Einmal und nie wieder

An alle, die an den Openairs landauf und -ab jetzt wieder stundenlang deutschen Hip-Hop, französischen Rap und Artverwandtes über sich ergehen lassen müssen, bis kurz vor Schluss vielleicht doch noch jemand richtige Musik macht: Das war das Lineup des “Out in the Green”-Festivals, das vom 5. bis am 7. Juli 1991 in Frauenfeld stieg:

Offiziell war ich als akkreditierter Reporter vor Ort. Tatsächlich erlaubte mir mein Badge aber vor allem, mich als Fan nach Lust und Laune in diesem musikalischen Schlaraffenland zu tummeln.

Als ich nach dem Simple Minds-Konzert in einem zigzehntausendköpfigen Menschenmeer weit nach Mitternacht völlig überraschend meinem Brüetsch und seinem besten Freund über den Weg lief, wusste ich definitiv: Auch wenn du 400 Jahre alt wirst – so etwas erlebst du nie wieder.

Feier-Abend

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(Bild: pd)

Eine über 30jährige Bandgeschichte so in ein zweieinhalbstündiges Konzert zu packen, dass am Ende über 10 000 Menschen wunschlos glücklich sind: Das schafft nur, wer trotz Millionen von verkauften Platten mit dem Kopf und dem Herzen nahe beim “Volk” geblieben ist.

Die Toten Hosen demonstrieren bei ihrem Auftritt am 10. “Moon and Stars”-Festival in Locarno eindrücklich, dass sich Grossveranstaltungen auch so gestalten lassen, dass sie nicht zur musikalischen Massenabfertigung verkommen. Mit viel Gspüri für die Träume, Hoffnungen und Erinnerungen all der Menschen auf der Piazza Grande zündet die Kulttruppe aus Düsseldorf ein Feuerwerk, das jeder Besucher ein bisschen als sein ganz persönliches betrachten und bewundern darf.

“Hier kommt Alex”, “Alles aus Liebe”, “Sascha”, “Steh auf, wenn du am Boden bist”, “Eigekühlter Bommerlunder”, das extra für diesen Auftritt aus der Mottenkiste geholte “Azzurro”, zig weitere Uralt-Hits, Müsterchen aus der jüngsten Schaffensperiode (“Ballast der Republik”, “Altes Fieber”) und, natürlich, das längst zur Allzweckhymne avancierte “Tage wie diese” treiben dem Punker, der in der ersten Reihe jedes Wort mitgröhlt, genauso die Freudentränen in die Augen wie der Bankiersgattin auf der VIP-Tribüne, die vor dem Konzert nur gewusst hatte, dass “Die Hosen” doch die sind mit diesem lustigen Lied über einen “Junge”, dem immer gesagt wird, was er zu tun hat, und was nicht.

23 Uhr ist vorbei, als auf der Piazza immer noch gefeiert und um Zugaben geklatscht wird. Zigtausend Deutschschweizer geben alles, um fünf Deutsche möglichst lange im Tessin zu behalten: Das gab es bis zum Besuch der “Toten Hosen” nicht allzuoft.

Halunke hauens hoch hinaus

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Soviel Glück ist nicht jeder Schweizer Band beschieden: Die Berner Halunke dürfen am renommierten “Zermatt unplugged”-Festival auftreten. Und zwar nicht nur ein- oder zwei-, sondern gleich dreimal. “Wir freuen uns riesig!!”, jubelt Ober-Halunke Christian Häni auf seiner Facebook-Seite.

Mit von der Partie sind auch Umberto Tozzi, der frühere Raemon-Kopf Rea Garvey, Die Fantastischen Vier, Stefanie Heinzmann, Marianne Faithful, Bryan Ferry oder Mando Diao.

Die Erfahrung, auf 1600 Metern über Meer ohne – oder ämu fast ohne – Strom in einer einzigartigen Naturkulisse vor einem ziemlich anspruchsvollen Publikum aufzutreten, machten in den letzten Jahren schon Chris de Burgh, Suzanne Vega, Nazareth, Lionel Ritchie, Billy Idol, Ex-Supertramp Roger Hodgson, Amy Macdonald oder Jon Lord.

“Zermatt unplugged” findet vom 9. bis am 13. April statt. Tickets gibts hier.

Das Jaquet im Ventilator

 

“Unsere Herausforderung ist: <Wie beginne ich einen Konzertbericht?>: Mit diesen Worten stimmte Esther <Äschti> Burri, die Betreiberin des Online-Portals “Swissmusicdiary“, einer kleinen Kritik zu, die ich neulich hier angebracht habe.

Wenig später rapportieren die Führerinnen und Führer des Schweizer Musik-Tagebuches das Geschehen am Openair Hoch-Ybrig. Und siehe da: Mit an Verbissenheit grenzendem Ehrgeiz stellen sie sich der Vorgabe, auf meteorologischen Firlefanz zu verzichten. Nun setzen sie sich – was auch die Hauptdarsteller auf der Bühne freuen dürfte – von allem Textanfang an mit grosser Ernsthaftigkeit mit dem musikalischen Schaffen auseinander:

“Elegant präsentieren sich die Herren von Monotales. Die Luzerner tragen Jaquet und teilweise auch Kravatte.”

Aufs Wetter wird nur noch ein Ausnahmefällen zurückgegriffen:

– „Nach 24 Stunden Regen endlich blauer Himmel, gepaart mit einer unbeschreiblichen Energie, welche von der Bühne drückt.“

– „1… 2… 3… 4… 5… 6… 7… 8… und sie reissen sich die Kleider vom Laibe um sie als Ventilator in der Luft zu schwingen. Sie, das sind die Open Season Fääns, welche am Openair Hochybrig dem Regen trotzen und eine Party liefern, welche sich mit allen (Regen-) Wassern gewaschen hat!“

– „Wo sind all die Fans von guter Schweizer Musik? Es verstecken sich wohl noch alle Ybriger irgendwo im Trockenen, denn als ich beim ersten Song von Melonmoon auf den Platz vor der Bühne trete, kann ich die Menschen dort an zwei Händen abzählen.“

Abgesehen davon bieten die als Medienschaffende getarnten Fans “Swissmusicdiary”-Chronisten Musikjournalismus vom Feinsten:

– “Das Publikum singt mit, schwingt immer wieder die Arme, während Myron die Wolken vertreiben und die Berge rund um das Openair Gelände erzittern lassen. Danke Jungs, uns hat es Spass gemacht – gerne wieder mal vor einem Konzert. Und danke auch für die wischende Unterstützung, welche ihr der Abfallcrew geliefert habt.”

– “Der Dauerregen schlägt auf die Stimmung der Band, welche sich dann auch prompt auf das Publikum überträgt. Sie kämpfen sichtlich und tatsächlich lockern sich die dunkelgrauen Wolken während des Auftritts auf und die Regentropfen werden spärlicher. (…) Schade, dass die ansprechende Musik von Melonmoon in diesem Wetter gnadenlos untergeht. (…) Demnächst soll der Regen komplett aussetzen und die positive Stimmung ist bereits vorprogrammiert.”

– “Der geteerte Platz bietet festen Untergrund, die Musik ist toll, nur Petrus will auch noch ein Wörtchen mitreden.”

– “Neben Gitarren, Piano, Bass und Schlagzeug kommt auch die Mundharmonika zum Einsatz. Mal ruhig, dann wieder mit zackigem Tempo, die Musik der Monotales treibt die Tanzfüsse automatisch an und geklatscht wird auch hin und wieder. Viel mehr gibt es zu den Monotales nicht zu sagen, es war einfach gut – ich habe es genossen und komme bestimmt wieder.”

 

Ich habs auch genossen. Auf  Wiederlesen!