten. In seinem Mailfach und in den Kommentaren „seines“ Blog stapelten sich Zuschriften von Unbekannten und Bekannten, die ihn ermunterten, weiterzutippen. Auf Facebook wurde augenzwinkernd zu Spenden aufgerufen, auf dass sein Aufenthalt auf (und damit auch die Berichterstattung aus) Gran Canaria verlängert werden könne. Ein anderer Freund riet online spasseshalber zu einer Kollekte, die dem Playaboy ermöglichen sollte, über die Meere kreuzzufahren und zu rapportieren, was und wer ihm zwischen Bug und Heck so alles auffällt. Und, vor allem: Wieso. Mein Brüetsch empfahl seiner internetten Fangemeinde eines Morgens nicht, wie üblich, den Wäutklass-Kracher des Tages zum Abrocken. Stattdessen legte er ihr ihnen die Ferien-Reminiszenzen meines neuen Gspändlis ans Herz.

Ohne, dass ich ihn darum gebeten hätte, sorgte der Playaboy im Macbookaufklappen dafür, dass in diesem Blog soviel Betrieb herrschte wie noch nie: Hunderte von Besucherinnen und Besucher drückten sich in nicht einmal einer Woche die Klinke zu meinem virtuellen Stübchen in die Hand.

Das alles war für uns beide ebenso ungewohnt wie erfreulich und zuweilen fast schon richtig rührend.

Unabhängig davon waren wir auch nicht unglücklich darüber, zwischen Poolrand und Sandstrand eine Beschäftigung zu haben, die den doch eher eintönigen Tagen in diesem Mekka des Nichtstuns eine Struktur gab. Wir setzten uns immer zur selben Zeit hin, um bei einer Kanne Kaffee einen neuen Beitrag z Fade z schlah. Anschliessend gingen wir ans Meer, um stundenlang zu laufen. Abends, wenn nicht mehr soviele Gäste im Schwimmbecken plantschten, tauchten wir jeweils ab.

So konnte ich mich trotz der gwundrig-gmögigen Klette an meiner Seite genauso intensiv bewegen, wie ich das vorgesehen hatte. Erleichtert stelle ich fest, dass im Sand dieser Insel das eine und andere Pfund liegenblieb, das ich längst loswerden wollte (der Preis für das appetitlichste Sprachbild des Jahres dürfte damit vergeben sein).

Aber jetzt ist bei allem Spass, dens gemacht hat, Schluss. Morgen fliege ich zurück in die Schweiz, zu meinem Schatz nach Burdorf, in den alten Markt. Dort ist es zwar nicht ganz so sonnig und heiss wie hier. Dafür fühle ich mich dort wirklich daheim.

Was den Playaboy betrifft, habe ich mir lange überlegt, was ich mit ihm machen soll. Zuerst erwog ich, ihn auf Gran Canaria seinem Schicksal zu überlassen. Das wäre aber eine für beide suboptimale Lösung. Denn ob ich je nach Playa del Inglés zurückkehre, kann ich nicht sagen. Und ihn ganz alleine zwischen all den Taxifahrern, Appartmentdealern und Blüttlern auszusetzen: Das bringe ich nichts übers Herz. Im für ihn besten Fall kommt er bei einem anderen Blogger unter. Nur: Das kommt für mich nicht in Frage.

Deshalb lasse ich den Playaboy sterben. So, wie ich ihn kennengelernt habe, trägt ers mit Fassung. In seinem nächsten Leben wird er sicher etwas über jenen leicht übergewichtigen Schweizer schreiben, der ihm einst im „Parque Tropical“ aus strahlend heiterem Himmel zugelaufen ist (dabei wars eigentlich umgekehrt. Aber egal).Wenn ich Glück habe, steht irgendwo in seiner Geschichte: „Wir hatten eine tolle Zeit miteinander.“ nehme ich ihn einfach mit nach Hause.

Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, wie er mit der Kälte und der Nässe zurecht kommt, die ihn im Schweizer Herbst erwarten (um den strübsten Teil des Winters kommt er herum; dann ist er – wenn auch vielleicht unter anderem Namen – mit meiner Frau und mir in Australien). Und ich habe auch keine Ahnung, ob ihm die Emmentaler Höger genausogut gefallen werden wie die Dünen von Maspalomas.

Aber ich weiss: Sehr schwerfallen wird ihm die Umstellung nicht.

Er wird in der Schweiz unter Menschen sein, die sich von den Leuten hier nur minim unterscheiden.

„Aus dem Leben eines Playaboys“ gab es Folgendes zu berichten:

„Eine Wasserleiche für den Billigchinesen. Ärger am Strand. Und ein Verhör unter Bernern.“

Wie man sich ein Missverständnis von der Palme schüttelt und das weltweit erste Bild des Mannes, der auf den Kanaren das Wetter macht. Dazu: Wie ich den Euro rette.

„Das Leben am Pool ist kein Zuckerschlecken, wenn das Kolosseum in Trümmern liegt und Neil Young „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ singt.

„Das Vollbeschäftigunsprinzip der kanarischen Kellner, ein frustrierter Lebensabschnittspartner und neue Perspektiven für Galerien“

„Die Dünen von Maspalomas: Gigantisches Openair-Sexparadies oder überdimensionierter Sandhaufen? – Ein Selbsterfahrungsbericht.“

„Ohrfeigen im Dutyfree-Shop, künstlicher Regen und Flugzeuge mit Untergewicht“

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Aus dem Leben eines Playaboys (IV)

Er kam ohne Warnung: Der Einschlag von vier Japanern Chinesen Koreanern Asiaten auf dem Westflügel des Hotelpools riss auch mit ausgeschalteten Hörgeräten dösende Gäste aus ihrer wohligen Lethargie.

Seither ist nichts mehr, wie es einmal war. Hinlegen, Augen schliessen – schon fühlt man sich wegen des ununterbrochenen und zuweilen fast unverständlichen Geschnatters aus Fernost wie an einem gigantischen Ententeich statt in einer Oase der kollektiven Kontemplation.

Die Schweizer Fraktion unter den Umliegenden nimmts gelassen: Morgen früh schlottert das Quartett ein paar Lawinen vom Jungfraujoch oder knipst das Kolosseum in Rom in handliche Stücke (nein: Nicht „oder“. „Und“.).

Am Nachmittag – die Asiaten sind nach dem Trip ins Berner Oberland und einer für alle Beteiligten unvergesslichen Reise nach Rom im Basislager zur Eiffelturmspitze angelangt, ohne ein Gesicht oder eine Kamera verloren zu haben; Letzteres wäre eine Katastrophe – treffen sich die von den Ereignissen etwas überrumpelten Spitzen des Römer Tourismusbüros auf den Trümmern des Kolosseums zur Lagebesprechung:

– „Und jetzt? Was machen wir jetzt?“

– „Kasse. Soviel Kasse wie noch nie.“

– „Bene. Wieviel haben die Berliner damals für un piccolo pezzo Mauer verlangt? 10 Mark? Machen wir 50!“

– „Bei den Viagravorräten des Berlusconi! Du kannst doch nicht die Mauer mit dem Kolosseum vergleichen! Wie lange stand das eine? Wie lange ist das andere schon da? 100, Minimum. Plus Steuern, Zoll und alles.“

– „Gut. 500.“

– „500 was? Euro?“

– „Das sehen wir dann. Kommt auf die Griechen an. Irgendwie kommts ja immer auf die Griechen an.“

– „Merda!“

– „Hat übrigens jemals ein Kaiser auch nur einen Fuss auf die Mauer gesetzt?“

– „Nein. Aber Kennedy.“

– „Das ist etwas anderes. Kennedy ist tot.“

– „Caesar auch.“

– „Wie gesagt: Das ist etwas anderes. Kennedy ist Kennedy. Caesar ist Caesar. Und ich bin hier der Chef.“

– „Naturalmente. Ich meinte ja nur.“

– „Also. Mit Steuern, Zoll, Caesar, Nero, den Christen und den Löwen und so weiter: 800.“

– „Runden wir auf. Touristen haben sowieso nie Münz. Und wenn doch, schmeissen sies in den Brunnen von dieser Ekberg. 1000.“

– „Pro Stein?“

– „Pro Eintritt. Die Steine kosten extra.“

(In den wachsamen Augen ganz sensibler Zeitgenossen mag das mit den Asiaten vielleicht chli rassistisch erscheinen. Nun denn: Verklagt mich doch. Denkt einfach daran: Ich blogge hier unter iberischer Flagge in königlich-spanischem Hohheitsgebiet. Viel Spass mit den Rechtshilfeersuchen!)

Zurück zum Pool. Eigentlich wollte ich heute die wenigen geschriebenen und vielen ungeschriebenen Regeln, denen das Dasein an demselben unterworfen ist, zum Mittelpunkt meiner Ausführungen machen. Im Kopf hatte ich, wie sich das für einen gewissenhaften Journalisten auch im temporären Ruhestand gehört, schon einen packend-informativen Einstieg vorformuliert und mir etwelche Mühe gegeben, dabei nicht allzusehr ins Boulevardeske abzugleiten:

„Das Areal rund um den Hotelpool ist eine Welt für sich. Nirgendwo sonst – nicht einmal im Bundes- oder einem anderen Rat – wird so fies intrigiert, skrupellos geellböglet, hinterhältig taktiert, ungeniert geschnödet oder kurz: um den eigenen Vorteil gerungen wie an diesem Wasserbecken, an dem nicht wenige ihre kompletten Ferien durchstehen, -liegen und -höcklen, obwohl sie sich in Zürich-Kloten noch so darauf gefreut hatten, jetzt endlich einmal „das andere Gran Canaria“ zu entdecken. Das mit dem Essen bei Eingeborenen samt Ritt auf Pablito, dem eigens dafür gezüchteten Eseli.“

Am Beispiel des Liegenbesetzens by Badtüechli zu nachtschlafener Stunde wollte ich aufzeigen, wie idiotisch sich äusserlich völlig normal wirkende Leute aufführen, wenn es darum geht, sich die Poleposition am Pool zu sichern. Aber dann bemerkte ich am Beckenrand dieses Schild:

(Brille verlegt? Kontaklinsen verloren? Auf der Tafel steht in sämtlichen gängigen Weltsprachen, es sei verboten, die Liegestühle vor 9 Uhr morgens zu okkupieren.)

Damit war meine Geschichte natürlich gestorben.

Glaubte ich…

…bis ich um kurz nach 5 waseliwas sah?

Um Missverständnissen vorzubeugen und dem sicher auch hier mitlesenden Geheimdienst mit aller gebotenen Deutlichkeit klarzumachen, dass ich null Interesse an einem Jobangebot habe: Ich stand nicht extra so früh auf, um zu kontrollieren, ob amänd doch schon ein Liegestuhl besetzt sei. Ich bin um diese Zeit immer puurlimunter und platze schier vor Tatendrang.

Was nun? Sollte ich die Geschichte wiederbeleben? Oder in Frieden ruhen lassen? Sind auch für Geschichten Wiedergeburten denkbar? Was, wenn sie auf einmal in Form eines Hinterdenkulissenberichts aus dem Musikantenstadl vor mir steht?

Während ich versuchte, mich zu einer Entscheidung durchzuringen, fielen die Mitbewohner des Hotels über das Zmorgebuffet her wie Piranhas nach dem Ramadan über eine frisch geschächtete Kuh und plünderten die bis zum Rand mit süssen und sauren und scharfen und milden und fetten und gesunden Köstlichkeiten gefüllten Hochglanzbecken bis auf die letzte Haferflocke.

Die Ereignisse begannen sich zu überstürzen. Ich wurde ganz konfus: Nebenan ging die Dusche los. Ein Auto fuhr vorbei. Die Hotelkatze hob den Kopf. Draussen bestellte ein Mann aus dem Land Goethes und Grönemeyers, beherzt seinen ganzen Fremdwörterschatz plündernd, „una Serwessa mas!“ (alle Männer bestellen hier immer „una Serwessa mas“, egal, was für Zeit ist, und unabhängig davon, obs der Gemahlin passt oder nicht. Ich bleibe beim agua mineral. Wenn ichs an der Bar richtig krachen lassen will, darfs auch mal ein Cola Zero sein). Laut klopfend begehrte das Zimmermädchen („Zimmermädchen“ ist ein gutes Stichwort: Heissen die Zimmermädchen immer noch Zimmermädchen? Oder gibts es nun auch dafür einen jedes Visitenkartenformat verhöhnenden Fachbegriff im Sinne von „Junior Vice Consultant Underwriter in the Back Office of the Room Service & Cashuality Affairs Department at Parque Tropical Hotel, Playa del Inglés, Gran Canaria?“) Einlass in Camera 120.

Ich tat, was ein Mann in solchen Situationen eben tun muss: Ich ging zum Strand. Untewegs zählte ich die Palmen. Als ich unten angekommen war, hatte ich die Sache mit der Geschichte vergessen.

„Comes a time“, sang Neil Young mit seinen „Crazy Horse“ 1978 (für Zeitgenossen mit ramponiertem Kurzzeitgedächtnis):

Genau der Neil Young, der mit seiner Band soeben das Album „Americana“ produziert hat, das „fantastisch“, „grossartig“, „zeitlos“, „wegweisend“ „epochal“ oder „grandios“ nennt, wer the british art of understatement zu schätzen weiss, dieser Neil Young also sagte im Zusammenhang mit Poolliegestühlen und Woodstock einmal…

…Mist. Jetzt habe ich den Faden verloren.

Jedenfalls: Gestern Abend stieg, von den aus diesem Anlass ganz besonders hell strahlenden Sternen beschienen, die von allen mit einer fast schon fiebrig zu nennenden Vorfreude herbeigesehnte grosse Schlagersause. Weil ich keine anderweitigen Projekte hatte, nahm ich in dem grossen Openairrestaurant irgendwo Platz, wos grad noch Platz hatte, und liess mich, im Beisein von sechs oder sieben anderen Zuhörerinnen und Zuhörern (darunter ein Hotelkoch und eine Serviertochter) auf eine Zeitreise durch die letzten Jahrzehnte entführen: „Anita“, „Blue blue, blue Johnny blue“, „La paloma blanca“, „Ein Stern, der deinen Namen trägt“…unsere kleine Schicksalsgemeinschaft wurde von der mit voller Wucht über uns hinwegrollenden musikalischen Schleimmasse beinahe von den Sitzen gespült.

Auch oder gerade weil das Duo konsequent auf mindestens Halbplayback setzte und gänzlich darauf verzichtete, Liedgut von George Michael, Phil Collins und James Blunt zum Vortrage zu bringen, verbuchte ich das als grande Spettacolo angekündigte Geschrummel als nette Abwechslung im ansonsten doch eher spettacolofreien Ferienalltag.

Wie die Künstler heissen, ist mir über Nacht entfallen. Dafür weiss ich noch, dass sie einen schwarzen Minijupe trug und er eine Frisur hatte, die vor 30 Jahren topmodern gewesen sein musste.

„Topmodern“…“topmodern“…ach ja: Das Lied von Neil Young! Auf „Comes a time“ kam ich (vermutlich) nicht wegen des Pools, sondern, weil für die time des Abschieds von diesem Fleckchen Erde mit fast chli beunruhigend grossen Schritten naht. Noch heute, morgen, übermorgen – und schon ist wieder fertig Lustig.

Weitere Ferienpläne? Momoll, die gibts.

Aber eher für später.

Nachtrag: Ich sehe gerade – es gibt sie noch, die Zimmermädchen.

(Morgen live von der Insel: Wie man sich ein Missverständnis von der Palme schüttelt und das weltweit erste Bild des Mannes, der auf den Kanaren das Wetter macht. Dazu: Wie ich den Euro rette.)

Bereits erschienen:

„Das Vollbeschäftigunsprinzip der kanarischen Kellner, ein frustrierter Lebensabschnittspartner und neue Perspektiven für Galerien“.

„Die Dünen von Maspalomas: Gigantisches Openair-Sexparadies oder überdimensionierter Sandhaufen? – Ein Selbsterfahrungsbericht.“

„Ohrfeigen im Dutyfree-Shop, künstlicher Regen und Flugzeuge mit Untergewicht.“

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Aus dem Leben eines Playaboys (I)

Samstagnachmittag, 12.15 Uhr: Wenn das alles chli gehetzt wirkt jetzt – sorry. Es muss alles ziemlich schnell gehen, weil: Es pressiert.

Im Moment, in dem ich das schreibe, sitze ich in der Halle zum Gate 5 im Flughafen Zürich. Draussen geht die Welt unter: Endlos fällt Regen auf die nass glänzenden Rollbahnen. Alle zwei Minuten sticht ein Flugzeug in den Himmel, der vor lauter Grau kaum zu sehen ist. In einer Viertelstunde steige ich in eine Maschine der chli trudelnden Air Berlin. Sie wird mich in dreieinhalb Stunden nach Las Palmas auf Gran Canaria bringen.

Das Wetter dort: Sonne, gut 30 Grad, kaum Wind.
Und hier noch die Vorhersagen für die kommenden Tage: Sonne, gut 30 Grad, kaum Wind.

Ich bin der einzige Gast an dieser ungastlichen Bar. Die anderen Passagiere sitzen in ihren Plastikstühlen und warten darauf, dass ihre Flüge aufgerufen werden. Wenn ein gewisser Juri Sowiesitsch, der von Moskau nach New York reist und in Zürich vom Fräulein im Lautsprecher ständig gebeten wird, sich bei der Information zu melden, sich nicht subito bei der Information meldet, ist der Zug für ihn bald abgefahren. Und das im Unique Airport.

Zeit für tiefschürfende philosophische Betrachtungen habe ich, meine A320 hinter dem Wasservorhang nur schemenhaft vor Augen, für einmal nicht. Deshalb nur kurz: Die neusten Flughafentrends:

– Der Raucher wird wieder als Mensch betrachtet. Jedenfalls scheint es hier, wo noch vor Kurzem Sondereinheiten der Polizei patrouillerten, um jeden dingfest zu machen, der auch nur den Anschein erweckte, ein Päckli Zigaretten aus dem Poschettli zu ziehen, deutlich mehr Reservate für unser Randgrüppli Raucherlounges zu geben als auch schon.

– Die Frauen entdecken ihre eigenen Stärken: Auffallend viele weibliche Fluggäste schleppen ihre Silbermetaliséehartschalenkoffer selber. Die Männer bummeln, das in einem Rucksäckli verstaute Handgepäck locker über die Schuler drapiert, nebenher.

– Der Gattin im Dutyfree-Shop vor allen Leuten eine Ohrfeige zu verpassen: Das ist noch kein Trend. Falls es einer werden sollte, kann ein grob geschätzt 200 Kilo schwerer Amerikaner in einem rotweissen „I love Switzerland“-Shirt und einer Dàchlikappe mit dem Eiffelturm drauf für sich beanspruchen, ihn gesetzt zu haben. Aber vielleicht macht er ja nur nach, was er von seinem Vater abgeschaut hat, und der von seinem Vater, und der von seinem. Vielleicht liegt in dieser Familie das Ohrfeigen einfach in den Genen. Dann wäre es natürlich etwas anderes und auch in diesem jüngsten Fall entschuldigt.

– Bis Neugeborene noch an der Nabelschnur hängend mitfliegen, ist eine Frage der Zeit. Auch wenn ich sonst grundsätzlich nichts Politisches unterschreibe: Wer auch immer mir ein Formular unter die Nase hält, mit dem gefordert wird, das Insflugzeugbringen von Kindern unter zwei Jahren zu verbieten – mein Autogramm hat er oder sie auf sicher. Nichts gegen Kinder; wirklich nicht. Aber einiges gegen Eltern, die unmittelbar nach der Endbindung samt Bébé in die Luft gehen. Das Kind dreht vor lauter Angst und Druckabfall fast durch, die Mitreisenden haben keine Sekunde Ruhe, das Flugpersonal – das ziemlich sicher schon mit dem Grossen ausreichend beschäftigt ist, kommt kaum mehr aus dem Sichumsmami kümmern heraus.

„Die Passagiere von Flug AB2086 nach Las Palmas werden gebeten…“: Ich muss.

Wobei: „Muss“?

Der Pilot, dessen Name ich leider in den Moment vergesse, in dem er sich und die Cabin Crew vorstellt, ist ein freundlicher Mann. Um uns die Wartezeit bis zum Start zu verkürzen, gibt er durch, das uns die Piste 16 zugeteilt worden sei, dass die Flughöhe 11 300 Meter betragen werde und dass wir mit durchschnittlich 853 Stundenkilometern über Lyon, die Pyrenäen, Funchal und ein Stück Atlantik nach Gran Canaria düsen würden. Das Abfluggewicht betrage gut 70 Tonnen.

Letzteres scheint er mit einem feinen Unterton zu sagen. Falls er mich gemeint haben sollte: Ich kann ihn beruhigen: Ich will auf den Kanaren nicht nur am Strand liegen, sondern mit extrem zügigen Spaziergängen am Meer, schweisstreibenden Velofahrten über Land und harter Arbeit ultimativen Workouts im hoteleigenen Fitnesszenter auch und vor allem kiloweise Pfunde verlieren. Im Idealfall heben wir in einer Woche in einer wesentlich leichteren Maschine ab. In einem Flugzeug mit Untergewicht, quasi.

Et voilà: Sonne, gut 30 Grad und kaum Wind.

Natürlich hat der Fahrer des Hotelshuttles Verspätung oder den Termin vergessen, aber dafür gibts ja Taxis. Für 28 Euro bringt mich ein bemerkensewert schweigsamer Spanier nach Playa de Inglés, ins Hotel Parque Tropical. Woher das Hotel seinen Namen hat, wird mir auf der ziemlich viel Zeit beanspruchenden Zimmersuche durch die weitverzweigte Anlage klar:

Vom Parque Tropical bis zum Strand seien es nur 50 Meter, heisst es im Internet. Das stimmt auch (wie fast alles, was im Internet steht). Nur: Zwischen dem Hotel und dem Wasser dräut

ein unüberwindbarer Abgrund

in Form einer überhängenden Geröllhalde. Bis zu einem ruhigen Plätzchen am Salzwasser marschiere ich knapp eine halbe Stunde. Aber mir wei nid chlage: Genau deshalb bin ich ja auf der Insel – um mich möglichst viel zu bewegen.

Sonntagmorgen, 4.15 Uhr: Sanftes Regenprasseln weckt mich aus einem nicht sonderlich tiefen Schlaf. Ich habs gewusst: Wenn ich Ferien habe, verwandelt sich auch die sonnenverwöhnteste Gegend der Welt über Nacht in einen Sumpf. Ich reisse allen Mut zusammen und täppele im Finsteren auf die Terrasse. Geistig bin ich schon am Packen: Ich will weg sein, bevor die anderen Gäste merken, was für einen Ferienverderber sie in ihren Reihen haben, und mich mit pitschnassen Badetüchern totschlagen, bevor sie mich unter hysterischem Singen von „Sun, fun and nothing to do“ im Sand verscharren.

Doch als ich vor mein Zimmer trete, ist die Luft so trocken wie ich seit achteinhalb Jahren: Am Firmament funkeln die Sterne. Kein Lüftlein bewegt die Palmenblätter. Kein Wassertropf benetzt das kleine Weglein vor mir. Im Schein der Laternen glitzern bloss ein paar Blätter feucht.

Watson kombiniert: Der vermeintliche Regen wurde von der Bewässerungsanlage erzeugt. Ich könnte mich also beruhigt wieder auf mein durchgeschwitztes Laken auf dem

Bett links

(zum Zeitpunkt der Aufnahme noch unbenutzt) legen.

Aber wenn ich jetzt schon einmal so gemütlich an diesem Tischli sitze und, begleitet vom Rauschen der Wellen und vom Zirpen der Gillen, so vor mich hin schreibe, muss ich sagen: Schlafen an diesem Ort ist eine noch grössere Zeitverschwendung als schlafen in der Schweiz (auch wenn es in meiner Heimt, wenn ich den Wetterbericht richtig interbretiere, gerade wenig Sinnvolleres gibt, als im Bett zu liegen und auf bessere Zeiten zu hoffen).

ich schaue mal, obs schon irgendwo einen Kaffee gibt. Hoffnung besteht: In der Poolbar brennt ein Licht.

Aha – wer sagts denn:

(Morgen live von der Insel: „Die Dünen von Maspalomas: Gigantisches Openair-Sexparadies oder überdimensionierter Sandhaufen? – Ein Selbsterfahrungsbericht.“)

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